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Türoffner zur Arbeitswelt

27.09.2018 — Wer nach dem Studium beruflich durchstarten will, braucht mehr als nur theoretisches Wissen. Praktische Erfahrung ist unverzichtbar. „An Praktika während des Studiums führt kein Weg vorbei“, sagt Jutta Boenig. Sie ist Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK). Auch wenn die Zeit im Unternehmen meist nicht gut bezahlt ist, lohnt sich der Aufwand.

Kontakte knüpfen

Praktika bringen nicht nur wertvolle praktische Erfahrungen. „Oft knüpfen Studierende während eines Praktikums so gute Kontakte in ein Unternehmen oder eine Branche, dass eine Übernahme nach dem Studium zumindest wahrscheinlicher wird“, sagt Marius Wallat, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Viersen.

Wie kommen Studenten an Praktika bei interessanten Unternehmen? „Je frühzeitiger sie sich bewerben, desto besser“, sagt Karriereberaterin und Business-Coach Ute Gietzen-Wieland. Im Idealfall bewerben sich Interessenten ein Jahr vor dem gewünschten Zeitraum.

Neben Ausschreibungen im Netz bieten Job- und Karrieremessen die Chance auf Praktikumsplätze. Dort lassen sich Firmen gezielt ansprechen. Dabei ist es wichtig, ein schriftliches Kurzprofil in Form eines Flyers überreichen zu können, in dem Angaben über den Bewerber stehen. Auch Hobbys dürfen darin stehen. Wer etwa eine Teamsportart ausübt, stellt Teamfähigkeit unter Beweis, so Boenig.

Standardanschreiben vermeiden

Zu dem Kurzprofil gehören ein Porträtbild und eine seriös wirkende E-Mail-Adresse, die sich aus dem eigenen Namen zusammensetzen sollte – und nicht aus Spitz- oder Spaßnamen. Vom Gesprächspartner der Firma lässt man sich die Visitenkarte geben. So bleibt die Möglichkeit, einige Zeit nach dem Treffen nachzuhaken.

Bei einer schriftlichen Bewerbung sollten die Unterlagen tadellos sein. Man sollte präzise erklären, warum man bei dem Unternehmen ein Praktikum machen möchte. „Das Anschreiben darf keinesfalls beliebig sein“, erklärt Gietzen-Wieland. So zeigen Bewerber, dass sie sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben. „Standardschreiben, bei denen offenkundig einfach nur die Adressen ausgetauscht wurden, wirken beim Empfänger alles andere als überzeugend.“

Freiwillige Praktika haben im Vergleich zu Pflichtpraktika einen höheren Stellenwert, wie Gietzen-Wieland erklärt. Das dokumentiert echtes Interesse an einer Firma. Wer für sein Studium Pflichtpraktika absolvieren muss, sollte daher zusätzlich auch noch eines auf freiwilliger Basis machen.

Wie sieht's mit der Bezahlung aus?

In Sachen Bezahlung gilt: Ein Pflichtpraktikum ist für einen Studiengang obligatorisch, dafür kann ein Studierender keinen Mindestlohn beanspruchen. „Ein freiwilliges Praktikum hingegen, welches länger als drei Monate dauert, muss mit dem gesetzlichen Mindestlohn vergütet werden“, so Wallat. Je nach Branche sind unbezahlte Praktika manchmal die einzige Möglichkeit, ein Unternehmen kennenzulernen.

 

Text: Sabine Meuter, dpa Foto: Alexander Raths - Fotolia