Yvonne Zajontz: Städte profitieren von Studierenden | hochschulenhoch3

Jung, kreativ, modern

In Gesprächen mit Studierendenvertretern gewinnt man den Eindruck, dass es speziell in den kleineren Studienorten wie Künzelsau, Schwäbisch Hall und Mosbach kaum Verbindungen zwischen Studierenden und Stadtbewohnern gibt. Man lebt nebeneinander her. Wie erklären Sie sich das?

Yvonne Zajontz: Ich vermute, dass die Leute in den ländlichen Gegenden nicht so sehr an Studierende in ihrer Stadt gewöhnt sind. Ich kenne mich aber dort zu wenig aus. In Heilbronn, denke ich, ist es anders. Hier ist man offener, denn man ist es gewohnt, mit unterschiedlichen Gruppen zusammen zu leben. In Sontheim, wo es die Hochschule seit mehreren Jahrzehnten gibt, sowieso. Ich habe auch den Eindruck, dass durch den Bildungscampus mitten in der Stadt die Wahrnehmung der Bürger sehr positiv ist. Dann ist man auch gegenüber Studierenden aufgeschlossener.

Wie können die Orte denn von ihren studentischen Bewohnern profitieren?

Yvonne Zajontz: Studierende sind junge, kreative, aktive Menschen, die das Stadtbild beleben, vitaler machen und eigene Ideen einbringen. Das wiederum zieht andere Leute an. Jede Stadt möchte gerne nach außen jung, modern und attraktiv wirken. Es lohnt sich deshalb, für Studierende Angebote zu schaffen und Verknüpfungen aufzubauen. Umgekehrt liegt es aber auch an den Hochschulen und ihren Studierendenvertretern, mehr regionale Kulturangebote zu besuchen, zum Beispiel Besenwirtschaften und Weinfeste.

Zusammen mit Robert Mucha vom Stadtmagazin Hanix haben Sie 2017 die Studie „Schwarmstadt Heilbronn“ durchgeführt. Dafür befragten Sie Bewohner aus dem Stadt- und Landkreis, was sie an Heilbronn gut finden und woran es in ihren Augen fehlt. Welche Rückschlüsse ziehen Sie aus den Ergebnissen?

Yvonne Zajontz: In Heilbronn hat sich in den letzten Jahren viel getan, aber es besteht noch Luft nach oben. Großprojekte wie die BUGA tragen zu einer imageorientierten Stadtentwicklung bei und stoßen viele Veränderungen an. Wir sind momentan dabei, die Interessensgemeinschaft „Innovative Stadtentwicklung“ zu gründen. Mit dabei sind verschiedene Akteure, die ein gemeinsames Interesse daran haben, Heilbronn zur Schwarmstadt zu entwickeln. Unser Ziel ist es, Heilbronn für junge Menschen attraktiv zu machen und innerstädtische Erlebnisräume zu schaffen. Jetzt braucht es Menschen – und nicht nur aus dem Rathaus –  die mit uns daran arbeiten. So kann Heilbronn eine lebendige und urbane Stadt werden.