Stuv HHN, Campus Künzelsau | hochschulenhoch3

„Mir kommt es so vor, als ob es in Künzelsau nicht unbedingt gewollt ist, dass Studierende hier frischen Wind bringen.“

Natalie Knappik, Lea Wieser und Nina Kapischke, Studierendenvertretung Hochschule Heilbronn, Campus Künzelsau

Fast alle Studierenden am Campus Künzelsau der Hochschule Heilbronn haben eines gemeinsam: Sie sind wegen der spannenden Studiengänge in die kleine Stadt gezogen. Um Betriebswirtschaft mit Kultur-Freizeit-, Sportmanagement oder Energiemanagement zu studieren, muss man deutschlandweit lange nach Vergleichbarem suchen. „Als ich am Anfang in Künzelsau angekommen bin, war ich mir etwas unsicher, wo ich denn hier gelandet bin“, erzählt Nina Kapischke von der Studierendenvertretung über ihren ersten Wochen. So oder so ähnlich könnte es allen gegangen sein. Der entscheidende Punkt ist: Lässt man sich darauf ein und macht das Beste draus? Ihre StuV-Kollegin Natalie Knappik beschreibt die Situation so: „Bei WG-Partys setzt man sich einfach gemütlich zusammen und jeder bringt was mit. Wir haben zwar kein Studentenleben, wie man das von Großstädten kennt. Wir sind hier eher wie eine gemütliche Community.“ Das Gute an einem kleinen Campus: Jeder kennt jeden. Wenn etwas ist, weiß man sofort, an wen man sich wenden muss. Die Gemeinschaft der Studierenden untereinander ist es, weshalb sie ihren Studienort mögen und schätzen.

Man hilft sich selbst

Der Campus in Künzelsau liegt außerhalb der Stadtmitte. Von manchen Fenstern aus schaut man Kühen beim Grasen zu, der Kocher plätschert nur einen Steinwurf entfernt am Gelände entlang. Idylle pur. Doch wie ist der Kontakt zu Stadt und Stadtbewohnern? „Mir kommt es so vor, als ob es in Künzelsau nicht unbedingt gewollt ist, dass Studierende hier frischen Wind bringen“, sagt Nina und Natalie bestätigt: „Wenn wir bei der Stadt mit Wünschen oder Anregungen kommen, dann sind sie auf dem Rathaus uns gegenüber offen und bemüht. "Aber alles geht dort sehr langsam.“ Das Nachhaltigkeitsreferat hatte sich das „Tramperle“, eine Bank mitten in der Stadt, überlegt. Sie sollte für Studierende wie eine Bushaltestelle funktionieren, nur ohne Bus. Man stellt sich dort hin und kann von Kommilitonen, die mit dem Auto auf den Campus fahren, mitgenommen werden. Der Stadt gefällt die Idee und sie möchte die Finanzierung übernehmen. Natalie: „Irgendwie ist es im Sande verlaufen, da tut sich nichts mehr.“ Ohne eignes Auto hat man in Künzelsau sowieso schlechte Karten: Es fahren viel zu wenige Busse, kritisieren die Studentinnen, ab 18 Uhr kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nirgends mehr hin. Eine Bahnverbindung gibt es nicht. Auf dem Campus hilft man sich selbst: Über Facebook bildet man Mitfahrgelegenheiten. 

Angebote gehen am Nerv junger Leute vorbei

Dass in Künzelsau nichts los ist – davon kann keine Rede sein. Es gibt viele verschiedene Märkte und verkaufsoffene Sonntage. Doch mit diesen Angeboten trifft man nicht den Nerv junger Leute, findet Natalie. Ein Poetry-Slam, Flohmärkte oder mehr Kultur- und Freizeitangebote wären toll. „Auf uns wirkt es so als wollten sie sagen: Ihr könnt mitmachen oder es bleiben lassen. Für sie gibt es keine Notwendigkeit, uns einzubeziehen.“ Die Künzelsauer Studierenden bleiben unter sich: Zum Beispiel ist jeden Mittwoch das Kokolores für sie geöffnet – ein Jugendhaus mit Bar, Tischkicker, Sofas und Musik. Nina: „Wir machen das für uns und es wird auch gut angenommen.“