Studierende lehnen landesweites Semesterticket ab | hochschulenhoch3

Studierende lehnen landesweites Semesterticket ab

16. November 2018 – Studierende in Baden-Württemberg lehnen mehrheitlich das Konzept für ein landesweites Semesterticket ab. In einer Umfrage votierten 51,1 Prozent der über 37.500 Teilnehmer gegen die Pläne der Wissenschaftsministerin Theresa Bauer und Verkehrsminister Winfried Hermann. "Das hat vor allem mit dem Preis zu tun", sagt Studierendensprecher Florian Wondratschek von der Hochschule Heilbronn. Er spricht von "Preiswucher".

"Der Stuttgarter Verkehrsverbund VVS wäre mit 525 Euro pro Semester das teuerste Landesstudierendenticket in der Bundesrepublik", erklärt Wondratschek. "Für uns war die Ablehnung absehbar, weil solche Preise für Studierende nicht bezahlbar sind", sagt sein Vorgänger Niklas Anner, der auch Vorstandsmitglied der Juso-Hochschulgruppe ist. Im Jahr seien das mehr als 1000 Euro. "Das ist realitätsfern."

Viel zu teuer

Das von Hermann mit den 22 Verkehrsverbünden entwickelte Konzept für ein landesweites Semesterticket besteht aus drei Teilen: Basis bildet ein Solidarbeitrag von 71,75 Euro, den alle Studierenden zahlen müssten – unabhängig von der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Dafür dürfen sie unter der Woche ab 18 Uhr und am Wochenende Busse und Bahnen in ganz Baden-Württemberg nutzen.

In der zweiten Stufe kommt das Semesterticket des örtlichen Verkehrsverbundes dazu, das zum Beispiel im Verbund Rhein-Neckar 180 Euro kostet. Stufe drei würde für eine Pauschale von weiteren 198,25 Euro freie Fahr in ganz Baden-Württemberg bieten, rund um die Uhr an sieben Tagen. "Eine überwältigende Mehrheit von über 95 Prozent wäre für eine landesweite Nutzung nicht bereit, zusätzlich 270 Euro (71,75 Euro Solidarbeitrag plus 198,25 Euro Aufpreis) zu bezahlen", heißt es in der Auswertung der Umfrage durch die Hochschule Heilbronn. Unabhängig von der individuellen Nutzung lehnen schon das Konzept mehr als die Hälfte der Teilnehmer ab. In den ländlich geprägten Verkehrsverbünden Heilbronn-Hohenlohe und Hebau-Bodensee ist die Ablehnung besonders massiv ausgeprägt. Jeweils 65 Prozent votierten hier mit Nein. Für Niklas Anner ist die Konsequenz klar: "Wir erwarten hier Änderungen."

In Nordrhein-Westfahlen geht es deutlich günstiger

Die Unterhändler des Landes verlangen für die Einführung des Tickets sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit bei Urabstimmungen in den Hochschulen. Die Studierenden der Uni Heidelberg und Ulm haben sich bereits mit Drei-Viertel-Mehrheit gegen das Konzept ausgesprochen, an der pädagogischen Hochschule Ludwigsburg (PH) votierten sogar 80 Prozent dagegen.

"Man muss die Preise deutlich senken", fordert Juso-Mann Niklas Anner. Er verweist auf das landesweite Semesterticket in Nordrhein-Westfahlen. Kölner Studierende können für 180 Euro ein halbes Jahr durch das ganze Bundesland fahren.

Im Stuttgarter Verkehrsministerium sieht man das Projekt als gescheitert an. "Dennoch empfiehlt es sich, die Einführung weiter zu verfolgen", sagte ein Sprecher. Der vor dem Start sehende allgemeine BW-Tarif biete dazu neue Möglichkeiten. Zusätzliche Landesmittel sollten aber nicht eingesetzt werden.

 

Text: Peter Reinhardt, Foto: Archiv