Spazieren gehen mit Nobelpreisträgern | hochschulenhoch3

Spazieren gehen mit Nobelpreisträgern

16. Juli 2018 – Gab es Anzeichen dafür, dass ein junger Mann aus Cleebronn einmal zum Nobelpreisträgertreffen am Bodensee eingeladen wird? Der 30-jährige Stefan Sigle lacht. „Von den Nobelpreisträgern dort habe ich gelernt, dass auch eine gute Portion Glück dazu gehört“, sagt er bescheiden.

Doch vom Fuße des Michaelsbergs bis nach Lindau kommt man nicht im Schlaf. Fleiß gehört dazu. Aber um Missverständnisse zu vermeiden: Kein Fleiß der Welt verschafft einem Wissenschaftler den Nobelpreis. „Die Nobelpreisträger haben betont, es sei wichtig, nicht auf den Preis hinzuarbeiten. Viel wichtiger sei es, etwas zu machen, was einen selbst bewegt“, erklärt Sigle. Die 39 Nobelpreisträger haben ihn beeindruckt. „Sie waren alle super nett und super offen, ganz normale Leute ohne Allüren“.

Langer Weg bis zur Wissenselite

An fünf Tagen konnten sich 600 Nachwuchswissenschaftler aus 84 Nationen mit den Laureaten unterhalten, mit ihnen essen, spazieren, über den Bodensee schippern und mit ihnen diskutieren – gerade über Fake News. Und es wurde fleißig „genetzwerkt“. „Das schadet in wissenschaftlichen Kreisen auch nicht unbedingt“, schmunzelt Sigle. Eines eint alle Nobelpreisträger beim Treffen: internationale Erfahrung. „Viele sind von großen und berühmten Universitäten gekommen und an kleinere gegangen“, beobachtete Stefan Sigle.

Seine wissenschaftliche Karriere hat in Böblingen begonnen, an der Akademie für Datenverarbeitung. Als staatlich geprüfter Informatiker war er danach für zwei Semester am Griffith College in Dublin und machte den Bachelor in Computing Science. Zwei Jahre später absolviert er den Masterstudiengang Medizinischen Informatik an der Hochschule Heilbronn und der Uni Heidelberg.

Durstig nach mehr Wissen

„Das reicht mir nicht“, erklärt er: „Ich möchte mich weiterentwickeln, experimentieren und die Freiheit dazu haben.“ Die Möglichkeiten hierzu sieht er am ehesten in einer akademischen Karriere. Unterstützt wird er nicht zuletzt von Professor Christian Fegeler von der Hochschule Heilbronn. Er hat ihn auch ermutigt, sich für das Nobelpreisträgertreffen zu bewerben.

Mit seiner Unterstützung ist es Stefan Sigle gelungen, an der Universität Münster zur Promotion zugelassen zu werden. Parallel dazu hat er ein Stipendium des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD) bekommen, um eine binational betreute Promotion durchzuführen.

Sigle forscht derzeit an der Medizinfakultät der Universidad de Chile in der dortigen Hauptstadt Santiago zum Käuferverhalten bei Medikamenten. Denn in Chile werden Wirkstoffe verordnet und der Patient muss dann in der Apotheke entscheiden, ob er ein Originalmedikament, ein Generikum oder ein artverwandtes Medikament kaufen möchte.

„Die Informationen für Patienten sind nicht gerade üppig. Daher kommt es vielleicht, dass die Chilenen sehr viel Geld für Medikamente ausgeben“, erläutert Sigle. Mit einer Informations-App, die er derzeit entwickelt, möchte er erforschen, ob sich das Käuferverhalten durch zusätzliche und leicht zugängliche Informationen ändert.


Text und Foto: Birgit Riecker