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Schwärmen für Heilbronn

9. März 2018 – Deutschland hat 30 Schwarmstädte: Orte, die überproportional viele junge Menschen anziehen und die dadurch einen Bevölkerungszuwachs haben. Auch Heilbronn gilt deshalb per Definition als Schwarmstadt, weil vor allem die Hochschulen immer mehr Studierende in die Stadt holt.

Doch wie ist es um die Attraktivität, Vitalität und Kreativität von Heilbronn bestellt – Kriterien, die eine Schwarmstadt ausmachen? Auf Anregung des Magazins Hanix hat die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn eine Forschungsprojekt initiiert, um herauszufinden, wie Bewohner in Stadt- und Landkreis das Oberzentrum bewerten. Knapp 1100 Fragebogen hat die DHBW unter der Leitung von Yvonne Zajontz, Professorin und Studiengangsleiterin für Medien und Kommunikation, ausgewertet – aus wissenschaftlicher Sicht eine repräsentative Größenordnung. Gefördert hat das Projekt die Dieter-Schwarz-Stiftung.

Viel Luft nach oben

Das Ergebnis: Auf dem Weg zur Schwarmstadt hat Heilbronn noch Luft nach oben. Die wichtigsten Gründe, warum die Befragten sich für die Stadt am Neckar entschieden haben, sind Studium und Beruf – und weil sie schon immer hier gelebt haben. Die Liebe zum Leben in der Großstadt ist kaum ausschlaggebend, ebenso wenig werden vielfältige Freizeit- oder gute Einkaufsmöglichkeiten mit Heilbronn in Verbindung gebracht.

Bei vielen weichen Faktoren, die darüber entscheiden, wie lebenswert eine Stadt empfunden wird, klafft zwischen Wunsch und Wirklichkeit eine Lücke. Eine einladende Atmosphäre in der Fußgängerzone ist vielen wichtig – hier schneidet Heilbronn in punkto Zufriedenheit schlecht ab. Das gilt auch für die Bewertung von Einzelhandel und Gastronomie. Vor allem individuelle Geschäfte, Kneipen und Cafés werden vermisst. Weniger zufrieden sind die Befragten mit Nachtleben, Künstlerszene und urbaner Kultur. Pulsierendes Stadtleben? Auch da hat Heilbronn Nachholbedarf.

Note "Befriedigend" ist zu wenig

Auf der Wunschliste stehen gute Perspektiven für Studienabsolventen, Förderung der Start-Up-Szene und kreative Unternehmenskonzepte. Auch ausreichender und bezahlbarer Wohnraum ist Thema für die Umfrageteilnehmer.

Alles in allem erreicht Heilbronn bei der Zufriedenheit nur die Note 3,2. Perspektivisch sei das nicht genug, vor allem auch nicht im Blick auf den Einstieg der TU München auf dem Campus Heilbronn. „Professoren und Studenten der TUM hält keine Stadt, die 3,2 ist“, ist Hanix-Chef Robert Mucha überzeugt. Eine 2,0 zu erreichen, sei jetzt das Ziel.

Vorbild Mannheim

Nachhilfe in Sachen Schwarmstadt könnte Mannheim liefern. Die Parallelen zu Heilbronn sind das im Krieg zerstörte Stadtbild und die Prägung als Industrie- und Arbeiterstadt. Mit der Förderung der Musik- und Kreativszene setzte vor 20 Jahren ein bemerkenswerter Aufschwung ein. Heute gilt die 320 000-Einwohner-Stadt als jung, hip, lebendig. Mannheim ist zudem Unesco-Stadt der Musik.

Einer der Treiber ist neben Oberbürgermeister Peter Kurz die städtische Tochtergesellschaft Start-Up Mannheim, die unter anderem die kulturelle Stadtentwicklung vorantreibt – mit 32 Mitarbeitern. Kultur und Wirtschaft sind in Mannheim kein Gegensatz, sondern in einem Dezernat angesiedelt.

Ein kreatives Milieu, da sind sich alle Akteure bei der Präsentation der Studie an der DHBW einig, sind ein wesentliches Element von Schwarmstädten. Eine „renommierte Hochschule“ allein reiche nicht aus, um den Fach- und Führungskräftenachwuchs auch zu halten, erklärt DHBW-Rektorin Nicole Graf. Sie ist davon überzeugt, dass es Heilbronn gelingen wird, zu einer attraktiven Schwarmstadt zu werden, in der Absolventen auch nach dem Studium gerne bleiben.


Text: Bärbel Kistner, Foto: Archiv