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Voller Einsatz für ein Mehr an Fahrrad und ein Weniger an Plastik

14. Mai 2018 – Seit Oktober 2017 ist Debora Jutz Vorsitzende des AStA-Referats für Gleichstellung und Nachhaltigkeit an der Hochschule Heilbronn. Sie sagt: „Seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit kann jeder auf die Art und Weise leisten, die zu ihm am besten passt. So mancher ist eben auf das Auto angewiesen und kann nicht mit dem Rad zur Arbeit fahren. Genauso ist der völlige Verzicht auf Fleisch nicht Jedermanns Sache. Doch wer möchte, findet einen Weg, um sich für den Planeten einzusetzen – und wenn er nur eine Kleinigkeit in seinem Leben ändert.“ Die Studentin der medizinischen Informatik möchte nicht den moralischen Zeigefinger heben, doch ihr ist ein achtsamer Umgang mit der Umwelt sehr wichtig.  

Viele Leute bewegen viel

Debora ist schon oft in den Vorlesungen durch ihre konsequente Wiederverwendung von Papier aufgefallen. Sofern nicht Vorder- und Rückseite vollgeschrieben oder bedruckt sind, hebt Debora Papier auf, um es später wiederzuverwenden. Da kann es schon mal vorkommen, dass Vorlesungsmitschriebe auf alten Unterlagen aus der Schulzeit stehen. Aus diesem Grund schien sie der vorigen Amtsinhaberin die ideale Nachfolgerin zu sein. Die beiden kannten sich schon vorher über ihr gemeinsames Engagement für Foodsharing, einer Initiative, die sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln einsetzt.

Für ihr Referat bringt Debora großen Einsatz. „Anfangs dachte ich, ich hätte gar keine Zeit. Und jetzt kann ich mich nicht zurückhalten, weil es mir so viel Spaß macht.“ Ihr Nachhaltigkeitsreferat ist klein: Insgesamt sind sie zu sechst. Debora vermutet, dass für ihre Kommilitonen zu wenig Zeit der Grund ist. „Dabei ist die Mitarbeit nicht verbindlich“, betont sie. Man könne einfach mal hereinschnuppern und sich ein Bild machen. Eine Beteiligung an vereinzelten Projekten sei auch denkbar. „Auch wenig Engagement bewegt viel. Wenn 50 Leute ein ganz klein bisschen was machen, kommt gemeinsam viel Einsatz zusammen.“

Mit geliehenem Fahrrad durch die Stadt

Projekte haben Debora und ihre fünf Mitstreiter genug. Neben der Blutspendenaktion, die jedes Semester einmal stattfindet, versuchen sie jetzt ein Fahrrad-Leihsystem in Heilbronn zu etablieren. Die Gruppe ist optimistisch, diese Fahrradleihe bald anbieten zu können. Sie sehen in diesem Projekt eine große Bereicherung, um in der Stadt mobil unterwegs zu sein. Vor allem wegen der schlechten Busverbindungen.

All denjenigen, die bereits regelmäßig das Auto stehen lassen, wollen sie im Juni mit einem Warrior Breakfast belohnen. Wer an diesem Morgen zusätzlich mit dem Fahrrad zur Hochschule kommt, darf sich am Frühstücksbüffet bedienen. Wichtig ist ihnen auch die richtige Trennung von Abfall und Leergut. Die Sticker mit dem Motto „Pfand gehört daneben“ weisen darauf hin, dass Pfandflaschen nicht in den Mülleimer gehören.

Für den 16. Mai hat Debora eine Filmpräsentation mit anschließender Diskussionsrunde organisiert. In der Dokumentation „Tomorrow“ werden konkrete Lösungen für mehr Nachhaltigkeit gezeigt. Debora gefällt, dass der Film eine motivierende Grundstimmung vermittelt. „Ich finde es enorm frustrierend, wenn man immer nur hört, wie schlecht die Lage ist und was noch alles getan werden muss, aber am Ende keine praktikablen Verbesserungsvorschläge kommen“, sagt Debora.

Mehrweg-Becher in Hochschul-Cafeteria

Seit Anfang Mai gibt es vom Studierendenwerk Heidelberg an allen Hochschul-Cafeterien Mehrwegbecher. Gegen Pfand kann ein Becher gekauft werden, um ihn nach der Verwendung erneut zu befüllen oder zurückzugeben. Nach der Rückgabe wird er dann in der Cafeteria gespült.  Zwar seien die von der Hochschule verwendeten Pappbecher biologisch abbaubar, doch gebe es keinen gesonderten Müll dafür.

Debora und ihr Referat geben auch Tipps, wie jeder auf eine nachhaltigere Lebensweise achten kann: Mitfahrgelegenheiten, öffentliche Verkehrsmittel oder idealerweise mit dem Fahrrad, außerdem weniger Nahrungsmittel wegwerfen, Angebote wie Foodsharing nutzen und auf einen regionalen und saisonalen Einkauf achten. Plastik kann Deborah nicht ausstehen: „Wenn ich könnte, würde ich Plastiktüten verbieten und die Nutzung von Plastik gesetzlich stark regulieren. So vieles wird in Plastik verpackt, obwohl eigentlich gar keine Notwendigkeit besteht.“

Es gibt viel zu tun

Hätte sie noch mehr Kapazitäten, würde sie Nistkästen für Vögel bauen. Oder in der Hochschule Urban Gardening umsetzen. Bei diesem Konzept kann jeder auf einem kleinen gemeinschaftlichen Fleckchen anbauen, was immer er möchte. Geerntet werden darf dann auch Obst und Gemüse, das ein Anderer gesät hat. Für diese Idee bräuchte es eine hohe soziale Grundstimmung, „aber ein Versuch wäre es auf jeden Fall wert.“

Offensichtlich sprüht das Referat nur so von Ideen, leider fehlt die Unterstützung. Wer also Lust hat, sich in irgendeiner Form einzubringen, ist herzlich eingeladen. Übrigens wird für das nächste Semester auch eine Nachfolgerin gesucht. Denn nach einem Jahr im Einsatz wird Debora die Leitung aus privaten Gründen abgeben.

 

Text: Carina Scholl