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Mehr als eine Hochschulbibliothek für Heilbronn

28. September 2018 – Universitätsrektoren und Professoren aus ganz Deutschland beobachten, was in Heilbronns Hochschullandschaft passiert. Seit 2010 entsteht auf dem Bildungscampus in Rekordtempo ein hochmodernes Lehrgebäude nach dem anderen. Die Dieter Schwarz-Stiftung als Bauherr setzt in der Bildungslandschaft damit neue Maßstäbe. Ein weiteres Glanzstück soll im Herbst 2019 eröffnet werden: die gemeinsame Hochschulbibliothek.

Herzstück der Hochschulpartnerschaft

Auf dem Gelände wird der Glaswürfel mit seinen sechs Stockwerken zwischen den Klinkergebäuden auffallen. Das Gebäude soll mehr sein als eine Hochschulbibliothek: Es wird die Zentrale eines Bibliotheksnetzwerks und zugleich als Herzstück die Partnerschaft der vier Hochschulinstitutionen auf dem Bildungscampus symbolisieren. Torsten Robert, Kommunikationsleiter der Hochschule Heilbronn, schwärmt: „Diese Idee ist in Deutschland einmalig.“

Das gesamte Bibliotheksnetzwerk zählt insgesamt vier Standorte in der Region: Neben dem Zentralgebäude gehören die Hochschulbibliotheken in Heilbronn-Sontheim, Schwäbisch Hall und Künzelsau dazu. Die Medienbestände aller Hochschulpartner werden zu einem gemeinsamen Bestand zusammengeführt. Studierende aller vier Hochschuleinrichtungen profitieren, denn sie können zu jeder Zeit auf alle Medien zugreifen. Ein Fachbuch am Bildungscampus ausleihen und in Künzelsau zurückgeben – künftig kein Problem mehr.

Moderne Arbeitswelt wird greifbar

Was wird die supermoderne Bibliothek ermöglichen? Welche Vision wird verfolgt? Seit über einem Jahr arbeiten Gruppen aus Hochschulleitungen, Professoren, Mitarbeitern, Studierenden, Bibliothekaren und IT-Experten an diesen Fragen. „Wir wollen deutlich mehr bieten als bisherige Bibliotheken,“ betont Projektleiter Henning Rickelt. Man pflegt engen Kontakt zur Hochschule der Medien in Stuttgart. Von dort fließen Tipps, Ratschläge und Inspirationen ein. „Moderne Bibliotheken sind Arbeits- und Begegnungsort zugleich,“ erklärt Rickelt. „Das steht ganz im Gegensatz zu früher, wo es immer mucksmäuschenstill sein musste.“ Gemeinsam zu arbeiten und zu diskutieren werde nicht nur nicht verboten, es ist sogar ausdrücklich erwünscht.

Die Lernwelt im ersten Obergeschoss biete dafür die ideale Umgebung. Ganz ohne Bücherregale, dafür mit Sofas und Sitzgruppen ausgestattet, wird dort wird die moderne Arbeitswelt greifbar. Bücher machen in der gemeinsamen Bibliothek nur noch ein Drittel des gesamten Medienbestandes aus. Das E-Medienlabor im fünften Obergeschoss ist ausgestattet wie ein kleinen Filmstudios. Professoren und Mitarbeiter können Lehrfilme drehen und Vorlesungen einsprechen, um sie als E-Learning-Angebote bereitzustellen. Zudem sind eigene Schulungs- und Beratungsangebote für alle Nutzergruppen geplant.

Was ist noch alles machbar?

Die Bibliothek will sich als Dienstleister der regionalen Unternehmen sehen: Angedacht ist ein Business Information Center, wo auf Anfrage für Firmen Daten erhoben und aufbereitet werden. Die Arbeitsgruppen stellen sich vor, dass das Gebäude sieben Tage pro Woche 24 Stunden geöffnet sein soll. „Das ist unser Ziel. Ob wir das gleich am Anfang realisieren können, ist fraglich“, sagt Rickelt.

Was ist noch alles machbar? Henning Rickelt und sein Team hat noch viele Ideen. Eine davon ist das Konzept einer sogenannte fluiden Bibliothek. Sie orientiert sich am Nutzerverhalten und entspricht dem modernsten Stand des Bibliotheksdienstes: Bücher sind nicht mehr innerhalb eines Fachbereiches einem festen Platz im Regal zugewiesen, sondern können an einer beliebigen Stelle genommen und an einer anderen, beliebigen Stelle zurückgestellt werden. Spezielle Antennen an den Bücherregalen leiten Information über den exakten Standort an den internen Bibliothekskatalog weiter.

„Diese Einrichtung wird ein Leuchtturmprojekt in Heilbronn sein“, ist sich Torsten Robert von der Hochschule Heilbronn sicher. Keine Frage: Die Pläne sind ehrgeizig, die Ziele hochgesteckt. Das Dienstleistungsportfolio der neuen Bibliothek wird sehr personalintensiv. Dafür muss das Wissenschaftsministerium erst grünes Licht geben.

Ab dem Wintersemester 2018/19 sind insgesamt vier unterschiedliche Hochschulinstitutionen am Heilbronner Bildungscampus angesiedelt und werden Partner im Bibliotheksnetzwerk: die Hochschule Heilbronn (HHN), die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) mit der Studienakademie Heilbronn (DHBW HN) und dem Center for Advanced Studies (DHBW CAS), die German Graduate School of Management and Law (GGS) und die Technische Universität München (TUM) mit ihrer School of Management.

Text: Sarah Arweiler, Animation: Dieter Schwarz-Stiftung