Kind und Karriere unter einem Hut | hochschulenhoch3

Kind und Karriere unter einem Hut

23. April 2018 – Sie hat einen verantwortungsvollen Job, absolvierte ein berufsbegleitendes Masterstudium und ist Mutter eines dreijährigen Sohnes – man müsste meinen, bei Henrike Pawlowicz hat der Tag mehr als 24 Stunden. Wie gelingt ihr die Jonglage zwischen Beruf und Familie? Wir haben mit ihr gesprochen.

Zur Person

Henrike Pawlowicz

Alter: 30 Jahre

Wohnort: Flein

Ausbildung: Kauffrau im Einzelhandel

Studium: BWL – Handel an der DHBW Mosbach, Abschluss: Bachelor of Arts

Berufsbegleitendes Masterstudium Handelslogistik an der German Graduate School of Management and Law

Beruf: Lagerleiterin Frischezentrum Bondorf, REWE Logistik Südwest

Henrike ist Mutter des dreijährigen Karl

Henrike, als Du Dein berufsbegleitendes Masterstudium an der GGS begonnen hast, warst Du im neunten Monat schwanger. Wie hast Du Kind, Studium und später Arbeit unter einen Hut bekommen?

Henrike: Das erste Studienjahr habe ich in meiner Elternzeit gemacht, hatte also genug Zeit fürs Studium. Im zweiten Jahr bin ich wieder arbeiten gegangen. Job, Kind und Studium – das war wirklich herausfordernd. Ich bin aber gut organisiert und hatte familiäre Unterstützung. Mit voller Motivation kommt automatisch auch die entsprechende Selbstdisziplin.

Seit dem 1. März bist Du Lagerleiterin des Frischezentrums in Bondorf. Einen verantwortungsvollen Job und zugleich Mutter sein – wie funktioniert das?

Henrike: Es ist eine Frage des Managements. Mein Mann und ich jonglieren und passen unsere Termine an die Bring- und Abholzeiten vom Kleinen an. Außerdem habe ich Leute um mich, auf die ich mich verlassen kann: Meine Schwiegereltern springen auch mal ein, wenn Karl aus dem Kindergarten abgeholt werden muss. Bevor ich meine Stelle als Lagerleiterin zusagte, habe ich meinem Chef deutlich gemacht, dass ich für meinen Sohn im Job flexibel sein muss – andernfalls hätte ich es nicht machen können.

Wie hat Dein Vorgesetzter darauf reagiert?

Henrike: Er versicherte mir, dass wir speziell für meine Situation eine Lösung finden würden. Meetings morgens um 9 Uhr sind für mich nicht machbar, wenn ich den Kleinen in die Kita bringe, also wurden sie auf 10 Uhr gelegt. Ich muss mir diese Flexibilität einfordern, denn viele Kollegen haben es nicht auf dem Schirm, dass ich auch Verantwortung meinem Kind gegenüber habe. Ich will keine Extrawurst, aber ich will, dass Rücksicht auf meine Bedürfnisse genommen wird.

In vielen Unternehmen herrscht eine klare Trennung zwischen Job und Privatleben. Wie machst Du das?

Henrike: Das ist in meinem Arbeitsumfeld nicht möglich. Ich brauche einen Job, der mir Spaß macht, sonst funktioniere ich nicht gut und bin persönlich unzufrieden. Mein Job macht mir riesigen Spaß. Aber ich kriege es nur gemanaged, wenn ich Job und Privatleben miteinander kombiniere. Als Karl eine Woche krank war, musste ich mit meinem Betriebsleiter morgens um 8.30 Uhr ein wichtiges Telefonat führen. Parallel dazu saß ich mit Karl beim Frühstück und habe ihm das Brot geschmiert. Ich habe nachts gearbeitet und mich mittags mit ihm hingelegt. Es ist für mich wichtig, den eigenen Tagesablauf so zu gestalten, dass alle To Do’s und Interessen berücksichtigt werden können.

Hast Du den Eindruck, dass berufstätige Mütter mehr leisten als berufstätige Väter?

Henrike: Ich denke nicht, dass Mütter mehr leisten, sie müssen sich nur anders organisieren und von dem, was sie tun, 100 Prozent überzeugt sein. Mir ist meine Rolle als Mutter wichtig, deshalb nutze ich die Zeit mit meinem Kind sehr intensiv. Ich bin auch eine Frau, die sich beruflich verwirklichen will. Weil ich jetzt ein Kind habe, werde ich meine Ziele nicht aufgeben. Bei vielen Frauen läuft das noch so. In diesem Punkt sind Männer vielleicht egoistischer. Ich gestalte gemeinsam mit meinem Kind meine Ziele. Natürlich muss der Partner mit mir am selben Strang ziehen. Wenn man dann noch positiv an die Dinge herangeht, bin ich mir sicher, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt.

 

Text: Sarah Arweiler, Foto: GGS