Keine Angst vor Bewerbung und Vorstellungsgespräch | hochschulenhoch3

"Ein Bewerber mit sehr guten Noten soll sich seiner Sache nicht zu sicher sein"

14. November 2018 – Viele schieben es zu Ende des Studiums gerne vor sich her: den Einstieg ins Berufsleben. Doch spätestens wenn alle Abschlussprüfungen geschrieben und die Thesis fast eingetütet ist, wird es allerhöchste Zeit, sich darauf vorzubereiten. "Absolventen haben gerade hier in der Region einen großen Vorteil: Sie sind begehrte Nachwuchskräfte", sagt Sabine Bauknecht, Personalleiterin bei der Heilbronner Stimme. Im Interview erzählt sie, worauf es aus Sicht der Personaler bei Bewerbung und Vorstellungsgespräch ankommt.

 

Frau Bauknecht, angenommen mehrere Personen bewerben sich auf eine Stelle bei der Heilbronner Stimme. Was fällt Ihnen auf den ersten Blick positiv auf?

Sabine Bauknecht: Wenn sich jemand mit den Unterlagen Mühe gegeben hat. Für Personaler ist es zum Beispiel viel einfacher, bei einer Online-Bewerbung nur ein PDF-Dokument oder eine Zip-Datei mit Anschreiben, Lebenslauf und allen Zeugnisse zu öffnen, anstatt sich durch zig Anhänge zu klicken. Ein schönes, dezentes Layout wirkt auch gut. Immerhin ist die Bewerbung vergleichbar mit einer Visitenkarte.

 

Wenn Sie sich die einzelnen Bewerbungen intensiver anschauen: Worauf achten Sie dann genau?

Sabine Bauknecht: Ich lese immer als erstes den Lebenslauf. Mich interessiert auch, was jemand privat macht. Hat jemand verschiedene Hobbies, engagiert er sich in einem Verein, politisch oder in der Kirche? Bei Lücken im Lebenslauf, zum Beispiel zwischen Schulabschluss und Studium, oder auch während des Studiums, möchte ich wissen, was während dieser Zeit war. Das muss nicht zwangsläufig nachteilig sein. Vielleicht musste sich der Bewerber um ein Familienmitglied kümmern? Dafür empfehle ich eine Zusatzseite zum Lebenslauf mit Hintergrundinformationen. Je mehr ich über die Person erfahre, desto einfacher kann ich mir ein Bild von ihr machen. Darum geht es mir in erster Linie. Erst dann lese ich das Anschreiben.

Was ist Ihnen darin wichtig?

Sabine Bauknecht: Ich versuche herauszufinden, warum ausgerechnet dieser Bewerber interessant für das Unternehmen sein kann. Und aus Sicht des Bewerbers: Warum soll es dieses Unternehmen sein? Standardbriefe sind in meinen Augen in Ordnung, der Text sollte aber unbedingt auf das Unternehmen passen. Ich warne davor, im Anschreiben oder im Lebenslauf falsche Angaben zu machen. Spätestens im Vorstellungsgespräch fällt dem Personaler auf, wenn etwas nicht schlüssig ist.

 

Ein wichtiger Punkt sind die Noten. Absolventen mit eher durchschnittlichen Abschlüssen trösten sich damit, dass im Bewerbungsverfahren die Noten nicht unbedingt ausschlaggebend seien. Ist das so?

Sabine Bauknecht: Wenn es für eine Stelle viele Bewerber gibt, haben diejenigen mit schlechteren Noten auch schlechtere Chancen. Sie können diesen Nachteil aber durch andere, wertvolle Fähigkeiten oder soziales Engagement kompensieren. Die Bewerbungsunterlagen sind wie eine Eintrittskarte. Umgekehrt sollte sich ein Bewerber mit sehr guten Noten seiner Sache nicht zu sicher sein. Das Vorstellungsgespräch ist für mich die beste Gelegenheit, um herauszufinden, wie der jeweilige Kandidat tickt: Wie gut kann sich jemand selbst reflektieren? Wie bewältigt er Krisen? Ist er ein Einzelgänger oder engagiert er sich auch für andere? Soziale Empathie bewerte ich positiver als gute Abschlussnoten. Einen Mitarbeiter kann ich durch Schulungen weiterbilden, seine Persönlichkeit kriege ich nicht geändert.

 

In Vorstellungsgesprächen geht es vor allem auch darum, sich selbst gut zu verkaufen. Sehr selbstbewussten Menschen fällt das leicht. Bewerber mit einem ruhigen, introvertierten Naturell tun sich damit schwer. Welche Tipps haben Sie?

Sabine Bauknecht: In Vorstellungsgesprächen lassen sich viele Punkte vorbereiten. Man wird sich zum Beispiel immer vorstellen müssen. Zu Hause kann man sich überlegen, was man über sich sagen möchte und einem Freund oder einer Freundin diese Sätze laut vorsprechen. Wenn man diese kleine Einleitung geübt hat, geht man auch sicherer zum Termin. Zusätzlich kann man sich Fragen zum Unternehmen oder zur Stelle überlegen. Auf Personaler macht es einen guten Eindruck, wenn der Bewerber neugierig und zugleich gut vorbereitet ist. Fragen zum Gehalt oder Urlaubstage sollten nicht als Erstes gestellt werden – das könnte einen falschen Eindruck vermitteln.

Welche ist skurrilste Idee, die Sie als Personalerin je erlebt haben?

Sabine Bauknecht: Vor Jahren nahm eine Freundin von mir an einer Dating-Aktion teil. Sie zeigte mir alle Briefe, die sie von den potentiellen Dating-Partnern erhalten hatte. Einer ist uns besonders aufgefallen, weil er in seinem Brief ein Foto von sich und seinen Eltern im Wohnzimmer beigelegt hatte. Über dem Sofa hing ein gewaltiges Ölbild. Wochen später hatte ich bei meinem damaligen Arbeitgeber eine Stelle ausgeschrieben. Mir flatterten die Bewerbungsunterlagen dieses Kandidaten auf den Tisch. Wir haben auch ein Gespräch geführt. Ich muss zugeben, dass ich damals nicht ganz bei der Sache war… mir ist immer wieder das riesige Ölbild in den Sinn gekommen. Das hatte mich in meiner Objektivität getrübt. Dass es nicht zu einer Einstellung kam, hatte damit nichts zu tun – er konnte auch meinen Kollegen von seiner Fachlichkeit nicht so ganz überzeugen.

 

Text: Sarah Arweiler, Foto: privat / Adobe Stock