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ArbeiterKind: Unterstützen, wenn niemand aus der Familie helfen kann

13. März 2018 – „Entschuldigung, seid ihr von Arbeiterkind?“ Drei neugierige Gesichter treten an den Tisch in der Brasserie Mangold, wo sich die Mentorengruppe aus Heilbronn jeden dritten Mittwoch im Monat trifft. In der Initiative ArbeiterKind engagieren sich deutschlandweit über 6000 vorwiegend ehrenamtliche Mitarbeiter in 75 lokalen Gruppen. Ihr Ziel ist es, Studierende und Studieninteressierte mit nichtakademischem Hintergrund bei ihrem Ausbildungsweg zu unterstützen.

Wer hilft, wenn niemand zuvor in der Familie studiert hat?

Der Erste in der Familie zu sein, der studiert – die Meisten von ihnen kennen diese Problematik nur zu gut: „Meine Eltern haben mich immer unterstützt, aber vor und während des Studiums hatte ich keine Ansprechpartner aus dem privaten Umfeld“, erzählt Tuba Mätzel, die in Frankfurt und Darmstadt Chemie studiert hat. An der Goethe-Universität Frankfurt kam sie über die Tätigkeit als Studienberaterin zu ArbeiterKind und arbeitete dort während des Studiums ehrenamtlich als Mentorin mit. Als es Tuba nach dem Studium wieder in die Heilbronner Heimat zieht, beschließt sie, die dort ansässige Gruppe wiederzubeleben.

Ähnlich geht es Mentorin Amina Lakhal. Sie erzählt: „Nach der Hauptschule wollte ich unbedingt weitermachen. Mir wurde klar: Ich muss mich mit nichts abfinden.“ Erst kürzlich hat sie ihr duales Studium an der DHBW Heilbronn erfolgreich abgeschlossen. Ihr ist es wichtig, Jugendlichen Mut zu machen und ihnen die Chancen des zweiten Bildungswegs aufzuzeigen.

Welche Stipendien gibt es?

Die Besucher des heutigen Stammtisches interessieren sich vor allem für Stipendien. Welche Möglichkeiten gibt es? Wie wichtig sind die Noten für ein Stipendium? Die Mentoren Kevin und Tuba erklären die verschiedenen Stipendienarten und worin sie sich unterscheiden.

ArbeiterKind ist auch an den Heilbronner Hochschulen präsent. Gerade an der Hochschule Heilbronn hätten sie aber mit mehr Interesse gerechnet. Tuba: „Unser Angebot ist natürlich kostenlos. Oft denken die Leute, wir möchten irgendetwas verkaufen, dabei wollen wir nur helfen.“ In Frankfurt sei die Gruppe sehr groß und sehr gefragt.

Das Hilfsangebots von ArbeiterKind ist vielseitig: Neben Informationsmöglichkeiten über die Homepage ArbeiterKind.de und einem rege genutzten Diskussionsforum kann man sich über die Hotline oder per E-Mail von Mitarbeitern beraten lassen. Einmal im Monat gibt es einen Stammtisch, wo sich Interessierte austauschen oder sich von den Mentoren Tipps geben zu lassen. Darüber hinaus ist ArbeiterKind auf Messen wie der IHK Bildungsmesse vertreten, kooperiert mit Universitäten und Hochschulen und arbeitet mit Schulen zusammen, um die Jugendlichen dort über ihre Möglichkeiten zu informieren.

Beide wünschen sich, dass ihr Engagement mehr in Anspruch genommen wird und sich noch mehr freiwillige Mitarbeiter für ihre Gruppe melden. Über spezielle Fortbildungsprogramme wird man zum Mentor ausgebildet.

 

 

Wer Hilfe vor und während des Studiums sucht, findet hier weitere Informationen.

Text: Carina Scholl, Foto: privat