Google-Programmierer hält Vorlesung in Heilbronn | hochschulenhoch3

Google-Programmierer hält Vorlesung in Heilbronn

19. Juli 2018 – Google? Bei dem Begriff denke ich als Erstes an die schier übermächtige Suchmaschine im Netz. Mein zweiter Gedanke: Der Konzern ist undurchsichtig, schwer greifbar. Da ist es eine große Sache, wenn jemand von Google Hamburg an den Heilbronner Bildungscampus kommt, um am DHBW CAS eine Informatik-Gastvorlesung zu halten. Thema: Progressive Web Apps.

Kurz angebunden

Thomas Steiner, ein Mann von Google, bei uns in Heilbronn – spitze! Da muss ich dabei sein, auch wenn mir das Vorlesungsthema nicht viel sagt. Das DHBW CAS bestätigt mir: Vor Vorlesungsbeginn ist Zeit für ein paar Fragen an den Referenten. Was kann ich einen Google-Mann fragen? Ich beginne zu recherchieren. Erst über Progressive Web Apps. Sehr spezifisch, da bin ich mit meinem Informatik-Know-how schnell raus. Dann über Thomas Steiner. Was finde ich über ihn? In Business-Netzwerken erfahre ich, dass er in Deutschland, Frankreich und Spanien studiert und promoviert hat und seit seinem Studienabschluss bei Google arbeitet. Das war’s dann auch schon. Sonst finde ich nichts über ihn. Klar, ein Computerspezialist weiß, wie man sogar im Netz privat bleibt.

Am Vorlesungstag bin ich als Erste da, wie besprochen. „Ich bin Thomas“, stellt sich Thomas Steiner mir vor. „Ich bin Sarah vom Hochschulportal und möchte dir gerne ein paar Fragen stellen“, sage ich. Er winkt gleich ab. „Ich werde dir nichts sagen, ich darf es auch nicht.“ Als Journalistin lässt man sich nicht so schnell abwimmeln. „Meine Fragen beziehen sich nicht auf Google – ich will mit dir als Internetspezialisten über soziale Netzwerke diskutieren.“ Ich versuche, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Thomas ist kurz angebunden, antwortet in knappen Hauptsätzen. Sofort merke ich: Er fühlt sich unwohl, möchte mit mir gar nicht sprechen. Also lasse ich es. Thomas‘ Gesichtszüge entspannen sich, er scheint erleichtert.

Die Vorlesung beginnt

Progressive Web Apps – Thomas ist in seinem Thema, plaudert mit den Studierenden, scherzt. „Wir wollen das Web besser machen. Für alle Personen und für alle Verbindungen. Das ist unsere Aufgabe.“ Progressive Web Apps (PWA) sind Apps, die im Browser laufen. Thomas nennt das Beispiel von Trivago. Man lädt sich die Hotel-Suchmaschine zwar als App runter, sie funktioniert aber als moderne Website. „Was, wenn die Verbindung nicht mehr da ist?“, fragt Thomas. Er und sein Team arbeiten bei Google an sogenannten Service Workers, die zwischen dem mobilen Gerät und dem Webserver geschaltet sind. Damit das System möglichst schnell funktioniert, wird zuerst auf den Local Cash zugegriffen, um die aktuellsten Ergebnisse zu zeigen. Währenddessen greifen die Service Worker auf den Webserver zu und rufen die aktuellsten Daten ab. Auf diese Weise funktionieren die PWA’s auch bei schlechten Internetverbindungen. Ich sitze in der letzten Reihe und freue mich, dass ich Thomas inhaltlich folgen kann. Bis er mit Programmieren beginnt. 

 

Text: Sarah Arweiler, Foto: DHBW CAS