Heilbronner entwickeln eigenen Gin - den 741 | hochschulenhoch3

Heilbronner entwickeln eigenen Gin - den 741

12. Oktober 2018 – Die zwei sind beste Freunde und kennen sich seit 20 Jahren. Als sie sich vor drei Jahren mal abends trafen, haben Kerstin Jahn (31) und Julian Weiß (27) eine zunächst scheinbar verrückte Idee geboren. „Wir haben lange gesprochen und wollten was Handwerkliches machen“, erzählt Kerstin Jahn. „Und da wir beide gerne Gin trinken, war schnell klar: Wir wollen unseren eigenen Gin herstellen.“

„Wenn wir was machen, dann was richtig Gutes.“

Der Genuss soll im Vordergrund stehen, der Geschmack muss genau so sein, wie es sich die beiden vorstellen. Ganz schnell stand aber schon der Name fest, der die Verbundenheit zur Region und vor allem zu Heilbronn zeigt: 741. In diesem Jahr wurde die Käthchenstadt zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Den Namen haben sich die zwei Freunde und Tüftler auch gleich markenrechtlich schützen lassen.

„Klar, Gin liegt seit einer Weile im Trend, aber davon haben wir uns nicht leiten lassen“, sagt Julian Weiß. Gin sei ohnehin nicht gleich Gin. „Wenn wir was machen, dann was richtig Gutes“, sagt der 27-Jährige. Der hohe Qualitätsanspruch stand in den Anfangsüberlegungen über allem. Aber wie geht man so eine Sache an? Kerstin Jahn ist im normalen Leben Grafikerin in einer Bank, Julian Weiß arbeitet im Vertrieb eines mittelständischen Unternehmens. Beide haben einen Freund mit einer Brennerei. „Der ist uns mit viel Wissen und Erfahrung zur Seite gestanden“, erzählt Kerstin Jahn. „Wir haben viel gebrannt und auch wieder viel verworfen. Am Ende waren es sechs bis sieben Probeläufe, bis das Endprodukt fertig war.“

Das steckt alles drin

Das Neckartal gehört zu den bekanntesten Weinlagen Deutschlands. „Was läge also näher, als die besonders aromatischen Traubenblüten mit in unser ‚Geheimrezept‘ aufzunehmen?“, fragt Kerstin Jahn. Sie sorgen, neben anderen ausgewählten Pflanzen und pflanzlichen Extrakten – sogenannten Botanicals – für das besondere und reiche Aroma des 741 Gin. „Alles stammt aus der Region Heilbronn. Darauf legen wir großen Wert“, sagt Julian Weiß. Aus zwölf Zutaten besteht der 45-prozentige Gin, darunter Kräuter, Wurzeln und Zitrusfrüchte. Zum Gin gibt es auch ein passendes Tonic Water vom Weingut Eberbach-Schäfer, das auf Trauben-Basis hergestellt wird. Neben dem eigenen Onlineshop wird der Gin mittlerweile auch in einigen Restaurants in der Region ausgeschenkt.

18 verschiedene Gins im Mangold

Nelly Roth vom Szenelokal Mangold in Heilbronn überlegt: „Ende 2016 ist es mit dem Hype um Gin losgegangen. Ab da hat jeder Winzer auch einen eigenen Gin angeboten.“ 2017 folgte das „absolute Ginjahr“. 18 verschiedene Sorten stehen in der Mangold-Bar, neben dem Heilbronner 741 auch eine Eigenkreation von ihr und zwei weiteren Kollegen. „Das war zuerst eher eine Spaßgeschichte. Wir haben uns gedacht: Jeder macht Gin, warum nicht auch wir?“ Aus Spaß wurde ernst. Aus anfänglichem Experimentieren entstand das Hausgetränk Ernst Gin, der im Mangold mit einer Physalis serviert wird.

Ob die Euphorie um den Gin so langsam nachlässt, wie zuvor schon beim Craft Beer? „Ich denke schon“, sagt Nelly Roth. Welches Getränk läutet den nächsten Trend ein? Rum? Oder das süffige, helle Bier? „Ich bin gespannt. Die Gastronomie ist jedenfalls immer in Bewegung.“

 

Text: Alexander Schnell, Sarah Arweiler, Foto: privat