CHE-Hochschul-Ranking: Eine Orientierunghilfe, nicht mehr | hochschulenhoch3

CHE-Hochschul-Ranking: Eine Orientierungshilfe, nicht mehr

1. August 2018 – Das Abitur ist in der Tasche – was nun? Erst mal ein Jahr ins Ausland? Oder gleich Studieren? Diejenigen, die es schon an Uni oder Hochschule zieht, sind sich meist in ihrer Wahl des Studienfachs sicher. Monatelang hat man sich damit beschäftigt, den passenden Studiengagn für sich zu finden. Doch welche Hochschule soll es sein? Die Vielzahl an Universitäten,Hochschulen und Studienfächern macht es schwer, sich zu orientieren – eine Entscheidung zu treffen um so mehr. Zahlreiche Hochschul-Rankings im Internet versprechen Studieninteressierten in diesem Punkt Hilfe.

Das bekannteste ist das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), wo sich auch viele Studienfächer der Hochschule Heilbronn finden. Auf der Internetseite steht, das CHE-Ranking setze sich für „ein leistungsstarkes, faires Hochschulsystem“ ein. Es listet 39 Studienfächer an deutschen Universitäten und Hochschulen und bewertet die Kriterien Studium, Lehre, Ausstattung, Forschung. Doch das CHE Hochschul-Ranking ist umstritten. Es wird kritisiert, dass nur größere Fachrichtungen, dafür aber keine Nischenfächer bewertet werden. Zudem zweifeln Hochschulvertreter an der Vergleichbarkeit der einzelnen Kennzahlen. Die Studienkonzepte seien zu unterschiedlich, die Stichproben bei Befragungen zu klein.

Wie relevant sind Hochschul-rankings für Abiturienten?

Lassen sich Abiturienten tatsächlich bei ihrer Hochschulwahl von Ranking-Portalen beeinflussen? Maja Kling hat Abitur am Mönchsee-Gymnasium in Heilbronn gemacht. Sie möchte Biologie oder Medizin studieren. „Über Google bin ich schnell auf das CHE-Ranking gekommen. Da habe ich schon mal reingeschaut, welche Uni wie abschneidet“, erzählt sie. Für sie habe das Ranking „eine gewisse Relevanz“, sei aber sicher nicht ausschlaggebend bei ihrer Wahl. „Bei Medizin ist es so schwierig, überhaupt an einer Uni angenommen zu werden. Da ist man froh, wenn es irgendwo klappt.“ Ohne Anhaltspunkte zu den verschiedenen Standorten seien Rankingportale wichtig für eine erste Orientierung. Viel wichtiger für sie sind Informationen aus „erster Hand“. Aus diesem Grund wünscht sich Maja Kling eine Uni-Hopping-Tour, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Entscheident für sie: die Studierendenanzahl, die Größe der Hochschule oder Universität, die Wohnsituation und der Kontakt zu den Professoren.

Sinem Tuncer ist im gleichen Abiturjahrgang wie Maja Kling. Für sie steht fest: Sie möchte auf jeden Fall Allgemeine Rethorik in Tübingen studieren. Eines der Nischenfächer, die im CHE Ranking nicht gelistet sind. Da ist es auch nicht weiter schlimm, dass Sinem das Ranking nicht kennt. „Ich glaube nicht, dass das Ranking sehr verbreitet ist. Unter meinen ehemaligen Mitschülern habe ich nie etwas davon gehört.“ Doch ein Vergleich unter Hochschulen und Universitäten sieht sie als gute Entscheidungshilfe – vorausgesetzt, das Wunsch-Studienfach ist im Bewertungspool.

Ganzheitliches Studieninformationsprogramm an Gymnasien

Gymnasien ist es wichtig zu informieren, wie es für ihre Schüler nach dem Abschluss weitergehen kann. Ab der neunten Klasse gibt es Angebote zur Berufsorientierung, um auf Ausbildungsberufe vorzubereiten. Ab der zehnten Klasse kommen die Studienberatungen dazu. „Ab der elften Klasse merkt man, dass diese Frage für die Schüler dringlicher wird“, weiß Axel Grau, Berufs- und Studienorientierungskoordinator am Mönchsee-Gymnasium. „Wer sich für ein duales Studium interessiert, muss sich ab diesem Zeitraum bei den Partnerunternehmen der dualen Hochschulen bewerben.“ Grau veranstaltet für seine Schüler Informationstage zum Thema Studium: Ehemalige Schüler kommen als Studienbotschafter und erzählen von ihren Erfahrungen. Er legt Wert darauf, dass von unterschiedlichen Hochschuleinrichtungen berichtet werden kann. „Hochschul-Rankings erwähnen wir zwar, hängen es aber nicht an die große Glocke. Mir ist wichtig, dass sich meine Schüler bei der Wahl ihrer Studienfächer von ihren Bedürfnissen leiten lassen, nicht von Bewertungen auf Portalen.“ Dass die Wege zum späteren Beruf nicht immer geradlinig verlaufen, sieht Axel Grau entspannt. „Ein freiwilliges soziales Jahr, ein Praktikum oder ein Auslandsaufenthalt kann wichtig sein, um herauszufinden, was man wirklich will. Und Fehler können gemacht werden. Man muss sich ja auch ausprobieren.“

 

Text: Sarah Arweiler, Foto: Archiv