Zweifel, ob ich Herausforderung gewachsen bin | hochschulenhoch3

"Zweifel, ob ich dieser Herausforderung gewachsen bin"

22. Mai 2018 – Für Myriam Helber (31) ist das Ziel schon zum Greifen nahe: Die Bachelorarbeit für ihr Food Management-Studium an der DHBW Heilbronn hat sie schon abgegeben. Sie ist Mutter des achtjährigen Jannis.

Frau Helber, Sie haben mit Ende 20 angefangen, zu studieren. Was haben Sie vorher beruflich gemacht?

Myriam Helber: Ich habe bei Aldi eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht. Danach wurde ich im Nachwuchsförderprogramm aufgenommen und arbeitete als stellvertretende Filialleiterin. Als ich 23 war, kam mein Sohn Jannis zur Welt. Nach einem Jahr Elternzeit habe ich wieder als stellvertretende Filialleiterin in Teilzeit gearbeitet. Mit der Betreuung von Jannis hat auch alles gut geklappt: Mein damaliger Partner, meine Eltern und ich haben uns abgewechselt.

Sie sind heute nicht mehr mit Jannis‘ Vater liiert. Wie hat die Trennung Ihre Situation beeinflusst?

Myriam Helber: Die Betreuung war natürlich nicht mehr so einfach zu regeln, wie vorher. In dieser Zeit ist in mir der Gedanke gereift, dass ich für mich und Jannis etwas ändern muss. In leitender Funktion sind die Arbeitszeiten im Handel mit Kind kaum machbar. Als normale Mitarbeiterin noch eher, aber ich möchte meinem Sohn auch finanziell mehr bieten können. Deshalb dachte ich: Wenn ich mich beruflich verändern und weiter qualifizieren will, dann jetzt. Ich habe also nebenher meinen Fachwirt in Wirtschaft nachgeholt, um studieren zu können. Meine Mutter hatte mich schon damals sehr viel mit Jannis unterstützt.

Warum haben Sie sich für ein duales Studium entschieden?

Myriam Helber: Weil es mir wichtig war, dass das Studium überall anerkannt ist. Deshalb wollte ich auch kein Fernstudium machen. Außerdem hat man gleich einen Arbeitgeber für den späteren Berufseinstieg nach dem Studium und verdient Geld. Für die neue Arbeit musste ich aus meiner Heimat im Schwarzwald nach Riedstadt bei Frankfurt umziehen.

Das heißt Sie arbeiten und leben mit Ihrem Sohn in Riedstadt, für die Theoriephase sind Sie in Heilbronn?

Myriam Helber: Ja, das ist richtig, es geht nicht anders. Jannis geht mittlerweile in die Schule, da kann ich ihn nicht einfach mit nach Heilbronn nehmen. Er ist weiterhin in Riedstadt, meine Mutter wohnt während meiner Theoriephase bei ihm. An den Wochenenden pendle ich immer.

Wissen Ihre Dozenten von Ihrer speziellen Situation?

Myriam Helber: Ja. Sie sehen auch, dass ich das Studium unbedingt durchziehen will und unterstützen mich, wo es geht. Wenn es eine wichtige Elternveranstaltung in der Schule gibt, bekomme ich frei, damit ich dort hingehen kann. Ich hatte ihn auch schon öfter in die Vorlesungen mitgenommen. Das ist für meine Dozenten, vor allem aber für meine Studiengangsleitung kein Problem. Auch der Förderverein unterstützt mich.

Sie haben vor kurzem Ihre Bachelorarbeit abgegeben. Jetzt kommt noch die mündliche Prüfung, dann haben Sie es geschafft. Wie fühlt sich das an?

Myriam Helber: Es ist fast wie ein Wunder! Die Zeit war wirklich hart, ich habe oft gezweifelt, ob ich dieser extremen Herausforderung überhaupt gewachsen bin. Jetzt bin ich sehr, sehr froh, dass ich es fast geschafft habe. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, selbst zurückzustecken, wenn anderes wichtiger ist.

 

Text: Sarah Arweiler, Foto: privat