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Studieren mit drei Kindern? Machbar!

22. Mai 2018 – Irene Dahlhues lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im idyllischen Offenau. Im großen Garten steht ein Trampolin, die Labradordame Rosie tollt mit dem Jüngsten, dem zweijährigen Joshua herum, die beiden älteren Kinder, die achtjährige Sophie und der fünfjährige Elias, sind unterwegs. An den Wänden hängen Familienfotos, auf dem Esstisch liegen Sophies Hausaufgaben, die sie bis eben noch erledigt hat. Es scheint, als hätte Irene das Studentendasein schon lange hinter sich. Doch bis vor kurzem hat sie noch Bücher gewälzt. Seit März hat sie ihr Studium der Internationalen Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Osteuropa (IBO) an der Hochschule Heilbronn abgeschlossen und arbeitet jetzt in Teilzeit in der Personalabteilung einer Spedition in Neckarsulm.

Wunsch nach eigener Familie

Ihre ersten drei Lebensjahre hat Irene in Tadschikistan verbracht, dann ist sie mit ihrer Familie nach Deutschland gezogen. In der Republik in Zentralasien, die mit 8,7 Millionen Einwohnern etwa so groß ist wie Griechenland, ist Russisch und Tadschikisch Amtssprache. Gesprochen wird in Irenes Familie immer nur Deutsch. Um ihren Wurzeln etwas näher zu kommen, entscheidet sie sich nach Abitur und Berufsausbildung, studieren zu gehen. Am Campus Europaplatz lernen Studierende nicht nur Internationales BWL, sondern auch Russisch.  

Eine eigene Familie zu haben ist Irene auch wichtig. Mit vierundzwanzig wird sie zum ersten Mal Mutter, gut zwei Jahre später wird Elias geboren. Für sie und ihren Mann ist klar, dass die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist. Als Elias anderthalb Jahre alt ist und in die Kinderkrippe gehen kann, sieht sie den richtigen Zeitpunkt zum Studieren gehen gekommen - sie schreibt sich an der Hochschule Heilbronn ein. Als Irene im fünfte Semester ist, wird im Mai 2016 Joshua geboren. Babypause während des Studiums? Fehlanzeige. Die Prüfungen am Ende des Semesters schreibt Irene mit. „Mit dem dritten Kind ist man ja schon in allem viel geübter“, sagt sie und lacht.

Ein guten Plan wird es nichts

Damit das gelingt, braucht es ein gutes Organisationsgeschick: Wann kann ich welche Vorlesung am besten unterbringen? Welche Prüfung fordert wie viel Arbeitsaufwand? Gibt es die Vorlesung auch als Blockveranstaltung am Wochenende? Oder kann ich mir die Prüfungsleistung komplett im Selbststudium erarbeiten? „Ich habe mir zum Beispiel die Russischvorlesungen gespart, weil ich das ja auch Zuhause mit Unterstützung meiner Eltern lernen konnte. Am Telefon habe ich dann immer mit meiner Mutter Vokabeln und Grammatik geübt“, erzählt sie. Doch ohne Unterstützung ihrer Familie wäre es sehr schwer geworden: Ihre Mutter holt die Kinder vom Kindergarten ab, wenn Irene den ganzen Tag Vorlesung hatte. Sie legt ihre Vorlesungen so, dass sie einen Tag von morgens bis abends an der Hochschule ist, um dafür an andern Tagen für die Kinder frei zu haben. Gelernt wird nur abends, wenn die Kinder im Bett sind.

Flexibler als im Beruf

Und mal mit den Kommilitonen feiern gehen? „Ich war auf der Ersti-Party und auch das eine oder andere Mal sonst mit dabei. Aber mein Interesse daran ist nicht besonders groß. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich öfters mitgehen können.“

Studieren mit Kind kann auch seine Vorteile haben, findet Irene: Man ist flexibel. Durch die wenigen tatsächlichen Verpflichtungen ist es sehr gut möglich, Studium und Kindern gerecht zu werden. Wenn eines der Kind krank sei, bleibe man eben zuhause und hole den verpassten Lernstoff nach. „Im Berufsleben ist das nicht so ohne weiteres möglich“, sagt sie. In Joshuas erstem Lebensjahr nimmt sie ihn in den Vorlesungen einfach mit. Für eine Gruppenarbeit geht der Dozent mit dem kleinen Joshua draußen spazieren, damit Irene mit ihren Kommilitonen am Projekt arbeiten kann. Zurecht ist die Hochschule Heilbronn als familiengerechte Hochschule zertifiziert, findet Irene.
  

Text: Carina Scholl, Foto: privat