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Perspektivwechsel: Wie amerikanische Studierende Deutschland erleben

7. Juni 2018 – Fremde Menschen, andere Sprache, andere Mentalität: An einer Hochschule im Ausland zu sein, ist eine spannende und wertvolle Erfahrung. 14 Management-Studierende von der University of Nebraska-Lincoln in den USA sind für zwei Wochen an der German Graduate School (GGS) in Heilbronn. Auf dem Programm stehen Vorlesungen und Firmenbesuche in der Region. Josh und Brenda haben uns von ihren ersten Eindrücken in Deutschland erzählt.

Starke Familienbande

Josh ist beeindruckt von den Familienunternehmen in der Region. „Man spürt die starke Bindung zur Unternehmerfamilie. Alle gehen sehr loyal miteinander um“, stellt er beim Lackspraydosenhersteller Kwasny fest. „In den USA gibt es das bei Firmen mit vergleichbarer Größe kaum.“ Ihm gefällt es, wie deutsche Firmen auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung achten und nicht, wie viele amerikanische Firmen, nur Gewinnmaximierung im Blick haben. „Davon können sich die Amerikaner eine Scheibe abschneiden. Die Deutschen sind da weiter als wir Amerikaner.“ Nach der Studienreise hat Josh zusammen mit einem Freund eine Europa-Rundreise geplant. „15 Städte in 60 Tagen – das ist ehrgeizig, aber wir ziehen es durch.“

Nicht zurückhaltend sein

Brenda muss nicht lange überlegen, als sie nach ihrem ersten Eindruck in Deutschland gefragt wird. „Die Deutschen sind in ihrer Art sehr direkt. Das ist mir sofort aufgefallen. Sie stehen zu ihrer Meinung und lassen sich von niemandem beirren.“ Brenda findet es ungewöhnlich, dass in Deutschland Mitarbeiter viele Jahre für die gleiche Firma arbeiten. „In den USA hat man eine andere Mentalität. Dort geht es darum, wo man das meiste Geld verdient.“ Was ihr noch auffällt: In Deutschland werde viel in die Qualität der Produkte investiert. In ihrem Heimatland dagegen werde eher darauf geachtet, dass der Konzernname möglichst bekannt ist. „Die Schwarz-Gruppe in Neckarsulm ist ein riesiger Konzern, aber kaum jemand kann etwas mit dem Namen anfangen.“ Sie wird nach dem Studienaufenthalt in Deutschland ein sechswöchiges Praktikum bei Schwarz Dienstleistungen absolvieren.

Draht zwischen Nebraska und Heilbronn

Regina Frey-Cordes, Management-Professorin an der University of Nebraska-Lincoln, initiiert den Studienaustausch mit der GGS.Beide Hochschulen pflegen eine gute Verbindung. 2007 kommt Regina Frey-Cordes als Doktorandin an die Heilbronner Masterschule, 2010 promoviert sie an der Universität Mannheim. Anschließend lehrt und forscht sie als Assistent Prof wieder an der GGS. 2015 reist sie für ein Forschungsprojekt an die Universität in Nebraska, wo ihr eine Professorenstelle angeboten wird. Den Draht zur GGS hat Regina Frey-Cordes nicht aufgegeben: Für zwei Vorlesungsmodule kommt sie regelmäßig nach Heilbronn zurück.  

 

Text: Sarah Arweiler, Fotos: GGS