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Red Devils: Studierende entwickeln Ideen für professionellere Strukturen im Verein

26. Februar 2018 – Den Red Devils Heilbronn ist gelungen, was nur Wenige schaffen: Von der Regionalliga haben es die Ringer aus Neckargartach innerhalb einer Saison bis ins Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft geschafft. Jetzt stehen sie vor der Herausforderung, die Organisation im Hintergrund vom Amateur- in den semiprofessionellen Bereich zu entwickeln. Die Studierenden im Studiengang BWL-Dienstleistungsmanagement Vertiefung Sportmanagement der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn haben ein Konzept entwickelt, wie der Verein professionellere Strukturen etablieren kann. 

Geschäftsführer könnte die Abteilung Ringen voranbringen

„Aktuell wird die Ringer-Abteilung des SV Heilbronn am Leinbach außschließlich von Ehrenamtlichen gemanagt, was zu einer erheblichen Belastung aller Beteiligten führt“, beschreibt Jens Petzold, Abteilungsleiter, die Ausgangssituation. Die Studierenden ermittelten im Rahmen der Projektarbeit, dass ein fest angestellter Geschäftsführer mit guten betriebswirtschaftlichen Kenntnissen sich noch intensiver bei der Suche nach Sponsoren einbringen könnte als dies von Ehrenamtlichen, die noch einem Hauptberuf nachgehen, geleistet werden kann. Er hätte auch mehr Kapazitäten, um Aufgaben und interne Abläufe zu koordinieren.

Dem gegenüber stehe jedoch die finanzielle Belastung und ein höherer Grad an Bürokratie. „Man darf nicht vergessen, dass der wirtschaftliche Erfolg des Vereins auch immer an den sportlichen Erfolg der Red Devils geknüpft ist“, so Student Friedemann Kress. Mit der Einstellung eines Geschäftsführers entstünden verbindliche Fixkosten, die nur bei anhaltendem sportlichen Erfolg auch gedeckt werden könnten. „Vor diesem Hintergrund ist es umso beachtlicher, was die ehrenamtlich Tätigen in der ersten Bundelsiga-Saison bisher geleistet haben. Davor muss man ganz einfach den Hut ziehen“, so Jens Petzold.

Spannungsfeld zwischen Haupt- und Ehrenamt

Die Studierenden warnten davor, dass es bei der Einstellung eines externen Geschäftsführers zu Akzeptanzproblemen bei den Ehrenamtlichen kommen könne. „Dieser Identitätskonflikt muss auf jeden Fall gelöst werden“, so Student Piet Lobenstein, „da die Ehrenamtlichen auch in Zukunft eine zentrale Rolle im Vereinsgefüge spielen“. Daher sei es wichtig, die Vereinsmitglieder von Beginn an in den Veränderungsprozess mit einzubeziehen und für hohe Transparenz zu sorgen. Eine Umstellung der Vereinsstrukturen sei ein schrittweiser Prozess, der langfristig geplant werden müsse. Dabei muss mittel- bis langfristig geprüft werden, ob die Ausgliederung der Abteilung in eine eigenständige GmbH der richtige Weg sein könnte. Diese Entscheidung läge jedoch in der Zuständigkeit des Gesamtvereins. Gerade die Angst der Mitglieder, dass das Persönliche an der Vereinsqualität verloren gehe, sei ein ernst zu nehmendes Thema. „Unser Verein ist ein Garant für Kameradschaft und gutes Miteinander, das soll auch in Zukunft so bleiben und muss unbedingt weiter bestehen“, machte Jens Petzold deutlich.

Gute Vorbereitung notwendig

Um den Weg für professionellere Vereinsstrukturen zu ebnen, sei eine gute Vorbereitung eine zwingende Voraussetzung. Bevor tatsächlich nach einem Geschäftsführer gesucht werden könne, müssten zunächst die internen Verantwortlichkeiten geklärt und geeigneten Personen zugewiesen werden. Zudem müsse geprüft werden, wann sich der Aufwand lohne, alles mit internen Helfern abzudecken und in welchen Situationen es sinnvoll sei, auch externe Dienstleister wie etwa bei den Parties nach den Kämpfen, in Anspruch zu nehmen. Momentan sind 50 bis 60 Leute ehrenamtlich bei den Heimkämpfen im Einsatz und sorgen für einen reibungslosen Ablauf.

„Augenöffnender Blick von außen“

Die Vertreter der Red Devils im SV Heilbronn am Leinbach sind sehr angetan von den Ansätzen der Studierenden: „Die Präsentation war ein realistischer und augenöffnender Blick auf unsere Vereinsstrukturen“, so Ralf Scherlinzky, zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Die Studierenden hätten eine gute Informationsbasis geliefert, auf derer nun die Entscheidungen für das weitere Vorgehen getroffen werden könnten. Auch Jens Petzold ist sich sicher: „Die strukturellen Veränderungen sind notwendig, um die besten Voraussetzungen für den weiteren Erfolg unserer Sportler zu schaffen. Natürlich ist es auch erforderlich, dass die Verantwortlichen des Gesamtvereins sich nun aktiv mit einbringen. Mir ist es wichtig, dass wir nicht über die Köpfe von langjährigen Vereinsmitgliedern hinweg entscheiden.“

Besonders betonte Petzold die Bedeutung der Red Devils für die Region Heilbronn-Franken: „Von der bundesweiten Strahlkraft der Red Devils profitieren auch unsere Unternehmen, es ist ein wichtiger Standortvorteil, dass hier Bundesligaspitzensport angesiedelt ist“. Das gesamte Projekt wurde von Studiengangsleiter Professor Dirk Schwarzer im Studiengang BWL-Dienstleistungsmanagement wissenschaftlich begleitet.

 

Text und Foto: DHBW Heilbronn