Diversität unter Studierenden in Hochschullehre nutzen | hochschulenhoch3

Diversität unter Studierenden stärker in Hochschullehre einbinden

 29. Juni 2018 – Menschen unterscheiden sich. Wir alle haben nicht veränderbare Merkmale wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit oder Behinderung. Zusätzlich dazu speist sich unsere Persönlichkeit aus Lebensumständen, die wir meist selbst bestimmen können: Wenn es um den Weg unserer Ausbildung geht, um die Gestaltung unseres Privatlebens oder welche Erfahrungen wir sammeln. Diese Verschiedenheit als Stärke zu sehen und zu nutzen ist der Kerngedanke des Diversity Managements.

Was ist Diversity Management?

Ziel des Diversity Managements ist, dass jeder Mensch durch seine Individualität zur Optimierung von Strukturen und Prozessen in Organisationen beitragen soll, indem seine persönlichen Begabungen und Neigungen erkannt, gefördert und eingesetzt werden. Professorin Yvonne Zayontz ist Gleichstellungsbeauftragte an der DHBW Heilbronn. Ihr ist es wichtig, dass dieser Ansatz in der Didaktik der dualen Hochschule aufgegriffen wird. Für alle Hochschullehrenden initiiert sie den Workshop GenTrain.

"Den typischen Studierenden gibt es nicht mehr."

Miriam Hansen ist Referentin des Workshops. Sie ist davon überzeugt, dass eine diversitätssensible Lehre notwendig ist: „Studierendenbefragungen zeigen: 23 Prozent der Studierenden an deutschen Hochschulen weisen einen Migrationshintergrund auf, 25 Prozent der Studierenden im Erststudium sind über 25 Jahre alt. Sieben Prozent der Studierenden haben eine studienerschwerende Behinderung und/oder chronische Erkrankungen.“ Auch die soziale Herkunft habe sich verändert: Mittlerweile stammten 50 Prozent der Studierenden aus nichtakademischen Haushalten. Fünf Prozent aller Studierenden im Erststudium hätten ein Kind. Miriam Hansen: „Daraus wird klar: Den typischen Studierenden gibt es nicht mehr.“ Die Psychologin möchte Hochschullehrende auf diese heterogene Studierendenschaft vorbereiten und diversitätssensible Konzepte an die Hand geben. Diese sind in ihren Augen nicht nur wichtig, um Chancengleichheit zu schaffen: „Diversitätssensible Lehre verfolgt didaktische Grundregeln wie Transparenz und klare Strukturierung des Lernprozesses. Es ist somit fast automatisch immer auch eine gute Lehre.“

Zur Person

Die Diplompsychologin und Trainerin Dr. Miriam Hansen ist an der Goethe-Universität Frankfurt für die operative Leitung der Hochschuldidaktik zuständig. Sie lehrt auch an anderen Hochschulen und bietet regelmäßig Workshops für Hochschullehrende an.

Text: Carina Scholl, Fotos: Adobe Stock/Goethe-Universität Frankfurt