Tipps mit flinken Bleistiftstrichen | hochschulenhoch3

Tipps mit flinken Bleistiftstrichen

9. Mai 2018 – Anfangs ist es nur eine schlichte Skizze. Doch in Sekunden und mit nur wenigen Bleistiftstrichen gelingt es Ivica Astalos, auf dem Blatt Papier eine peitschenschwingende Figur entstehen zu lassen. Mehr als 40 Jahre Berufserfahrung eben. Astalos ist Grafiker, Cartoonist, Texter und bekannt als Mitbegründer der deutschen Ausgabe des Satiremagazins „Mad“.

Wie funktioniert Comicsprache in der Werbung?

In dieser Woche können Studenten des Studiengangs Food Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn von seinem Wissen profitieren. Sie lernen, wie Comicsprache in der Werbung funktioniert. Die Aufgabe: einem Produkt eine selbst gestaltete Comicfigur zuordnen. Bei der Auswahl der richtigen Zeichentechnik und Farbgebung gibt Astalos professionelle Tipps.

Bekannt sind Astalos’ Figuren im „Mad“-Magazin vor allem für ihre verzerrten Proportionen. Im Vordergrund steht die Mimik, die durch Linien im Augenbereich dargestellt wird. Mit Entertainer und Kabarettist Herbert Feuerstein brachte er 1974 die deutsche Ausgabe des US-Satiremagazins auf den Weg. „Am Anfang haben wir nur die amerikanische Ausgabe übersetzt, dann haben wir eigene Schwerpunkte gesetzt“, erinnert sich der 64-Jährige, der in Wüstenrot lebt. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Comic-Landschaft geändert: „Heute hat man mit dem Internet andere Publikationsmöglichkeiten, und auch der Druck ist wesentlich billiger“, sagt Astalos. Nach einer dreijährigen Pause gibt es das deutsche „Mad“- Magazin seit 1998 wieder zu kaufen.

Braucht man heute noch Satire?

Doch braucht man in irrwitzigen Zeiten noch ein Satiremagazin? „Gerade dann ist es nötig, um dem ganzen Wahnsinn auch mal zu entfliehen“, sagt Astalos. Zwingend schockierend wie das Erdogan-Gedicht von Jan Böhmerman muss Satire für den Cartoonisten aber nicht sein. Im „Mad“ sei es nie allein um sinnfreie Blödelei gegangen. „Wichtig war immer, dass auch ein ernster Teil drinsteckt.“ Das gilt auch für die Beziehung zu Co-Gründer Feuerstein. „Wenn er mal über eine meiner Zeichnungen gelacht hat, war das ein Sechser im Lotto“, sagt Astalos mit einem Augenzwinkern. „Wir haben uns immer gegenseitig aufgezogen.“ Eine bestimmte Inspirationsquelle hat Astalos nicht: „Die Einflüsse kommen von überall.“ Natürlich orientiere sich das Magazin aber an wichtigen gesellschaftlichen Themen. „Satire wird ja nicht frei erfunden.“

In der Vorlesung schaut Astalos den Studierenden über die Schulter, gibt Tipps. Vincent, Linda, Selina, Martina und Marianne haben sich zwei Comicfiguren ausgedacht: Ein niedlicher Bär oder ein Hase sollen für eine Kinderpizza werben. „Es macht großen Spaß, am Konzept zu feilen. Zeichnen ist aber schwieriger“, sagt Vincent und lacht.

 

Text: Ranjo Doering, Fotos: Andreas Veigel