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Wie wir in Zukunft essen

26. September 2018 – Für Moderatorin Hannah Scherkamp steht fest: „So wie wir heute essen, kann es nicht weitergehen.“ Auf der „Future-of-Food“-Konferenz in Berlin stellten Gründer vor, wie sie die Lebensmittelindustrie verändern wollen. Das sind die drei spannendsten Entwicklungen.

Gemüsebeet im Supermarkt

Wenn Ema Paulin in ihrem Berliner Restaurant „Good Bank“ steht und ein Sandwich machen will, dann muss sie sich umdrehen. Hinter ihr stehen riesige, pink beleuchtete Regale an der Wand. In ihnen wächst Salat. Vom Keim bis zur fertigen Pflanze können die hungrigen Kunden zuschauen, wie der Salatkopf gedeiht – und wie die Blätter frisch aufs Brot kommen. Einige Gründer experimentieren momentan mit sogenannter vertikaler Landwirtschaft. Die Idee dahinter ist, dass Karotten und Kräuter auf mehreren Ebenen und in Gebäuden wachsen. Dies ermöglicht den Anbau von frischem Gemüse auch in dichtgedrängten Großstädten. Pavlos Kalaitzoglou arbeitet bei der Firma, die Paulins Salat-Regale gebaut hat. „Infarm“ vermietet sie an Supermärkte und Restaurants in ganz Europa. Die Pflanzen werden mit einer speziellen Kamera beobachtet, erklärt Kalaitzoglou. „Jede Pflanze entscheidet durch maschinelles Lernen selbst, was sie braucht.“ Also etwa mehr Licht oder weniger Wasser. Nicht alle im Publikum der Konferenz sind von dieser Idee begeistert. „Meine Sorge ist, dass wir das Gefühl für Saisonalität und Regionalität verlieren“, kritisiert einer.

Postbote bringt den Einkauf

Nur 1,5 bis zwei Prozent setze der Lebensmittelhandel momentan online um. Wenn es nach Katharina Pellmann geht, steigt diese Zahl in Zukunft. Die Logistikerin optimiert bei DHL Paket den Versand von Erdbeeren, Pizza und Co. Momentan hat sie dabei vor allem mit dem Misstrauen der Kunden zu kämpfen: Wie bleibt die Tiefkühl-Pizza kühl? Wie hygienisch ist die Lieferung per Post? Was mache ich mit den vielen Pappkartons? Die Lösung sind für Pellmann eine Kalenderfunktion und eine spezielle Box. Mit der Kalenderfunktion könnten die Kunden ihre Ware zeitgenau in einem Rahmen von zwei Stunden bestellen. Auf diese Weise soll sichergestellt sein, dass die Ware am selben Tag den Supermarkt verlässt und beim Käufer ankommt. Alle Zusteller sollen zudem ein Handy bekommen, um die genaue Ankunft per Mail mitzuteilen. Ist der Postbote angekommen, bringt er keine Pappkartons vorbei. Sondern eine spezielle Thermobox, die mit Kühlakkus ausgestattet ist. Er packt Erdbeeren und Pizza aus – und nimmt die leere Box wieder mit, inklusive Pfandflaschen und abgelehnten Lebensmitteln. „Ich bin überzeugt, wenn wir so weitermachen, dann kann das Thema Online-Lebensmittelkauf zu einer Erfolgsstory werden“, sagt Pellmann auf der Konferenz.

Insekten aus dem Labor

„Wir schauen anders auf Heimchen als auf Schweine“, meint Radek Husek. Auf seiner Cricket Farm in Thailand züchtet der 25-Jährige die Grillenart, um sie anschließend als Nahrungsmittel zu verkaufen. Die Heimchen landen bei ihm auch als Riegel auf dem Teller. Das ist die Geschäftsidee seines zweiten Standbeins, der Firma SensFood. Der Gründer ist überzeugt: „Für uns ist das momentan das nährstoffreichste Protein weltweit.“ Kritik muss er sich von Jens Tuider anhören. Der Tierethiker, der bei ProVeg Deutschland arbeitet, betont: „Es gibt noch immer keinen empirischen Beweis dafür, ob Insekten Gefühle haben und Schmerzen erleiden oder nicht.“ Für Husek ist die Trennung hingegen klar. Er sieht das Verspeisen von Insekten als die Lösung für die Essenskrise, die am besten funktioniert.

 

Text: Christine Faget, Foto: Stock Adobe