Vom Aufstieg und Anfängen der Slam-Poeten | hochschulenhoch3

Vom Aufstieg und Anfängen der Slam-Poeten

16. Juli 2018 – Im Innenhof des Wilhelm-Waiblinger-Haus treffen an diesem Nachmittag zwei Poetry-Slam-Welten aufeinander. Der eine ist, trotz jungem Alter, ein "alter Hase" im Geschäft, kennt die Szene gut: Seit mehr als zehn Jahren steht Nektarios Vlachopoulos als Slampoet auf der Bühne. Inzwischen verdient der 32-Jährige mit seinen Auftritten hauptberuflich sein Geld. "Trotzdem bin ich noch sehr geerdet."

Chiara Reinhardt (17) und Johanna Wahl (18) hingegen stehen erst am Anfang ihrer Poetinnen-Karriere. Seit Anfang des Jahres treten die beiden Schülerinnen aus Heilbronn als Team JoChi bei literarischen Vortragswettbewerben an. Beim Open-Air-Poetry Slam zum Auftakt des Viel & Draußen Festivals am 26. Juli stehen alle drei auf der Bühne: Team JoChi treten im Wettbewerb an, Vlachopoulos wird die Veranstaltung in der Schützenstraße moderieren.

Eigentlich würde Nektarios Vlachopoulos inzwischen vor einer Schulklasse stehen, er hat Germanistik und Anglistik auf Lehramt in Heidelberg studiert. Dank seines rasanten Aufstiegs hat sich der gebürtige Brettener aber mittlerweile ganz dem Leben auf der Bühne verschrieben. 2011 gewann er bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften in Hamburg den Meistertitel im Einzelwettbewerb, mit seinem Solo-Programm ist er auf Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Anfang Juli hat er seine erste CD "Niemand weiß, wie man mich schreibt" herausgebracht.

Fünf Fehler in den Namen eingebaut

Ach ja, sein Name - ein Thema, an dem Nektarios Vlachopoulos eigentlich bei keinem Interview vorbeikommt. Denn er ist eine nie versiegende Fehlerquelle: "Ein Veranstalter hat es sogar einmal geschafft, fünf Fehler in meinen Namen einzubauen." Er selbst bezeichnet sich mit Augenzwinkern gerne als "Ex-Deutschlehrer mit griechischem Integrationshintergrund". Inzwischen lebt er in Heilbronn und ist Mitbegründer der Poetry Slams, die regelmäßig im Café Wilhelm stattfinden.

Hat er als erfahrener Slamer einen Tipp für den schreibenden Nachwuchs? "Wichtig ist, es einfach zu machen. Man merkt recht schnell, wo das hinführen kann und ob es einem liegt oder nicht."

Einfach gemacht haben es Chiara Reinhardt und Johanna Wahl. Begonnen hat alles mit einem Workshop in der Schule. Nach dem Schulwettbewerb, gewannen die beiden Nachwuchs-Slamerinnen im April auch die Heilbronner U20-Stadtmeisterschaften. Ihre Texte schreiben die beiden gemeinsam und greifen darin politische und gesellschaftliche Themen auf: "Es geht um Demokratie, Freiheit, aber auch ums Anderssein. Darum, offener zu sein, auf Mitmenschen zuzugehen und auch mal über sich selbst hinauszuwachsen", erklärt Chiara Reinhardt. "Unsere Texte sind aber mit viel Humor", ergänzt Johanna. "Zum Beispiel haben wir einen Märchentext über Donald Trump."

Nervös bei ersten Auftritten

An ihren ersten öffentlichen Auftritte können sich Chiara und Johanna noch gut erinnern. "Man ist nervös, aber wenn man erst einmal auf der Bühne steht, ist man in seinem Element und blendet das Publikum vollständig aus", berichtet Johanna. "Das Viel & Draußen Festival ist deshalb auch eine Chance, etwas zu zeigen", fiebert Chiara dem nächsten Auftritt entgegen.

Es ist knapp zehn Jahre her, doch auch der erfahrene Vlachopoulos kann sich noch an seinen ersten Poetry-Slam-Auftritt erinnern: "Das war in Stuttgart. Ich habe total den Faden verloren und habe stark gezittert. Das muss lustig ausgesehen haben. Trotzdem habe ich den Slam am Ende gewonnen."

Tickets Open-Air Poetry Slam

Donnerstag, 26. Juli, Wilhelm-Waiblinger-Haus, 20.15 Uhr, Schützenstr. 16, Tageskarten im Vorverkauf: zehn Euro. Mehr über Vorverkaufsstellen und das Viel & Draußen Festival im Internet unter www.vud-festival.de.

Woher kommt Poetry Slam?

Poetry Slam setzt sich zusammen aus den englischen Substantiven poetry ("Dichtung") und slam. Das Verb slam bedeutet "zuschlagen" oder "jemanden ins Gesicht schlagen". Ein Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Die Zuhörer küren dann den Sieger. Die Veranstaltungsform entstand 1986 in Chicago und verbreitete sich in den 1990er Jahren weltweit. Die Heilbronner Poetry Slams starteten 2009 richtig durch, sie finden regelmäßig im Café Wilhelm statt.

Text: Ranjo Doering, Foto: Mario Berger