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„Wir sind vielleicht jung, aber dafür haben wir mehr Energie.“

4. Mai 2018 – Der 20-Jährige Leo Sandrisser hat sich vor vier Semestern für ein duales Studium im Dienstleistungsmanagement an der DHBW Heilbronn entschieden. Abseits der Hochschule geht er jedoch einem zeitintensiven Hobby nach: Leo spielt leidenschaftlich gern Gitarre und komponiert eigene Songs. Jetzt steht er mit seiner Band Paradision kurz vor dem Release des zweiten Tonträgers Mastermind.

Leo, kannst du etwa einschätzen, wie viele Einsatzstunden du pro Woche für die Band aufbringst?
Leo Sandrisser: Das kann man pauschal so nicht sagen! Es gibt Wochen, die sind relativ entspannt. Da hat man mit der Band die Probe von drei Stunden und dazwischen übt man für sich zu Hause noch ein wenig. Aber das Proben ist der kleinste Teil des Bandtreibens. Viel aufwändiger ist das ganze Drumherum: Booking, Promo, Musikvideos, Studiophasen, Kompositionsphasen…Einmal habe ich ein Musikvideo animiert und hatte dann in drei Wochen einen Arbeitsaufwand von hundertfünfzig Stunden.

Wie ist dieses zeitintensive Hobby mit einem dualen Studium zu vereinbaren?
Leo Sandrisser: Musik ist eben etwas, für das ich brenne. Die Pflichtveranstaltungen an der Hochschule nehme ich natürlich wahr, aber manchmal kommt die eigenständige Arbeit, die zu einem Studium gehört, schon etwas zu kurz. Zum Glück lerne ich relativ leicht.

Es heißt ja auch: Für Dinge, die Freude bereiten, findet man immer die Zeit.
Leo Sandrisser: Ja, aber wenn man mal das Video betrachtet: Die Ballade geht über neun Minuten. Die ersten drei Minuten Animation haben noch Spaß gemacht, weil ich Neues ausprobieren konnte und eine neue Technik entdeckt habe, aber irgendwann ist es nur noch Arbeit. Wenn man nicht mehr wirklich kreativ sein kann, sondern nur noch umsetzt, wird es zäh.

Ihr habt jetzt euer erstes Album mit dem Titel "Mastermind" herausgebracht. Davor habt ihr bereits einen Tonträger mit dem Titel „Hello Paradise“ veröffentlicht. Wo ist der Unterschied?
Leo Sandrisser: „Hello Paradise“ war das erste Ding, das wir rausgebracht haben und ist für eine EP mit siebenundzwanzig Minuten Spielzeit schon recht lange. Mit EP meine ich „Extended Play“, wobei es dieser Begriff ursprünglich eine Hauptsingle mit Bonusmaterial bezeichnet. Heute wird er aber oft für eine kleine Sammlung von drei bis fünf Songs missbraucht. In unserem Fall sind es sieben Songs geworden, womit „Hello Paradise“ zu groß für eine EP und zu klein für ein richtiges Album ist. Dementsprechend ist „Mastermind“ nun unser erstes „richtiges“ Album. Das war eine Menge Arbeit. Allein die Zeit im Studio hat sich von Anfang Dezember bis Ende März gezogen.

Bezieht sich der Bandname „Paradision“ auf diese EP?
Leo Sandrisser: Richtig. Der Namensursprung leitet sich von unserem ersten Song „Hello Paradise“ ab. Dieser ist entstanden, bevor unser Bandname entstanden ist. Er bedeutet für uns einfach, dass wir unser persönliches Paradies in all seinen guten und schlechten Facetten darstellen möchten.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Leo Sandrisser: Unsere beiden jüngeren Bandmitglieder sind Geschwister und sind mit Musik groß geworden. Wie ihre Eltern wollten auch sie in einer eigenen Band spielen. Also haben sie per Aushang im Foyer des Mönchsee-Ggymnasiums nach Mitgliedern gesucht. Über diesen Zettel kam der Kontakt zustande. Zunächst war ich skeptisch, weil die beiden erst in der achten und sechsten Klasse waren und ich als Elftklässler natürlich nicht in einer Kinderband spielen wollte. Bei einer Probe haben sich die beiden aber als gute Musiker herausgestellt. Letztlich brauchten wir noch einen Bassisten, und der Einzige, der mir einfiel, hatte vor vielen Jahren als Kind einmal mit mir in einem Musikschulprojekt mitgewirkt. Von meinem Gitarrenlehrer habe ich seine Handynummer bekommen. Seit dem sind wir zu viert.

Um was geht es denn in euren Songs?
Leo Sandrisser: Das Thema für „Hello Paradise“ war der Aufbruch in etwas Neues, in verschiedenen Variationen. Es geht auch um Gefühle wie Sehnsucht oder Beziehungsprobleme, aber auch ganz einfach darüber, wie großartig es ist, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen. Bei unserem neuen Album „Mastermind“ haben wir uns vor allem mit Selbstfindung beschäftigt. Wer ist man selber? Wo will man hin? Wofür würde man alles andere aufgeben?

Das klingt sehr tiefsinnig für eine so junge Band.
Leo Sandrisser: Teilweise. Wir haben uns bewusst für einen Mix entschieden. Natürlich sprechen wir einige ernste Themen an, haben aber auch Partysongs geschrieben, wo es nur darum geht, eine gute Zeit zu haben. Aber auch junge Musiker können tiefsinnig sein. Ich finde es übrigens immer störend, wenn uns jemand als „echt gut für unser Alter“ bezeichnet. Das ist zwar ein nettes Kompliment, aber wie bereits gesagt: Ich sehe unser Alter nicht und ich will auch nicht, dass andere unser Alter sehen. Wir proben, wir gehen auf die Bühne und spielen unsere Songs – genauso wie alle anderen Bands auch. Nur weil wir im Schnitt 18 sind, muss man uns nicht weniger ernst nehmen. Wir sind vielleicht jung, aber dafür haben wir auch mehr Energie.

Und wofür wollt ihr eure Energie in Zukunft noch nutzen?
Leo Sandrisser: In den nächsten drei Monaten spielen wir zwölf Konzerte in Heilbronn und Umgebung, aber auch überregional. Es ist eine kleine Tour zustanden gekommen. Unser nächstes offizielles Konzert wird die Releaseparty am 12. Mai im Red River sein. Das ist ein ganz kleiner Laden, deshalb deckeln wir bei hundert Leuten, aber ein paar Karten haben wir noch! Ansonsten haben wir noch einiges vor. Wir unterscheiden zwischen Träumen und realistischen Zielen. Ein Ziel ist zum Beispiel, dass mit der Musik ein größeres Volumen entsteht, dass wir mehr Auftritte vor größerem Publikum spielen können. Schön wäre es, wenn wir eine Plattform bekommen würden und an Bekanntheit gewinnen.

Und jetzt die Träume!
Leo Sandrisser: Jeder leidenschaftliche Musiker träumt natürlich von einem professionellen Dasein als Künstler. Dass man von seiner Musik leben kann und herumtourt. Aber diesen Traum teilen wir uns mit zig Millionen Bands in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, den Durchbruch zu schaffen, ist sehr gering. Damit das klappt, muss viel zusammenkommen. Abgesehen von der musikalischen Qualität muss eine Band dafür einzigartig sein und sie muss den Nerv eines sehr großen Publikums treffen. Aber jetzt ernten wir erst einmal die Früchte unserer intensiven Arbeit für das neue Album.


Viel Erfolg dabei! Danke für das Gespräch Leo.

 

Text: Carina Scholl