Nur Freaks auf dem Geschrupp undGeschepper-Festival? | hochschulenhoch3

Nur Freaks auf dem Geschrubb und Geschepper Festival?

19. November 2018 ­– Der Bass dröhnt bis ins Auto. Das kann ja gut werden, denke ich, und bereue kurz, keine Ohropax mitgenommen zu haben. Als ich die Halle betrete, und mitten im Geschrubb und Geschepper Festival bin, wird mir klar: Meine Kleiderauswahl - eine rosafarbene Bluse - war auch falsch. Im Foyer sitzen nur Leute in Schwarz, Schwarz und nochmal Schwarz. Viele von ihnen sind tätowiert, einige haben Dreadlocks. Obwohl sie alle den gängigen Stereotypen entsprechen, fühle ich mich nicht unwohl. Düstere Musik heißt also nicht gleich düstere Menschen.

Voller Körpereinsatz

In der Halle spielt AOP (AndiOliPhilipp). Eine Punkband. Voller Körpereinsatz heizen die Heilbronner Jungs den Fans ein. Schlagzeuger Stukki spielt sich so in Rage, dass er irgendwann oberkörperfrei auf der Bühne sitzt. Die Schweißtropfen perlen von seiner Stirn. Mein Rücken bekommt derweil eine Massage. Der Bass lässt die Wand vibrieren, an die ich mich angelehnt habe.

Die Stimmung ist gut. Auch im Backstagebereich. Dort begegnet mir Salvo Galiano von der Band Even Temper. Wieder so ein Typ, der auf den ersten Blick jedes Vorurteil bestätigt. Galiano ist am ganzen Körper tätowiert - soweit ich das beurteilen kann. Unter seinem rechten Auge fliegt ein kleiner Vogel, auf der linken Seite ragt eine Blume über seine Schläfe.

Die Augen hat der 24-Jährige schwarz geschminkt, die Nägel sind rot. "Even Temper macht sehr düstere und emotionale Musik", erklärt Galiano. Einfach zu denken, er sei das auch. Ist er aber nicht. Wenn er mit seiner weichen Stimme erzählt, könnte ich stundenlang zuhören.

Positiv schocken

"Ich finde es cool, die Leute von dem wegzukriegen, was sie denken", sagt der Bassist und Sänger. Er möchte die Zuhörer positiv schocken, sie dazu bringen, ihre Vorurteile zu überdenken. Dabei werden seine Augen ganz groß und er lächelt. Auf der Bühne machen The Prophecy 23 mittlerweile ihren Soundcheck. Luca, der Sänger, stimmt sich ein. Er nimmt das Mikrofon und schreit mit tiefer Stimme so etwas wie "Whaaaa". Das wird er später die ganze Zeit machen.

Die Show beginnt. Es raucht, Konfettibomben werden abgefeuert und eine Lichtshow gibt es auch. Professioneller kann eine Bühne fast nicht sein. Mein Herz hat gefühlte Rhythmusstörungen, so sehr hämmert der Bass in meinen Körper. Die Musik ist aber okay. Kann man sich schon mal anhören. Die ganze erste Reihe headbangt, bewegt ihren Kopf also zum Takt der Musik schnell in alle Richtungen.

In der Mitte des Zuschauerraums hat sich eine Gruppe Tanzwilliger versammelt. Sie stellen sich gegenüber voneinander auf, warten auf ein Zeichen der Musik und stürmen aufeinander zu, rempeln sich an, fallen zu Boden. Von Weitem sieht es aus, als ob sie sich prügeln würden. Machen sie aber nicht, sonst wäre die Security ja schon mal eingeschritten. Meine Ohren tun weh, ich stehe vor den Boxen.

Zeit zu gehen

Irgendwie hören sich die Lieder für mich auch alle gleich an. Es hat schon vier Lieder gebraucht, bis ich überhaupt verstanden habe, in welcher Sprache The Prophecy 23 singt. Meistens ist es Englisch. In einem Lied geht es um Fleisch, das habe ich erkannt. Es ist auf Deutsch. Das ändert aber nichts daran, dass ich nichts verstehe.

Im Zuschauerraum sind immer mehr Jungs ohne Oberteil zu sehen. Vor mir versucht sich ein Mann im Spagat und hat sich übergeben. Jetzt wird es wohl Zeit für mich zu gehen. Aber ich komme nächstes Jahr wieder. Versprochen.

 

Text und Fotos: Anjoulih Pawelka