Heilbronn: Bahnhofsvorstadt birgt viel junges Potenzial | hochschulenhoch3

Heilbronn: Bahnhofsvorstadt birgt Potenzial für junge Menschen

20. Jui 2018 – Die Heilbronner Bahnhofsvorstadt könnte irgendwann zu einem Prenzlauer Berg im Kleinformat werden, zu einem attraktiven, bunten Stadtteil. Das zumindest ist das Ziel einer Interessengemeinschaft, die sich derzeit zusammenfindet. Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Bildung und Kultur sind mit dabei. Heilbronn soll so zu einer Schwarmstadt werden, die junge Leute anzieht und ihnen auch eine Perspektive über die Ausbildung hinaus bietet.

Was macht Heilbronn attraktiv?

Bei einem vom Stadtmagazin Hanix und der DHBW Heilbronn organisierten Treffen auf dem Bildungscampus zeigt DHBW-Professorin Yvonne Zajontz, welche Faktoren auf dem Weg zur Schwarmstadt eine Rolle spielen könnten. Um den Bekanntheitsgrad zu steigern und ein positives Image zu befördern, präsentierte Zajontz vier Ansätze:

  • Festivals: Mit großen Events wie der Gartenschau macht die Stadt auf sich aufmerksam.
  • Leuchttürme schaffen: Was für Hamburg die Elbphilharmonie ist, könnte für Heilbronn die Experimenta sein.
  • Großunternehmen gewinnen: Global agierende Firmen könnten mit „Brand Hubs“ die große weite Welt in die Stadt holen. Als Beispiele nennt Zajontz das Sony Center in Berlin oder die VW-Erlebniswelten.
  • Geschichte neu schreiben: Vor allem benachteiligte Stadtteile werden nach vorn gebracht, wenn sie als Marke funktionieren.

Nicht von ungefähr kommt also, dass die Bahnhofsvorstadt als Testlabor für modellhafte Stadtentwicklung ausgewählt wurde. Für die vermeintliche Schmuddelecke der Stadt hat Initiator und Hanix-Chef Robert Mucha viel Sympathie übrig. Mit Bildern belegt er, welches Potenzial da schlummert: Gastronomie, Handwerk, Hotels, Schulen, Kultur und Einzelhandel gingen einher mit einem „Wohnkiez“, in dem sich die unterschiedlichsten Menschen wiederfinden. Stadion und Festwiese sind um die Ecke.

Mehr Platz für Kreative

Dazu gebe es ungenutzte Flächen, leerstehende Ladenlokale, zu Lagern umfunktionierte Geschäftsgebäude, Freiräume am Neckar. „Es gibt viele Unorte, tote Orte“, sagt Mucha, der dort Chancen für „temporäre Intervention“ sieht – Plätze, die zum Beispiel von kleinen Firmen oder Künstlern kreativ genutzt werden können, die damit Leben in die Stadt bringen.

Es gibt weitere originelle Ideen. Malte Benz, Student im Master-Studiengang, wünscht sich, dass auch Studenten mit einbezogen werden. „So etwas wie das Klubsofa, das von Studenten betrieben wurde, würde die jungen Leute anziehen.“ Janos Adelsberger könnte sich angesichts der guten Anbindung an den ÖPNV eine autofreie Zone vorstellen. Mark Siller schlägt einen digitalen Campus vor, von dem Start-ups und junge Leute gleichermaßen profitieren würden. Und CDU-Stadtrat Thomas Aurich sieht bereits Hausboote am Neckar anlegen, die bezahlbaren Wohnraum bieten. „Das würde das Gebiet unglaublich beleben.“

Probleme in der Stadt sind sichtbar

Aber auch zur Vorsicht wird gemahnt. Die ehemalige SPD-Stadträtin Sybille Mösse-Hagen attestiert Mucha einen „sehr verliebten Blick auf den Stadtteil“. Schon zur Buga habe man das Quartier aufwerten wollen, was an den hohen Kosten gescheitert sei. „Aber es würde sich wohl lohnen, das weiter zu verfolgen“, räumt sie ein. Andere haben vermüllte Ecken wahrgenommen. Der Stadtinitiative-Vorsitzende Thomas Gauß weist darauf hin, dass es im Handel nicht einfacher geworden ist, Leerstände zu vermeiden. Der Journalistin Brigitte Fritz-Kador fehlt ein Zugpferd wie Wieland Backes, der in der Landeshauptstadt die Initiative „Aufbruch Stuttgart“ anführt.

„Wir haben keine Lösungen, deswegen sind wir hier“, betont Yvonne Zajontz. Jetzt gelte es, das weitere Vorgehen zu besprechen. „Es bildet sich ein Kreis von Bürgern, die versuchen, etwas niederschwellig zu gestalten“, sagt Susan Barth, die unter anderem in der Gründer- und Kulturszene aktiv ist, und fügt an: „Denn die Gestaltung der Stadt befindet sich derzeit in schwergewichtigen Händen.“ Im Herbst soll die Interessengemeinschaft starten.

 

Text: Christian Gleichauf, Fotos: Dennis Mugler