Heilbronn: Stadt, Kunst und Wissenschaft verbinden | hochschulenhoch3

Hochschule Heilbronn möchte Stadt, Kunst und Wissenschaft verbinden

22. Oktiber 2018 – Aus vagen Vorstellungen entwickelt sich derzeit eine konkrete Idee: Wenn nächstes Jahr die Verwaltung der Hochschule Heilbronn (HHN) auf den Bildungscampus in der Stadt zieht, sollen zwei Standorte der HHN eng verbunden bleiben. Dazu wünscht sich Rektor Oliver Lenzen einen Radweg, der mehr ist als nur ein paar eingezeichnete Linien im Straßenverkehr. Der sogenannte Bildungsradweg soll Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft verbinden.

Um das Band auch visuell sichtbar zu machen, könnte der Asphalt beispielsweise leuchten. „Das würde auch optisch etwas hermachen“, sagt Lenzen. Tagsüber würde sich der phosphoreszierende Belag aufladen. Wenn es dunkel wird, gibt er das Licht ab. Grün oder blau schimmert dann der Radweg – allerdings nur dort, wo es durch andere Lichtquellen nicht zu hell ist. In der beleuchteten Innenstadt könnte der Effekt verpuffen. Vorbild-Radwege dieser Art führen meist über Land.

Intelligente Straßenbeleuchtung

Es sind nicht die einzigen Ideen des Ingenieurs Lenzen. „Eine intelligente Straßenbeleuchtung könnte in bestimmten Bereichen den Weg nur dann beleuchten, wenn jemand darauf unterwegs ist.“ Das dafür notwendige Know-how käme aus dem eigenen Hause. „Unser Professor Jesser in Künzelsau hat das schon einmal für eine Firma entwickelt.“ Auch so würde man ein Gefühl für das unsichtbare Band durch die Stadt bekommen.

Der Weg soll die zwei Orte tatsächlich „erfahrbar“ machen, sagt Lenzen, und doch mehr sein als nur ein Radweg. An Stationen soll Platz für Kunst und Wissenschaft sein. „Wir wollen die Hochschule in der Stadtgesellschaft sichtbar machen“, sagt Henning Groscurth, der das Projekt an der HHN zusammen mit Susan Barth und Prorektor Raoul Zöllner nun vorantreiben.

Kunst am Wegesrand

Als Netzwerkerin in der kreativen Szene Heilbronns möchte Susan Barth den Platz auch für Denkanstöße nutzen, für etwas, das eingedeutscht „urbane Intervention“ genannt wird. „Das hat eine aufrührerische Komponente, wir wollen die Menschen mit etwas konfrontieren, was sie da nicht erwarten.“ Mit solchen Interventionen könne ein Diskurs in Gang kommen über Dinge, die in der Stadt und für die Stadt eine Rolle spielen.

„Die große Kunst wird sein, das zu kuratieren“, räumt Barth ein. Denn am Ende sollen die Stationen nicht beliebig erscheinen, sondern ein Ziel verfolgen. Welches das ist, bleibt ganz offen. Segway-Stadtführungen könnten die Route mit ihren kreativen Attraktionen nutzen. Um wissenschaftlichen Fragen nachzugehen, könnten Vorträge in einem Überseecontainer am Wegesrand stattfinden, stellt Groscurth die nächsten Ideen in den Raum. Etwas davon sollte sich umsetzen lassen.

Wer soll's bezahlen?

Es wird ein Versuch. Bei einem Workshop am 8. und 9. November sollen gemeinsam mit dem Kunstverein Heilbronn und Vertretern der Stadtverwaltung die Möglichkeiten ausgelotet werden: Welche Route bietet sich an? Wo ist Platz für die Stationen? Wer kann sich wie beteiligen? Die Umsetzung könnte Jahre dauern, und ohnehin wäre es ein Projekt, das sich fortlaufend weiterentwickeln müsste. Beantwortet werden muss dann übrigens auch noch die Finanzierungsfrage. Doch allein der Gedanke daran sei immer so ein Hemmschuh, warnt Lenzen. Am Ende gebe es hoffentlich Fördertöpfe und Förderer, doch erst einmal soll das Projekt wachsen.

 

Text: Christian Gleichauf, Visualisierung: Hochschule Heilbronn