Genuss-Experte lobt Essen auf Heilbronner Weindorf | hochschulenhoch3

Genuss-Experte lobt Essen auf Heilbronner Weindorf

11. September 2018 – Der in Bad Mergentheim geborene und in München wohnende Genuss-Experte verkehrt nicht nur in der Sternegastronomie. Als ehemaliger Slow-Food- Deutschland-Präsident weiß Otto Geisel bodenständige Küche zu schätzen. In einer der nächsten Ausgaben des Polit-Magazins Focus werden die Ergebnisse seines Kantinen-Tests an großen deutschen Unternehmen veröffentlicht.

Jetzt nahm der Feinschmecker im 48. Heilbronner Weindorf das Speisenangebot unter die Lupe, zusammen mit Ideengeberin Nicole Graf, Rektorin der Dualen Hochschule in Heilbronn und fünf Dualstudenten. Deren Studiengang Food Management hatte Geisel vor mehr als zehn Jahren initiiert.

Frischer Wind fürs Speiseangebot

Die Studie bilde den bisherigen Höhepunkt der vor drei Jahren eingeleiteten „Verfeinerung unseres Speisenangebots“, wie Verkehrsvereinschef Nico Weinmann erklärt. Böse Zungen hatten damals die „Wurstlastigkeit“ beklagt, weiß Heilbronn-Marketing-Chef Steffen Schoch. Damals war gar von Wurst-Mafia die Rede. Doch durch „den selbstkritischen Umgang mit dem Thema“, aber auch durch ambitionierte Neueinsteiger wie Marcel Küffner und Erwin Gollerthan, habe nicht nur die Vielfalt, sondern auch die Qualität gewonnen.

Dem wollte der gelernte Koch Otto Geisel nach einem dreistündigen Rundgang, bei dem er an allen zwölf Speiseständen Kostproben nahm, nicht widersprechen. Die Bandbreite sei „beeindruckend“, das Niveau „insgesamt hoch und für mich einmalig für ein Fest dieser Art“. Als Leuchttürme nannte er Schröter, Silzer, Erwin Gollerthan und Küffner. Sie kämen dem Ideal von gutem Essen ziemlich nahe: gutes Handwerk, guter Geschmack, Regionalität, verantwortungsvoller Umgang mit Tieren und natürlichen Ressourcen, dies „nicht nur bei einer Soße oder so, sondern im Gesamten“.

Schröter:

Der fruchtige Curry- Beluga-Linsen-Salat (7,50 Euro) besteche als fantasievolle Eigenkreation von Hanne und Uschi Schröter sowie als „sehr appetitliche fleischlose Alternative“.

Silzer:

Die echt Schwäbisch Hällische Frikadelle (3 Euro), die Geisel lieber Fleischküchle nennt, überzeuge nicht nur geschmacklich, sondern auch durch die ganzheitliche Philosophie, die Heidi Silzer überzeugend darlegte.

Erwin Gollerthan:

Bei den geschmorten Ochsenbäckle (12,50 Euro) blieb Geisel „beinahe die Spucke weg“, dass es diese Qualität auf hohem Gasthaus-Niveau in einem Fest gibt, auch Soße und Spätzle seien „einfach top“.

Küffner:

Der Voltino Street Burger (8 Euro) sei eine herausragende Eigeninterpretation des Themas Streetfood. Durch die Frische der Bestandteile werde er selbst „hohen Ansprüchen“ gerecht. Stimmig sei auch das originelle Equipment.

Ratskeller:

Lob für Rainer Mosthafs Kutteln mit Bauernbrot (7 Euro), der sich auf ein typisch regionales Traditionsprodukt konzentriere, das mit der Verwertung eines „Abfallprodukts“ dem modernen Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht werde.

Otto Gollerthan:

Rahmfladen vom Besenbrot im Steinofen gebacken (4 Euro) mit Schmand, Speck und Käse. Insgesamt gelte hier: wunderschön präsentiert, perfekt gemacht und perfekt zum Wein.

Söllner:

Heilbronner Kässpätzle (5,50 Euro) seien bei einem Fest in der Region „ganz einfach ein Muss“.

Umberto Succia:

Pasta alle Verdure (7 Euro) seien „tadellose italienische Nudeln, die gut zur Abrundung des Angebots“ passten.

Rathgeber:

Schwäbische Saure Rädle (4,50): ein sättigender Klassiker aus Omas Küche, wie er auf Festen sonst kaum anzutreffen sei.

Nothwang:

Der Kochendorfer Curryknacker (4 Euro) sei tiptop. Wurst und Gewürze seien absolut in der Balance und von seltener Güte.

Mitterer:

Diese schwäbische Zwiebelkuchen (3 Euro) sei „nicht zu übertreffen, da passt einfach alles, feiner Mürbteig, süße Zwiebeln, liebevoll von Hand gemacht“.

Damerau:

Bei dem Festklassiker Schaschlik (4,50 Euro) überzeuge vor allem die selbstgemachte Tomatensoße und die pikante Würze.

Mit Kritik hielt sich Gentleman Geisel zurück. „Ein Haar in der Suppe“ habe er bei den getesteten Speisen nicht gefunden. „Perfekt wird das Genusserlebnis mit Wein“, wusste Wengerter Martin Heinrich. Er schenkte jeweils die passenden Tropfen ein, wobei die Kombinationsmöglichkeiten bei 350 Weindorf-Weinen „fast unbegrenzt“ seien.

 

Text: Kilian Krauth, Foto: Andreas Veigel