Frischer Wind in Heilbronns Bahnhofsvorstadt? | hochschulenhoch3

Frischer Wind in Heilbronns Bahnhofvorstadt

24. Juli 2018 – "Wir wollen die Interessen der freien Kunstszene bündeln und streben die Durchsetzung unserer Vorstellungen an", sagt Daniel Schütt, Leiter des Popbüros Heilbronn-Franken. In der Bahnhofsvorstadt soll sich einiges verändern. Schütt war dabei, als vor kurzem die verschiedenen Ansätze an der DHBW diskutiert wurden. Eine auf Schwarmstadt ausgerichtete Interessensgemeinschaft soll jetzt auf die Beine gestellt werden. 

Neue Zielgruppen

Bei einem Rundgang durch das Stadtviertel rund um den Heilbronner Bahnhof wird deutlich, dass die meisten Geschäftsinhaber Veränderungen gegenüber offen sind. Seit 2011 wird direkt gegenüber vom Bahnhof das Hotel Pearls and Diamond von der Familie Dikta betrieben. "Ich glaube an die Weiterentwicklung der Bahnhofsvorstadt", sagt Daniela Dicta. Sie erwartet bei erfolgreicher Veränderung eine andere Gästestruktur sowie ein frischeres, belebteres Bahnhofsviertel. "Wir sind für alles offen", sagt Dikta. In den letzten Jahren nahm die Zahl der Gäste bereits zu. Um negative Auswirkungen macht Dikta sich keine Sorgen.

Der Food Court befindet sich am Rand des Bahnhofgebiets. "Wir erwarten andere Gäste, die Zielgruppe ändert sich", sagt Geschäftsführer Stephan Nagel. Das Klientel ist bisher konstant mit Menschen jeden Alters, das Winterdorf sorgte in den letzten Jahren für noch mehr Erfolg für den Biergarten. Den neuen Bezug von Kunst und Kultur im Food Court kann sich Nagel gut vorstellen. Der Inhaber des K2acht, Yücselay Cumali, unterstützt die neue Initiative in der Bahnhofsvorstadt. Über Veränderungen am K2acht sagt er: "Wir richten uns danach, was in der Umgebung geschieht."

Bewohner leiden unter Entwicklung

Mathias Wolff ist zwiegespalten. Als Schulleiter der Akademie für Kommunikation befürwortet er ein soziokulturelles Zentrum zum Austausch und Begegnung von und mit Kunst. Er kann sich vorstellen, dass das für seine Schüler eine Bereicherung ist. Als Anwohner des Bahnhofsviertels allerdings ist Wolff anderer Meinung. "Geht diese Veränderung mit Lärmbelästigung einher, sehe ich es kritisch", sagt Wolff. Er erzählt von lauten Bässen und Autolärm bei Veranstaltungen auf der Theresienwiese oder dem Hip Island. Er und andere Anwohner fühlen sich unverstanden. Es gehe immer darum, die Stadt zu beleben, doch die Lebensqualität der Bewohner leide darunter. Mit Galerien, Ausstellungen und Ähnlichem habe er aber kein Problem.

30.000 Euro für Konzeption

Vieles spricht für das Bahnhofsviertel. Es erweist sich als perfektes Gebiet für ein neues soziokulturelles Zentrum der Stadt. Alte, leer stehende Gebäude können umfunktioniert werden und das junge Publikum anlocken. "Das Bahnhofsviertel ist urban und besser geeignet als die Innenstadt", erklärt Schütt. Die Stadt hat gerade 30.000 Euro für die Konzeption bereitgestellt. Jetzt sollen "viele kleine Bausteine" dazu beitragen, tolle kreative Ideen durchzusetzen, sagt Schütt.

 

Text: Luise Sander, Foto: Dennis Mugler