Einer, der in Heilbronn ganz genau hinschaut | hochschulenhoch3

Einer, der in Heilbronn ganz genau hinschaut

7. August 2018 – Ein bisschen verwundert war er, als er sich seinen Workshopteilnehmer in spe so anschaute. Eine Kamera hatte der junge Syrer Mahmoud Daoud nämlich nicht dabei. Ob er vielleicht etwas falsch verstanden hatte? Wäre möglich, so lange war sein potenzieller Schützling noch nicht im Lande. Klaus Schaeffer, der im Kunst- und Kulturwerkhaus Zigarre ein kleines (Foto-)Atelier unterhält, fragte nach. Diskret aber konsequent versuchte er der Geschichte hinter der Geschichte auf den Grund zu gehen. Der pensionierte Gymnasiallehrer kann gut mit jungen Menschen.

Ja, strahlte Mahmoud Daoud seinen Mentor an, er wolle an diesem Workshop unbedingt teilnehmen. Das heißt: zugucken wolle er, mitlaufen. Fotografieren eher nicht. Dazu bräuchte er Ruhe und Konzentration.

So passierte es dann auch im Herbst 2016. Mahmoud Daoud marschierte mit, wenn sich die zehn, in Spitzenzeiten auch einmal 15 Teilnehmer auf die Tour durch Heilbronn machten: Den Fluss entdeckte er dabei und die Kilianskirche, die Straßenschluchten und die Cafés. „Er ist ein Einzelgänger“, sagt Klaus Schaeffer heute mit durchaus ironischem Unterton, ein liebenswerter, stiller Einzelgänger, der nicht viele Worte verliert, auch nicht in der Zigarre.

Die Fotografien von Mahmoud Daoud sind bis zum 28. Oktober im Bistro K2acht der Zigarre Heilbronn, Achtungstraße 37, zu sehen.

Mit Heilbronn vertraut machen

Etwas muss der junge Mann aus Damaskus ziemlich richtig gemacht haben. Hausaufgaben etwa, die wurden von Mahmoud Daoud, der in seiner Heimat gerade ein Medizinstudium angefangen hatte, sorgfältigst vorgelegt. Fotografie um Fotografie präsentierte er. Tut was, das war das Motto seiner Mentoren im Workshop.

Und Mahmoud Daoud tat. Machte sich, zwischen den Sprachkursen und dem Bewerbungsmarathon um einen Studienplatz in Medizin, mit Heilbronn und seinen Plätzen vertraut. Die Fotografie entpuppte sich genau als jene Ablenkung, die sich Daoud, der inzwischen in Flein lebt, erhofft hatte. Doch nicht unbedingt die Käthchenstadt als solche war es, dieihn interessiert. Vermeintliche Statussymbole wie schnelle Autos haben es ihm angetan, einen guten Blick für den Bildausschnitt beweist Daoud im K2acht in seinem etwas anderen Triptychon der Moderne.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind Makrofotografien, schöne Nahaufnahmen von Wassertropfen etwa, die gerade im Begriff sind zu fallen. Nahlinsen werden dazu gebraucht und ein Umkehrring. Doch vorläufig muss sich Mahmoud Daoud um ganz andere Dinge kümmern, eine Tatsache, die den stillen jungen Mann durchaus bekümmert: Immer noch ist kein Studienplatz in Sicht.

 

Text: Michaela Adick, Foto: Christina Kunz