Ausgehstadt Heilbronn - Gäste wollen mehr Individualität | hochschulenhoch3

Ausgehstadt Heilbronn - Gäste wünschen sich mehr Individualität

19. September 2018 – Der Küchenchef der Zukunft könnte zum Beispiel Luigi Steven Häberle heißen – und damit gleich drei Stile miteinander vereinen. Die italienische, die amerikanische und die schwäbische Küche. Damit käme der Mann am Herd den Wünschen vieler Gäste ziemlich nahe. Das zeigt der diesjährige Heilbronner Gastronomiewettbewerb.

Studierende werten 1700 Fragebögen aus

Die Befragung ist ein Gemeinschaftsprojekt unter anderem der Hochschule Heilbronn, des Hotel- und Gaststättenverbands, der Heilbronner Stimme und erstmals der Industrie- und Handelskammer. Studierende haben die Ergebnisse von 1700 Fragebögen wissenschaftlich ausgewertet – die Teilnehmerzahl ist ein neuer Rekord.

Alle vier Jahre werden bei dem Wettbewerb nicht nur die beliebtesten Lokale in verschiedenen Kategorien gekürt. Die Befragung soll auch Aufschluss geben über Trends, Interessen und Bedürfnisse von Besuchern der Gastronomie. Welche Angebote fehlen in Heilbronn? Wo sollte nachgebessert werden? Wie wichtig sind Qualität und Öffnungszeiten?

Die einen gehen, andere kommen

Seit der letzten Befragung 2014 hat sich in Heilbronn eine Menge getan: Traditionslokale wie Barfüßer und Spazz haben geschlossen, dafür sind viele neue Betriebe dazugekommen. Das Marrahaus brachte neue Namen in die Stadt. Seit 2016 wird die 700 Meter lange Promenade am Flussufer unter dem Namen Neckarmeile vermarktet: mit großem Erfolg. Bei schönem Wetter sind die Lokale meist brechend voll.

Gastroexperte Thomas Aurich ist überzeugt, dass Heilbronn durch die Neckarmeile als Ausgehstadt deutlich mehr wahrgenommen wird als früher. Zum einen locke die Meile mehr Besucher von außerhalb, zum andern habe man dort „die Studierenden der Stadt abgeholt“. Dass Heilbronn für Studenten attraktiver geworden ist, zeigt sich auch bei der Befragung: Die Forderung nach extra Angeboten für die Zielgruppe spielt eine geringere Rolle. Die Ausgehintensität hat sich gesteigert.

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Trend zu mehr Systemgastronomie

Das zeigt sich ebenso deutschlandweit. Die Gastrobranche ist auf Wachstumskurs. Davon profitiert überproportional die Systemgastronomie. Auch in Heilbronn sind mit Wilma Wunder, Burger Heart, Osteria, MoschMosch, Hans im Glück, Dean and David, QQ Sushi Lounge neue Systembetriebe in die Stadt gekommen – und dem Anschein nach gut frequentiert.

Im Kontrast dazu steht allerdings der Wunsch vieler Gäste nach Individualgastronomie, wie die Befragung zeigt. Zumindest auf dem Papier wollen „die Menschen keine Ketten mehr“, sagt Aurich. Internationalität ist ebenso gefragt wie regionale Zutaten. „Regional schlägt Bio“, ist das Fazit.

Die Gewinner des Gastrowettbewerbs – allen voran Food Court, Mangold oder Gartenlaube – zeigen, dass vor allem jene Betriebe die Nase vorne haben mit großen Fangemeinden in den sozialen Netzwerken.

 

Text: Bärbel Kistner, Foto: Dennis Mugler