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Zimmer frei, Job dabei!

13. November 2017 – Meist zum Semesterstart treibt viele Studierende die Wohnungssuche um. In Heilbronn ist die Situation besonders schwierig: WG-Zimmer sind entweder überteuert, liegen weit außerhalb oder sind klein wie Besenkammern. Die Wartelisten in den Wohnheimen sind fast endlos. Philipp Kionka und Samuel Feimer haben zusammen mit den Offenen Hilfen in Heilbronn ein neues Wohnmodell etabliert, von dem Studierende mit schmalem Geldbeutel und Hilfsbedürftige profitieren: die Inklusions-WGs.

Es ist 2013, als Philipp Kionka und sein Freund und Geschäftspartner Samuel Feimer das erste Altbau-Gebäude in Heilbronn kaufen, sanieren und dann als Studenten-WG vermieten. Das Projekt „Wohnraum Heilbronn“ der beiden Heilbronner Unternehmer war geboren. Philipp erinnert sich: „Samuel hatte damals sein Bauingenieur-Studium beendet und Lust auf ein eigenes Projekt. Auch ich hatte schon immer ein Faible für Altbauten, von denen es in Heilbronn leider nicht mehr so viele gibt. Zusammen kamen wir auf die Idee mit den Altbau-WGs.“ Mittlerweile vermieten Samuel und Philipp 14 Wohnungen in neun Altbauten.

Im Mai 2015 hält Philipp einen Vortrag an der Veranstaltung „Wohnungspolitik in Stadt und Land“ des SPD-Kreisverbands Heilbronn-Stadt. Dort waren auch Mitarbeiter der Offenen Hilfen geladen. „Nach dem Vortrag haben wir uns unterhalten und kamen auf die Idee, es mit Inklusions-WGs bei uns in Heilbronn zu versuchen. Wir haben diese Wohnungsformen in anderen Städten besichtigt. Ich war total begeistert.“

So funktioniert’s

Was steckt hinter dem Wohnkonzept ‚Inklusions-WG‘? In den 4er-WGs wohnen zwei Menschen mit leichtem geistigem Handicap zusammen mit zwei Menschen ohne Handicap. Ziel ist es, einen normalen Alltag zu ermöglichen und in tägliche Routinen einzubeziehen. Die Bewohner ohne Handicap unterstützen sechs bis sieben Stunden pro Woche ihre Mitbewohner bei alltäglichen Dingen: zusammen kochen, in den Park gehen oder den Wocheneinkauf erledigen. Pflegeaufgaben gehören nicht dazu – dafür sind Pflegekräfte zuständig. Die zeitliche Einteilung regeln die Bewohner mit den Offenen Hilfen.

Im Gegenzug bekommen die Bewohner ohne Handicap eine Aufwandentschädigung, die mit der Miete verrechnet wird. Sie zahlen noch die Nebenkosten – mehr nicht. Das gute Karma und Pluspunkte im Lebenslauf gibt es kostenlos dazu.

Etwas an die Gesellschaft zurückgeben

Die Versuchsmodelle der beiden 2016 und 2017 eröffneten WGs sind ein voller Erfolg. Zukünftig sollen noch weitere in Heilbronn entstehen. Philipp und Samuel suchen nach passenden Wohnungen, denn nicht alle Wohnungen eignen sich für den Ausbau zur Inklusions-WG. Aktuell entsteht ein größeres Inklusionswohnprojekt der Offenen Hilfen am Südbahnhof.

„Ich würde mich freuen, wenn mehr Vermieter offener wären gegenüber dieser Wohnform“, sagt Philipp. „In vielen Häusern stehen Wohnungen leer oder es wohnt nur eine Person im Haus. Es wäre doch super, wenn noch mehr neue Wohnkonzepte entstehen, zum Beispiel mit Studenten und älteren Menschen.“ Das Potenzial für Misch-WGs und Alters-WGs sei vorhanden.

Wer kann mitmachen?

Jeder kann sich für ein Zimmer in einer der zwei Inklusions-WGs bei den Offenen Hilfen bewerben. Der Verein wählt die Mieter aus. Professionelle Kenntnisse im pflegerischen oder pädagogischen Bereich sind nicht nötig.

 

 

Die Offenen Hilfen Heilbronn e.V. möchte Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien dabei unterstützen, in allen Bereichen ihres Lebens am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ein Projekt sind die zwei angebotenen Inklusions-WGs in Heilbronn in Kooperation mit „Wohnraum Heilbronn“.

Weitere Informationen gibt es unter www.oh-heilbronn.de oder unter www.wohnraum-heilbronn.de

 

 

Text: Katharina Bormann, Fotos: privat