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Irre Sprünge mit dem Rad

6. Februar 2018 – Wenn Du Dich auf dein Fahrrad schwingst, dann, um zu radeln. Heiko Lehmann springt. Der Maschinenbau-Student der Hochschule Heilbronn schafft es aus dem Stand auf eine 1,30 Meter hohe Mauer, von dort aus auf die gut 2,50 Meter entfernte zweite Mauer.

Falls Du das auch ausprobieren willst – Heikos Fahrrad ist ein sieben Kilogramm Leichtgewicht aus Aluminium, manche sind auch aus Carbon, ohne Sattel und 20-Zoll-Rädern. Kostenpunkt? Zwischen 500 und 2500 Euro. 

Siebter der Weltrangliste

Dieser Sport nennt sich Trial. Ziel ist, mit dem Fahrrad über Hindernisse zu springen, ohne dabei abzusteigen – zum Beispiel über größere Steine, Felsen, Holzpaletten oder Treppen. Heiko: „Was mich fasziniert: Hindernisse, die im ersten Augenblick unmöglich erscheinen, irgendwann mit viel Training zu schaffen.“ Mit dem Bürgersteig fange man an, durch regelmäßiges Üben steigere man sich schnell bei Sprunghöhe und Entfernung. Stelle, Position, Winkel – jedes einzelne Detail ist exakt geplant, ehe er zum Sprung ansetzt.

Als 13-Jähriger steigt Heiko in den Sport ein, nachdem er zuvor viel Mountainbiken war. Mit 17 gehört Heiko zu den Profis in der Trialszene: Zwischen 2008 und 2013 startet er jedes Jahr bei der Deutschen Meisterschaft, Europa- und Weltmeisterschaft. Sein größter Erfolg: 2009 ist Heiko siebter der Weltrangliste der Junioren.

Selbsteinschätzung wichtiger als Mut

Sprünge mit dem Rad zwischen meterhohen Felsvorsprüngen – schnell denkt man an schwere Stürze und gebrochene Knochen. Heiko winkt ab. „Blaue Flecken, Prellungen, mal einen verstauchten Knöchel, das kommt vor. Schlimme Verletzungen hatte ich noch nie.“ Das Wichtigste bei Trial, sagt er, ist eine realistische Selbsteinschätzung. Mut alleine sei nicht das Cleverste. „Wenn ich knapp drei Meter von einem Felsen zum anderen springe, habe ich das zuvor schon hunderte Male in der Halle mit aufgebauten Paletten geübt.“ Er weiß sicher, was er kann – und was er besser sein lässt. „Was nützt es mir, wenn ich für einen extra-hohen Sprung allen Mut zusammennehme und danach sechs Wochen im Krankenhaus liege?“

Während seines Maschinenbau-Studiums reist Heiko für zwei Auslandssemester nach Australien. Sein Trial-Rad ist stets mit im Gepäck. „Sportlich gibt es dort ganz neue Herausforderungen: Felsvorsprünge am Meer oder riesige Steine im Outback“, sagt er. Sein halbes Leben springt Heiko nun schon über größere und kleinere Hindernisse, manche Sprünge übt er jahrelang, bis sie sitzen. Kein Wunder, dass diese Disziplin auch auf andere Lebensbereiche abfärbt. „Von meinen sportlichen Erfolgen weiß ich, dass es sich lohnt, dranzubleiben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Davon habe ich im Studium viel profitiert.“

 

Text: Sarah Arweiler, Fotos und Video: privat