Science Fiction in der modernen Arbeitswelt | hochschulenhoch3

Science Fiction in der modernen Arbeitswelt

14. Dezember 2016 – Zugegeben: Auf dem Kopf sitzend sieht sie etwas klobig aus. Doch per Fingertip in der Luft öffnet die Microsoft-Datenbrille Hololens ihrem Träger eine neue Welt: Zwei Displays im Sehfeld überlagern 3D-Projektionen über reale Objekte in der Umgebung. Sie lassen sich bewegen und bearbeiten – wie in Science Fiction-Filmen. Man spricht von Augmented Reality (AR), also einer erweiterten Wirklichkeit.

Die Hochschule Heilbronn schaffte sich vergangenen Sommer die Hololens für Forschungszwecke im Bereich Mensch-Computer-Interaktion an. Professor Gerrit Meixner erklärt: „Diese Datenbrillen sind zur Zeit der neueste Trend im Bereich der Wearables, also Computer, die während der Anwendung am Körper getragen werden.“ Microsoft biete mit der Hololens-Brille aktuell die neueste Technologie in diesem Bereich. Google hat mit der Google Glass auch eine AR-Brille auf dem Markt. Sie kann Informationen aber nur in das rechte Sehfeld einblenden.

Arbeitswelt der Zukunft

Das Potenzial für AR-Datenbrillen in der Industrie 4.0 ist enorm: Jürgen Lumera von Bosch sprach als Referent auf dem Technologieforum im November an der HHN von Augmented Reality als das effizienteste Werkzeug, um Informationen zu liefern oder auszutauschen. Man denke nur an einen Einsatz in der Fernwartung. Mögliches Szenario: Ein Mitarbeiter im Ausland betrachtet mit der AR-Brille eine Maschine – was er sieht, sehen auch Techniker auf einem Tablet in Deutschland. Sie notieren ihrem Kollegen Arbeitsanweisungen an Maschinenteilen. In Echtzeit werden dem Mitarbeiter vor Ort die Notizen in die Projektion seiner Brille eingeblendet – er legt gleich Hand an, während seine Kollegen in Deutschland ihn anleiten.

Weitere Einsatzbereiche sind im Bildungsbereich, in der Architektur oder in der Medizin: Die Projektionen auf der Brille dienen dem Chirurg als Röntgenbild, basierend auf Bilddaten von Kernspintomographen oder Ultraschallgeräten.

In den nächsten zwei bis fünf Jahren rechnet Meixner damit, dass neben Microsoft Hersteller wie Apple, Google, Intel, Samsung und Sony die Entwicklung vorantreiben. Vieles muss besser werden: Noch sind die Datenbrillen zu groß und vor allem zu schwer – nach einer Weile schmerzt die Nase. Außerdem sind die Akkus zu schwach, bei einem längeren Einsatz erwärmen sich die Kameras.  

Verbraucher müssen sich gedulden

Microsoft verkauft seit März 2016 seine AR-Brille an Entwickler in den USA und Kanada – seit Herbst für 3299 Euro auch in Teilen Europas, Australien und Neuseeland. Warum sollen nur Tüftler die Hololens erwerben? „Die Technologie ist noch nicht ausgereift, um sie für den Verbrauchermarkt zu öffnen – vom Preis mal abgesehen“, begründet Meixner. Diese Geräte seien nichts anderes als Kleinstcomputer. „Die Schwierigkeit besteht darin, fünf Kameras, einen Akku, einen Windows 10-PC und die Visualisierungstechnik in eine Brille zu packen.“ Bis die Datenbrillen für den Endverbraucher zur Verfügung stehen, wird es noch einige Jahre dauern.

 

Text: Sarah Arweiler, Foto und Video: Website Microsoft