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Kein weiterer Aufbau von Studienplätzen in der Region

28. September 2017 – Die Wissenschaftsministerin sagt Nein. Die Hochschulen in der Region-Heilbronn sollen nicht weiter wachsen. Den Forderungen von IHK Heilbronn-Franken und Dualer Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), am Campus Heilbronn 5000 Anfänger-Studienplätze zusätzlich anzubieten, erteilt Ministerin Theresia Bauer eine klare Absage. Wie überall in Baden-Württemberg sollen die Hochschulen auch in Heilbronn-Franken nach dem gewaltigen Ausbau bis 2016 ihr Studienangebot erst einmal konsolidieren. So antwortet die Ministerin auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Reinhold Gall und Rainer Hinderer.

Rasanter Ausbau in den vergangenen Jahren

Der Ausbau der vergangenen Jahre war überwältigend. 2004 hieß die Hochschule Heilbronn (HHN) gerade mal 636 Studienanfänger willkommen. Elf Auf- und Ausbaujahre später waren es am vergangenen Montag 1883 Anfänger an den HHN-Standorten in Heilbronn, Künzelsau und Schwäbisch Hall. Dort wurde 2004 noch um einen Hochschulstandort gerungen. Die DHBW startete in Heilbronn 2010 ohne schicke Bildungscampus-Gebäude mit 86 Erstsemestern, 2016 waren es 459 Anfänger. An die dualen Masterstudiengänge im Center of Advanced Studies war damals noch gar nicht zu denken, 2016 war die Zahl der Master-Anfänger schon auf 376 geklettert. Die German Graduate School hatte knapp 200 Studienanfänger im vergangenen Jahr. Auch Bad Mergentheim ist gewachsen, auf 195 Anfänger im Jahr 2016. Die Zahl der Studienplätze wurde fast verdoppelt, allein an der Hochschule Heilbronn studieren inzwischen mehr als 8500 junge Frauen und Männer.

Stabilisierung des Status quo

Theresia Bauer sieht die Entwicklung positiv. Nach dem massiven Ausbau der Studienplätze mit dem Programmen Hochschule 2012 und Master 2016 stehe jetzt für Region wie für das ganze Land vor allem die Verstetigung der neu geschaffenen Studienanfängerplätze im Vordergrund. So beteiligt sich ihr Ministerium an den Gesprächen über Schwäbisch Hall. Der Studienort ist bisher nur bis 2024 vertraglich gesichert. HHN und Raumschaft wollen den HHN-Standort Schwäbisch Hall dauerhaft installieren und ausbauen. Hier fordert Reinhold Gall von der Ministerin zeitnah Klarheit. Die Mitarbeiter und Professoren brauchen Planungssicherheit.

Kein weiterer Ausbau an der DHBW Heilbronn

Von konkreten Ausbauplänen der DHBW in Heilbronn weiß die Ministerin nichts, sie unterstützt sie auch nicht, verweist vielmehr darauf, dass nicht alle Anfängerkurse voll ausgelastet seien. Der Hochschulrat der Heilbronner DHBW hatte im Sommer weitere zehn Anfängerkurse – bisher sind es 15 – gefordert. Gedacht ist an Studiengänge, die sich mit Digitalisierung befassen, auch an eine Erweiterung des Studiengangs Food Management. SPD-Abgeordneter Rainer Hinderer hofft auf ein Umdenken der Ministerin. Das Thema Digitalisierung ergänzt seiner Ansicht nach das Angebot der Heilbronner Hochschulen optimal.

Wenn sich indes die Nachfrage ändere, kann sich die Ministerin vorstellen, dass Studienplätze umgewidmet oder verschoben werden. Das liege in der Verantwortung der jeweiligen Hochschule.

Konkurrenz bei technischen Studiengängen vermeiden

Sorgen der Konkurrenz, die DHBW wolle in Heilbronn Technikstudiengänge einrichten, entkräftet Bauer. Die DHBW achte darauf, dass „durch das Angebot eines Standortes keine Schwächung eines anderen Standortes erfolgt“. Der Ministerrat hat zudem festgelegt, „dass die Standorte Mosbach und Heilbronn unter dem Dach der DHBW jeweils eigene, sich nicht überschneidende Profile anbieten und weiterentwickeln“. So hat auch die HHN keine DHBW-Technik in Heilbronn zu fürchten.

 

Text: Gertrud Schubert, Foto: Archiv