Internationalität und Top-Lehre für Heilbronn | hochschulenhoch3

Jetzt ist die Stadt Heilbronn ein Uni-Standort

8. Februar 2018 – Die Verträge sind unterschrieben, seit gestern ist es offiziell: Die Technische Universität München (TUM) wird mit ihrer TUM School of Management auf den Heilbronner Bildungscampus ziehen. Das alles wird möglich durch die Stiftung von Dieter Schwarz, wodurch die Studienstadt Heilbronn im Bereich Bildung und Wissenschaft in eine neue Liga vorstößt.

Studieren an der TUM

Zwei englischsprachige Masterprogramme legt die TUM als Erstes auf: Management, für besonders qualifizierte Bachelor-Absolventen aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften, und ein weiterbildendes Masterstudium Management und Innovation. Für letzteres werden Gebühren erhoben.

Insgesamt werden zum Wintersemester im Oktober 65 Studierende zugelassen. Ab sofort kann man sich bewerben. Die ersten fünf bis sieben Professorenstellen für Heilbronn sollen ebenfalls rasch ausgeschrieben werden. In den nächsten anderthalb Jahren werden 13 Professoren für Heilbronn und sieben für den Münchner Standort der TUM School of Management eingestellt. Dazu kommt in Heilbronn eine dreistellige Anzahl von Mitarbeitern in Verwaltung, Lehre und Forschung. Zurzeit arbeiten an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der TUM 36 Professoren, mit Heilbronn wird die TUM School of Management die mit Abstand größte BWL-Fakultät in Deutschland.

Der TUM-BWL-Master made in Heilbronn geht 2019 mit 150 Studierenden an den Start. Im zweiten Studienjahr bekommen die Studenten in Garching technisches Knowhow, im dritten Jahr sind sie zu Projektarbeiten in Betrieben vor Ort wieder in Heilbronn. Zwei weitere Masterangebote sind in Planung. Der Aufbau ist auf sieben Jahre angelegt.

Bis Heilbronn eine Universitätsstadt im eigentlichen Sinne ist, dauert es noch. Neben den tollen Bauten, die nach und nach auf dem Bildungscampus dazukommen, müssen auch die studentischen Strukturen mitwachsen – ein Studentenleben auch außerhalb des Hörsaals muss sich erst noch entwickeln.

Hotspot für spätere Führungskräfte

Heilbronn ist als neues TUM-Standbein künftig nicht nur Uni-Standort, sondern Studienplatz-Hotspot für spätere Führungskräfte in vielen mittelständischen Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken. Diese Familienbetriebe und oft Weltmarktführer in ihrem Bereich haben besondere Herausforderungen - vor allem durch die Digitalisierung, wie Professor Gunther Friedl, Dekan der TUM School of Management, anlässlich der Vertragsunterzeichnung erklärte. Er freut sich auf den neuen Standort, der inhaltlich die Themenbereiche "Wandel durch Digitalisierung", "Familienunternehmen" und "Unternehmensgründungen" voranbringen soll.

Keine gekaufte Lehre

"Es ist auch ein schöner Tag für uns", sagte der Präsident der TUM, Professor Wolfgang Herrmann. Die TUM baue ihr Portfolio weiter aus, und zwar in einer Region mit einer "High-Tech-Dichte, die man in dieser Form kein zweites Mal in Europa im Mittelstand so findet". Beim Pressegespräch ging der Uni-Präsident auf den immer wieder in der Öffentlichkeit kolportierten Verdacht ein, Dieter Schwarz kaufe sich Professoren zusammen und rede - wegen der gewaltigen Summe - bei Forschung und Lehre rein. "Ja, das ist saumäßig viel Geld, aber ich könnte sagen: Geld hat man hier, da spricht man nicht drüber. Die Dieter-Schwarz-Stiftung hat nicht einmal versucht, auch nur im Geringsten Einfluss zu nehmen. Wir wollen das Vertrauen rechtfertigen durch gute Arbeit."

Freiheit der Forschung

Über die Inhalte des Vertrags wurde Stillschweigen vereinbart. Renommierte Kanzleien haben an der detaillierten Stiftungsvereinbarung mitgearbeitet, die sich auch dem verbindlichen "TUM Fundraising Code of Conduct" verpflichtet, also einer Selbstverpflichtung in Sachen Compliance-Regeln. Auf die vom Grundgesetz garantierte Freiheit von Forschung und Lehre baue der ganze Vertrag auf, versichert Herrmann: "Wir wollen Top-Professoren holen. Die lassen sich sowieso nicht reinreden, sonst kommen die gar nicht." Der Vertrag regelt auch, dass das TUM-Logo künftig das Hochhaus auf dem Bildungscampus ziert. Dort wird die School of Management einziehen.

Oberbürgermeister Harry Mergel spricht von einem "historischen Augenblick". Er möchte am liebsten gleich am Stadtschild das Wort "Universität" anbringen. Er versprach, dass die Stadt auch beim Wohnen die Rahmenbedingungen für weitere Studenten und Mitarbeiter schaffen werde. "Ich bin überzeugt, dass wir hier liefern werden."

 

Text: Christian Klose/Gertrud Schubert, Foto: Dieter Schwarz-Stiftung, Karte: Heilbronner Stimme