Hausmeister aus Wohnheimen plaudern aus | hochschulenhoch3

Hausmeister aus Wohnheimen plaudern aus

12. Janaur 2017 – Wir treffen sie beim Einzug ins Wohnheim, später wieder beim Auszug. Sonst haben wir mit den Hausmeistern eher selten etwas zu tun. Es sei denn, der Wasserhahn tropft, die Zimmerlampe geht nicht oder der Siphon ist verstopft. Bei ihrer Arbeit haben sie viel gesehen, viel erlebt. Für uns plauderten sie aus dem Nähkästchen.

Klaus Schuh ist Hausmeister in den Wohnheimen wgOne, wgTwo und WGDrei in der Paulinenstraße in Heilbronn. Er bezeichnet sich selbst als Allroundmanager für insgesamt 94 Wohngemeinschaften. Er ist für  Besichtigungstermine zuständig, für die Zimmer- und Schlüsselübergabe, die Instandhaltung der Gebäude, er kassiert die Kautionen, schreibt Abnahmeprotokolle und ist Ansprechpartner für die Putzkolonnen.

Blitzblank sauber

Seit zehn Jahren schaut Karl-Heinz Braun in den Wohnheimen Schloss 8 und 11 in Bad Mergentheim nach dem Rechten. Er wirft regelmäßig einen Blick in die Gemeinschaftsküche, ob es dort aufgeräumt und sauber ist und der Mülleimer nicht überläuft, regelt den Ein- und Auszug, die Untervermietungen und ist für kleinere Reparaturen im Haus zuständig.

„Wenn die Küche chaotisch und verdreckt ist, nehme ich dort die Sicherung raus und hänge einen Zettel auf: ‚Aufräumen, putzen. Dann habt ihr wieder Strom.‘ Wenn die Studenten fertig sind mit Putzen, rufen sie mich an und sagen Bescheid, dann mache ich die Sicherung wieder rein. Einmal war es so, da haben sie mich angerufen und gesagt: ‚Alles ist sauber. Sie können den Strom wieder einschalten.‘ Ich war irritiert. Ich hatte gar keinen Zettel in die Küche gehängt. Als ich nachschaute, stellte ich fest, dass die Herdplatte kaputt war. Dafür war die Küche so gründlich geputzt – man hätte vom Boden essen können.“

Zu heiß geduscht

„Eine Studentin rief mich an und sagte, wenn sie aus der Dusche rauskommt, geht immer das Licht aus. Ich habe bei ihr im Bad nachgeschaut: der FI-Schalter (Fehlerstrom-Schutzschalter, Anmerkung der Redaktion) war raus. Da ich nicht die Ursache fand, habe ich einen Elektriker kommen lassen. Der konnte auch keinen Fehler finden. Doch die Studentin sagte, dass es immer wieder passiert. Ich konnte mir das nicht erklären. Einmal rief sie wieder spät abends an. Da ich zufällig noch im Haus war, lief ich sofort in ihr Apartment, um nachzuschauen. Das Bad war voller Wasserdampf und das Fenster geschlossen. Ich konnte fast nichts sehen. Offensichtlich hatte sie längere Zeit so heiß geduscht, dass der Schalter von selbst raussprang – eine Schutzvorkehrung, ehe es durch die Feuchtigkeit einen Kurzschluss gibt.“   


Feuerwehr rückt aus

Helga Englert ist Hausmeisterin in den Wohnheimen RobertA und PaulA in Heilbronn. Sie ist mit ihren Kollegen für 186 Apartments zuständig: Sie reinigen die Gebäude, pflegen die Gärten, machen kleinere Reparaturen und räumen im Winter den Schnee.

„In RobertA hat ein Student oben im Gemeinschaftsraum seinen Geburtstag gefeiert. Ein Gast hatte eine Nebelmaschine dabei und sie auch gleich eingeschaltet. Im geschlossenen Raum – keine gute Idee. Hier im Wohnheim gibt es eine Direktleitung zur Feuerwehr. Wenn ein Rauchmelder angeht, rücken sie aus. Der Gastgeber hatte wohl noch versucht, über die Polizei den Fehlalarm zu melden. Da war es schon zu spät: Zwei Feuerwehrfahrzeuge standen vor der Tür. Die anderen Bewohner nahmen es gelassen.“

Niemand da

„Vor Kurzem rief mich um 1 Uhr nachts ein Bewohner aus Apartment 101 an: Er habe keinen Strom mehr. Beim Teekochen war es ihm aufgefallen. Er sagte, er brauche dringend Strom für seinen Laptop. Morgen hätte er eine wichtige Prüfung, für die er die ganze Nacht lernen wollte. Der Student klang sehr verzweifelt und bat mich, noch in der Nacht vorbei zu kommen. Also stand ich auf, fuhr ins PaulA und klopfte bei 101. Niemand öffnete. Ich wartete eine Weile, klopfte wieder. Es tat sich nichts. Daraufhin habe ich ihn angerufen. Der Student sagte, er stehe vor der Tür und warte. In diesem Moment wurde uns beiden klar, dass er in der RobertA Nummer 101 stand, ich war in der PaulA Nummer 101.“  


Feuerwehr rückt aus

„Ich erinnere mich noch gut an die Erstvermietung des WGOne 2015. Damals wohnten in sieben WG‘s spanische Austauschstudenten. Sie hatten einen anderen Tagesrhythmus. Am Nachmittag waren sie sehr ruhig, nachts wurden sie aktiv: Es wurde gekocht, getrunken und Partys gefeiert. Da gab es viele Ermahnungen. Später hat es dann geklappt.“

„Einmal hat sich ein Student nachts eine Pizza in den Backofen geschoben und sie dann vergessen – vielleicht ist er selbst wieder eingeschlafen. Die Folge: Der Feuermelder ging an, die anderen Mitbewohner rannten raus auf die Straße, innerhalb von Minuten rückte die Feuerwehr aus. Das war ihm natürlich sehr unangenehm.“

„Eine DHBW-Studentin studierte im B-Zyklus und sie suchte einen Untermieter im A-Zyklus für ihr WG-Zimmer. Als sich ein Student bei ihr vorstellte, war die Überraschung groß: Die beiden kannten sich aus dem Kindergarten.“

Text und Foto: Sarah Arweiler, Bild: Fotolia