Direkter Draht ins Berufsleben | hochschulenhoch3

Direkter Draht ins Berufsleben

Wäre alles anders gekommen? Als die beruflich erfolgreichen Akademikerinnen vor vielen Jahren erste behutsame Schritte auf ihrer Karriereleiter machten, war keiner, der ihnen sagte, welche Sprossen sie vielleicht auslassen und wo sie die Leiter anstellen können. Seilschaften bildeten nur die Männer – selbstverständlich für männlichen Nachwuchs. Jetzt bauen Karrierefrauen den Studentinnen der Hochschule Heilbronn (HHN) Brücken ins Berufsleben. Das Projekt WoMent2 macht junge Frauen fit für einen selbstbewussten Start ins Berufsleben. 

Unterstützung 

WoMent2 steht für ein Frauen- und Mentorinnenprogramm. Die hochgestellte Zwei bedeutet, dass es schon zum zweiten Mal aufgelegt wurde. Ein Jahr lang stehen 32 Studentinnen in engem persönlichen Kontakt zu Mentorinnen, die in ihrem möglichen Berufsfeld arbeiten. Sie bekommen Einblick in deren Arbeitswelt und erfahren viel über den Werdegang ihrer Tandempartnerin. An Tipps für den letzten Part ihres Studiums und für den Übergang ins Berufsleben wird nicht gespart. "Wenn ich das nur auch gehabt hätte“, werden viele Akademikerinnen aufseufzen, wenn sie von dem Projekt hören.

Zur persönlichen Begleitung kommen auch Workshops für die Mentees genannten Studentinnen: "Ich mach mich stark“, heißt das Selbstbewusstseinstraining, das am Anfang steht. Sie üben Kommunikation, Führung und Verhandlung. 

Führungsposition 

"Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mentorin“, sagt Paula Bernd (26). In Künzelsau setzt sie gerade den Master in Kultur-, Freizeit- und Sportmanagement auf ihr BWL-Bachelor-Studium. Michaela Ruof (40) öffnete ihr die Tür in ihr Büro und das Tor zur Bundesgartenschau in Heilbronn. So bekam "ihre Studentin“ Infos aus erster Hand über das Buga-Veranstaltungsmanagement. Paula Bernd ist beeindruckt: "Die Arbeit ist super spannend.“ Ihre Mentorin leitet das bald von fünf auf acht Personen wachsende Team, das sämtliche Buga-Events der Sparte Kultur und Veranstaltungen auf die Beine stellt. Schon vor der Auftaktveranstaltung im vergangenen November hat sich das Tandem in einem Café getroffen und gegenseitig Erwartungen formuliert. Paula Bernd etwa erhofft sich eine Führungsposition: "Mit dem Masterabschluss will ich nicht auf den unteren Etagen hängen bleiben.“

Anfangs gingen zwischen den beiden Frauen zahllose E-Mails hin und her. Mit dem Du stellten sie auf WhatsApp um. Das war ausgesprochen praktisch, als Paula Bernd mit ihren Masterkollegen einen Architektur-Kongress organisieren musste. Sie hatte eine inspirierende Mitdenkerin aus der Praxis.

Auch Michaela Ruof schätzt ihren Part als Mentorin. Sie hat sich seinerzeit zwischen Sport und Diplom-Verwaltungswissenschaft (FH) entschieden, Kultur-, Freizeit- und Sportmanagement à la Künzelsau gab es noch gar nicht. Gern lässt sie sich vom Studieren berichten, schließlich stammen auch einige ihrer Buga-Kollegen aus der Künzelsauer BWLer-Schmiede. Während ihres Studiums war Michaela Ruof auch auf Schnupperlehre in diversen Stadtverwaltungen, als Mentorin kann sie jetzt selber Erfahrung weitergeben.

Breites Firmenspektrum

Maren Haag, die im Gleichstellungsbüro der HHN für WoMent2 die Fäden zusammenhält, sucht für jede Studentin die passende Mentorin – oder auch einen Mentor, neun Männer sind an dem Projekt beteiligt. Das Firmenspektrum, das sie vertreten, reicht von Audi bis Würth, Hansgrohe, Daimler, Lufthansa und Thomas Cook und andere sind dabei. 

24 der derzeit 32 Mentees studieren Betriebswirtschaft. Nur eine Technik-Studentin und sieben künftige Informatikerinnen sind dabei. Haag erklärt das mit dem Studentinnenanteil in den Studiengängen. Auch seien für Studentinnen aus Technik und Informatik die Karrierechancen an sich schon sehr gut.

 

Text: Gertrud Schubert, Fotos: Gertrud Schubert / privat