Puerto Rico: Studium unter Palmen | hochschulenhoch3

Studium unter Palmen: Von Sonne, Strand und Salsa

4. Oktober 2017 – Puerto Rico, die „Isla des Encanto“, erlangte vor Kurzem traurige Bekanntheit durch die Hurrikane „Irma“ und besonders „Maria“, die die Insel in großen Teilen verwüsteten. Katharina Bormann verbrachte Anfang 2016 ihr Auslandssemester in der Hauptstadt San Juan. Hochschulenhoch3 berichtet sie über ihre Erfahrungen auf der Karibikinsel.

Auf zu neuen Ufern

In ein spanischsprachiges Land, aber nicht nach Spanien – das war mein Wunsch, als es ein Jahr zuvor darum ging, wo es hingehen sollte. Da zu dieser Zeit die Plätze in Argentinien und Uruguay begrenzt waren, schlug mir meine Spanischdozentin vor, als First Mover ein Semester an einer neuen Partnerhochschule zu verbringen: der Universidad del Sagrado Corazón auf Puerto Rico. Die Insel ist Teil der großen Antillen und befindet sich im Karibischen Meer, zwischen der Hispanola (Haiti und Dominikanische Republik) und den Jungferninseln.

Als offizielles Außengebiet der USA sind das Bildungssystem die Währung amerikanisch. Die Kultur ist von karibischen Einflüssen geprägt. Die Insel ist bekannt für ihre landestypische Musik, dem Salsa und Reggae, ihrem Essen wie das „Arroz con habichuelas“, ein Reisgericht mit Bohnen oder Kochbananen, die „Mofongo“ heißen und – nicht zu vergessen – dem „Coquí“, ein kleiner Frosch mit markantem Lockruf.

Andere Länder, andere Sitten

Da ich mich an keine Erfahrungen von Vorgängern orientieren konnte und 2016 als einzige Studentin an die Partnerhochschule auf Puerto Rico ging, war der Organisationsaufwand entsprechend groß. Alle Prozesse wurden über das Konsulat und die Universität abgewickelt, zum Beispiel auch die Beantragung des Visums in Frankfurt. Das brachte eine Menge Papierkram mit sich.

Auf der Insel angekommen, machte ich mich als erstes auf die Suche nach einer Wohnung. Aber: Auf welchen Portalen sollte ich nach Inseraten suchen? Entsprechend fiel meine Wahl auf ein Wohnung im Mädchenwohnheim auf dem Campusgelände,. Ich teilte sie mir mit meiner puerto-ricanischen Mitbewohnerin Nakisha. Das Gebäude war etwas in die Jahre gekommen, die Zimmer sehr sporadisch eingerichtet. Stets auf 15 Grad heruntergekühlten Räume bei einer Außentemperatur von über 30°C – meine Erkältung gleich zu Beginn war quasi vorprogrammiert.

Die Universität liegt nur 15 Minuten Fußweg vom Strand entfernt mit weißen Strand und türkisfarbenem Meer – typisch für die Karibik. In den Kursen musste ich mich auf andere Gepflogenheiten einstellen, als ich sie von der Hochschule Heilbronn kannte: Teilweise macht die Anwesenheit bis zu 20 Prozent der Note aus. Wöchentlich stehen Hausaufgaben, kleine Tests und Präsentationen auf dem Plan. Die Klausuren bestehen fast ausschließlich aus Multiple Choice-Fragen – kein Vergleich zu den deutschen Prüfungen.

Da ich nur Kurse mit einheimischen Studenten gewählt hatte, gab es hin und wieder kleine Verständigungsprobleme. Das Spanisch der „Boriquén“, wie sich die Einheimischen nennen, unterscheidet sich sehr von dem Kastellan aus dem Spanischunterricht. Zu Kommilitonen Kontakte zu knüpfen war nicht leicht, da viele von ihnen täglich zum Unterricht pendeln und am Wochenende zurück in ihre Heimatstädte reisen. So blieben die wenigen international Studierenden oft unter sich.

Auf Erkundungstour

Neben den Hausaufgaben und Prüfungen blieb noch Zeit, um die wunderschöne Insel zu erkunden. Ich war auf eigene Faust unterwegs oder nutzte die studentische Organisation Bais, die zusammen mit der University of Puerto Rico Ausflüge organisierte. Ich besuchte den Regenwald „El Yunque“, eine Kaffeeplantage in Yauco, die Insel Vieques, eine Siedlung der Ureinwohner. Mit einigen Kommilitonen machte ich mich auf den Weg nach Mayagüez im Westen der Insel zu den „Justas“, einer Art Olympiade zwischen den Universitäten.

Die Hauptstadt San Juan beeindruckte mich: Ob die kunterbunten Kolonialbauten in der Altstadt, die an Havanna erinnern, die Festung „El Morro“ aus dem 16. Jahrhundert, die Bacardi-Distillerie oder die endlosen Strände rund um die Insel.

Die Lebenshaltungskosten in Puerto Rico sind im Vergleich zu Deutschland hoch. Ob bei Mietwägen oder Lebensmitteln, insbesondere bei Obst und Gemüse – man muss tief in die Tasche greifen. Fünf Dollar für eine Paprika ist keine Seltenheit.Trotz aller Schwierigkeiten, denen ich als First Mover gegenüberstand, habe ich meine Zeit in der Karibik sehr genossen. Die Lebensfreude der Menschen, die Musik und das Essen der puerto-ricanischen Kultur haben es mir angetan. Ich werde heute noch ein bisschen wehmütig, wenn ich mich an meine Zeit auf der Insel zurück erinnere. Wer also nach einem Studium unter Palmen und mit spannender Kultur sucht, der ist auf Puerto Rico richtig.

 

Fotos: privat