Eva Gilbert | hochschulenhoch3

Alumni berichten von ihrer Karriere

Eva Gilbert, 32, hat an der Hochschule Heilbronn Verfahrens- und Umwelttechnik studiert. Heute ist sie Assistentin der Geschäftsleitung von Enviro Chemie.

Ihr wissenschaftlicher Weg ist außergewöhnlich. Außergewöhnlich deshalb, weil Eva Gilbert einen Doktortitel erlangt hat - obwohl ihre erste weiterführende Schule die Hauptschule war. "Ich bin einen untypischen Weg gegangen", sagt sie selbst. Gilbert hat es aus eigener Kraft geschafft, von der Hauptschule auf die Realschule zu wechseln. Nach dem Abschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin. Die Arbeit in einer Baumschule hat ihr zwar viel Spaß gemacht, aber: "Erst dann habe ich mir überlegt, was mir noch liegen könnte", sagt die 31-Jährige. Mit der Ausbildung in der Tasche stand ihr der Weg zu einem Studium an einer Fachhochschule frei.

Nicht mehr jeden Tag in der Natur

Dafür entschied sie sich dann auch: Sie begann an der Hochschule Heilbronn (HHN) den Schwerpunkt Verfahrens- und Umwelttechnik zu studieren. "Ich habe auch während dem Studium in der Baumschule gearbeitet. Es war die größte Hürde für mich, nicht mehr jeden Tag draußen in der Natur sein zu können", berichtet Gilbert. Sie blieb im Studium ihrem Thema Umwelt und Natur treu. Eine erste Studienarbeit behandelte das Thema der biologischen Abwasserbehandlung. Ihr Praxissemester verbrachte sie im US-Staat Kalifornien - eine wasserarme Region, die auf Wasseraufbereitung nicht verzichten kann.

"Ein Professor an der Hochschule hat mir nach meiner Bachelor-Arbeit gesagt, dass ich den Master machen werde und dann den Doktor", erinnert sich Gilbert. Er sollte Recht behalten: Gilbert zog es zum Masterstudium an die Technische Universität in München. "Das Universitätsleben war etwas Abstraktes für mich. Ich wollte die andere Lernweise im Vergleich zur Fachhochschule kennenlernen", schildert Gilbert. Der Schwerpunkt sei auch an der Universität von Anfang an klar gewesen - Abwasserbehandlung und Gewässerkunde sowie Abfallbehandlung.

Im ersten Semester Thema gefunden

"Ich habe gleich im ersten Semester meines Studiums mein Thema gefunden als ich eine Seminararbeit zur Wasseraufbereitung in Katastrophengebieten bearbeitet habe", berichtet sie. Zudem arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft und erforschte ihren Schwerpunkt. Die Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Professor des Lehrstuhls endete aber nicht mit ihrer Masterarbeit. "Als der Professor nach Karlsruhe berufen wurde, bin ich ihm gefolgt." Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erhielt sie ein Promotionsstipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. 

Abwasseraufbereitung

Bereits bevor Gilbert promoviert wurde, hatte sie Kontakt zu ihrem heutigen Arbeitgeber. "Es war ein fließender Übergang." Seit einem halben Jahr arbeitet sie nun bei Enviro Chemie in der Nähe von Darmstadt. Auch in ihrem heutigen Job dreht sich alles um Abwasseraufbereitungsanlagen. Gilbert ist Assistentin der Geschäftsleitung. Ihr Fachwissen sei wichtig, um alle Vorgänge im Unternehmen verstehen zu können. "Aber ich lerne auch viel Betriebswirtschaftliches", berichtet Gilbert.

Sie koordiniert zudem Ausbildungsthemen, leitet die IT-Abteilung und recherchiert viel. Wichtig sei ihr auch, den Nachwuchs zu fördern. "Ich leite ein Projekt, indem die Auszubildenden andere Abteilungen kennenlernen und sich einem Thema wie zum Beispiel Strömungsberechnung annehmen."

Gilberts Tipp für heutige Studenten: "Wer früh ein Thema für sich entdeckt, sollte sich daran festbeißen." Ansonsten sei der Bedarf an Absolventen der Verfahrens- und Umwelttechnik groß. "Überall auf der Welt werden Abwasseraufbereitungsanlagen gebaut. Meine Kommilitonen der Hochschule Heilbronn haben alle einen Job gefunden."

 

Text: Katharina Freundorfer