Charly Siegl | hochschulenhoch3

Alumni berichten von ihrer Karriere

Charly Siegl, 57, hat an der Hochschule Heilbronn Tourismusmanagement studiert und ist Unternehmensgründer der Erlebnistouren-Firma faszinatour.

Dieses Jahr wird das Unternehmen faszinatour 32 Jahre alt. Und seine Gründer, Charly Siegl und Werner Vetter, blicken gerne auf die Zeit in der Region Heilbronn-Franken zurück. Zwar arbeiten sie heute häufig im Allgäu, doch das Studium an der Hochschule Heilbronn, die Bekanntschaften vor Ort und auch die Studienzeit sind eng mit ihrer Geschichte verbunden. 

Alles fing an mit einer organisierten Skifahrt mit Kommilitonen: Siegl und sein Freund Vetter arbeiteten neben dem Studium als Skilehrer, Siegl machte kurzerhand einen Busführerschein und schon ging es von Heilbronn aus los - ab in die Berge. "Wir sind beide Outdoorfans und haben das im Studium bereits ausgelebt", schildert Siegl. Verdienten die Studienfreunde anfangs nur ein Taschengeld mit den Skiausfahrten, um die Kosten zu decken, bieten sie heute professionell organisierte Reisen an und leben davon.

Wie kam es zur Selbstständigkeit?

Die Idee, sich selbstständig zu machen, kam Siegl im Praxissemester im Jahr 1983 in Neuseeland. Skifahren in Christchurch, Wildwasser-Rafting in Queenstown - "Neuseeland und seine Freizeitaktivitäten war damals auch noch ein Geheimtipp. Rafting gab es zu dem Zeitpunkt in den Alpen noch nicht", sagt Siegl. Zurück in Deutschland erarbeitete Siegl ein Konzept, schrieb seine Diplomarbeit zum Thema Startup.

Eine große Herausforderung sei es gewesen, die Finanzierung zu klären. "Rafting war im Jahr 1985 in Deutschland noch unbekannt. Die Banken stellten sich anfangs quer, uns Geld für das Startkapital zu geben", erzählt Siegl. Umso stolzer sei er heute, dass "wir das Unternehmen zwar anfangs mithilfe unserer Eltern aber dann fast ausschließlich aus uns selbst entwickelt haben."

Durchbruch dank Zeitungsartikel

Ein Jahr später wurde die GmbH gegründet. Zu Beginn nahmen Freunde an ersten Raftingtouren teil. Die erste Saison folgte 1986 mit etwa 800 Kunden. In der zweiten Saison waren es bereits 2000 Bunchungen. "Ein Bericht in der Zeitschrift Revue war der Durchbruch für uns. Anfangs hatten wir noch fünf Boote, daraus wurden 30 Stück", sagt Siegl. Mundpropaganda, eifriger Einsatz auf Messen wie der CMT, eine Marketing-Kooperation sowie die Unterstützung durch Heilbronner Professoren habe zudem einen Teil des Erfolgs ausgemacht. "Der Kontakt zur Hochschule war immer da - wir haben bei Fragen viel Unterstützung erhalten."

Heute hat sich das Unternehmen weiter entwickelt: "Von der Masse zum Tiefgang - qualitativ hochwertiges wie Erlebnispädagogik, Firmenveranstaltungen, Teambuilding-Maßnahmen", beschreibt Siegl das erweiterte Angebot. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. "Unser Unternehmen hat sich nie nach dem Profit ausgerichtet, sondern unsere Begeisterung für Erlebnisse und Touren stand immer im Mittelpunkt", erzählt Siegl.

Scheitern mancher Ideen gehört dazu

Tipps für Studenten hat er auch: "Wer sich selbstständig machen will, sollte prüfen: Will ich das? Begeistert mich das?" Das Scheitern mancher Ideen gehöre auch dazu. "Snow-Rafting mit einem Bremsfallschirm war zum Beispiel etwas, das sich bei uns nicht durchgesetzt hat."

 

Text: Katharina Freundorfer