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Promotionen

Der Doktortitel „Made in Heilbronn“

Wer später in der Wissenschaft und Forschung arbeiten möchte, braucht den Doktortitel. Und auch für eine Karriere in leitenden Positionen öffnet er Türen: Rund die Hälfte der aktuellen Dax-Vorstände tragen ihn. Vielen ist jedoch nicht bekannt, dass eine Promotion – und damit die Spitzengraduierung in der akademischen Welt – inzwischen nicht nur an Universitäten durchgeführt werden kann. Zwar haben Fachhochschulen – oder Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, wie sie in Baden-Württemberg heißen und wie die Hochschule Heilbronn eine ist – kein eigenes Promotions- und Habilitationsrecht. Dieses bleibt auch nach dem Abschluss des Bologna-Prozesses den Universitäten vorbehalten. Dennoch gibt es an forschungsstarken Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ein berechtigtes Interesse an der Mitwirkung bei Promotionsverfahren. So können Professoren an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften bei Promotionen als Betreuer der Dissertation, Gutachter und Prüfer agieren. Dazu arbeiten die Hochschulen intensiv mit Universitäten zusammen und bieten sogenannte „kooperative Promotionen“ an, bei denen das Promotionsverfahren jedoch universitätsspezifisch bleibt.

In der Praxis bedeutet das, dass die Forschungstätigkeiten in Einrichtungen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften stattfinden und auch zumindest teilweise von dort ansässigen Professoren betreut werden. Auch ist zuvor eine Qualifizierungsphase zu durchlaufen. Die eigentliche Promotion (Prüfung der wissenschaftlichen Arbeit, offizielle Betreuung und die Verleihung des Doktorgrades) wird allerdings formal von Seiten der kooperierenden Universität geführt. Diese Möglichkeit, die so in den Landeshochschulgesetzen und Promotionsordungen verankert ist, wurde und wird inzwischen auch von einigen Graduierten der Hochschule Heilbronn wahrgenommen: 38 Absolventen tragen bereits ihren Doktortitel, 35 Doktoranden arbeiten aktuell an ihrer Promotion und können dazu zahlreiche Angebote der Hochschule – beispielsweise am Audi-Standort Neckarsulm – nutzen. Finanziell werden Promotionen an der Hochschule Heilbronn durch mindestens eine halbe Assistentenstelle gefördert, zusätzlich können Promotionsstipendien bei verschiedenen Stiftungen beantragt werden. Speziell für die Hochschule Heilbronn empfehlen sich die Thomas Gessmann-Stiftung (nur für Ingenieure) und die Gustav-Berger-Stiftung.

In Heidelberg promovieren, in Heilbronn forschen und arbeiten

Einer der künftigen Doktoren „Made in Heilbronn“ ist Dipl.-Inform. Med. Thomas Willert. Der 26-Jährige studierte Medizinische Informatik im Kooperationsstudiengang der Hochschule Heilbronn und der Universität Heidelberg. Seine Diplomarbeit zum Thema „Kostendeckungsanalysen unter den Bedingungen des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs in der Gesetzlichen Krankenversicherung“ wurde mit dem Wirtschaftsjuniorenpreis Heilbronn-Franken 2010 ausgezeichnet. Seit 2009 promoviert er formal an der Universität Heidelberg. Seine eigentliche Forschungsarbeit und die fachliche Arbeit absolviert Thomas Willert jedoch an der Hochschule Heilbronn im dort angesiedelten GECKO Institut für Medizin, Informatik und Ökonomie. Parallel arbeitet er mit einer halben Stelle als Assistent in der Lehre und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studiengang Medizinische Informatik und betreut Praktika sowie Übungen im Bereich von Krankenhausinformationssystemen und Geschäftsprozessmanagement. „Heilbronn bietet mir optimale Voraussetzungen, mich intensiv in meinem Fachgebiet einzubringen“, sagt Willert. „Meine Dissertation beschäftigt sich mit der langfristigen Prognose der regionalen Entwicklung von Risikostrukturen in Deutschland aus Sicht der Krankenkasse – dafür ist das GECKO Institut mit seiner integrierten PROSIT Disease Modelling Community, in dem ich ebenfalls tätig bin, das ideale Umfeld.“ Betreut wird Thomas Willert durch Prof. Dr. Wendelin Schramm, der auch Geschäftsführender Direktor des GECKO Instituts ist.

Struktur des GECKO Institut für Medizin, Informatik und Ökonomie an der Hochschule Heilbronn.
Grafik: HHN

Das GECKO Institut für Medizin, Informatik und Ökonomie

Seit 2007 besteht an der Hochschule das GECKO Institut für Medizin, Informatik und Ökonomie. Der Name steht für „Gesundheit, Computing, Kosten und Outcomes”. Die Einrichtung forscht und entwickelt an den Schnittstellen zwischen Medizin, Ökonomie und Informatik. Seit der Gründung wurden zahlreiche Projekte in Angriff genommen: Im Umfeld einer Initiative zur Open-Source Entwicklung von Erkrankungsmodellen beispielsweise konnten Studierende mit Studien- und Diplomarbeiten aktiv im Wissenschaftsbetrieb teilnehmen und ihre eigenen Ergebnisse auf nationalen Kongressen präsentieren. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des GECKO.