Mila - schnell, rot und heiß geliebt | hochschulenhoch3

Mila - schnell, rot und heiß geliebt

9. Juni 2017 – Es geht um große Gefühle. Es geht um eine Liebe, die rund 50 Studierende der Hochschule Heilbronn Blut, Schweiß und Tränen gekostet hat. Mila, schlank und schnittig − die Lady in Red − hat die Herzen von Elektroingenieuren, BWLlern, ITlern und sämtlichen Technikern im Sturm erobert.

Am Donnerstagabend haben die Studierenden ihren selbst konstruierten Rennwagen in der Aula in Sontheim enthüllt. Nachdem die Formula Students und Sponsoren das Tuch vom Flitzer gezogen haben, dürfte auch der Letzte wieder an die große Liebe glauben.

Beziehungskrisen

Gefunkt hat es zu Beginn des Wintersemesters. Seither arbeiten die Formula Students an ihrem HNR17. Wie jede Beziehung ist aber auch die mit Mila von Höhen und Tiefen geprägt. Projektleiter Simon Keller schildert die letzte Ernüchterung vom Tag vor der Enthüllung: "Wir sind zum Lackierer gefahren und haben dort festgestellt, dass das Auto weiß ist, nicht rot." Darauf folgt die fieberhafte Suche nach einem neuen Folierer, der Mila binnen drei Stunden die richtige Farbe verpasst.

Professor Karsten Witteck betreut die Formula Students in der dritten Saison. Er zeigt sich erleichtert darüber, dass die Studierenden 2017 mit einem robusten, vernünftig gebauten Wagen an den Start gehen. Die "Spinnereien" der letzten Jahre im Hinterkopf, sagt er über die technische Entwicklung: "Ich bin froh, dass ihr dem Rad gefolgt seid." Der Reihe nach treten die Baugruppenleiter in ihren weißen HHN-Racing-Hemden vor, um die Neuerungen zu präsentieren. Daniel Springer, zuständig für den Rahmen, ist stolz auf die Fertigung. Er sagt: "Das war wie Legospielen, so gut haben die Teile zusammengepasst." Zudem sei der Rahmen nun ein Kilogramm leichter als 2016.

Ferhat Karabacak spricht über ein "zukunftsweisendes Display" und das Lenkrad mit Griffstücken aus dem 3-D-Drucker. Schalten können die Fahrer dieses Jahr "supereinfach mit den Daumen".

Auch Pascal Henger und Kai Paeßler aus dem Motorenteam präsentieren Fortschritte: Es gibt zwei Einzylinder-Motoren mit je 500 Kubikzentimetern − einen im Wagen und den jungfräulichen auf dem Prüfstand.

Der Kühler befindet sich in Milas linkem Seitenflügel, den selbstgebauten Auspuff haben die Jungs im rechten Seitenflügel untergebracht, damit er vom Fahrtwind gekühlt wird. Aus dem Sechsganggetriebe wurde ein flexibleres mit vier Gängen. Die Kupplung ist mechanisch statt hydraulisch.

Der Gewinn

Die Arbeit im Team, interdisziplinäre Kommunikation, die Erfahrung, unter Druck zu arbeiten und Probleme zu lösen, Termine einzuhalten und nicht zuletzt Durchhaltevermögen. Das lernen die Studierenden durch dieses Projekt. Horst Rippel vom Hauptsponsor Ferchau bestätigt: "Formula Students sind definitiv attraktiver für die Industrie." Auch er fiebert seit Jahren mit und wünscht sich: "Mein Traum ist in zwei Jahren unter die Top Ten zu kommen."

Sechs Fahrer wurden bei Testrennen auf der Kartbahn in Bad Rappenau ausgewählt. Sie dürfen Mila im August in Österreich und auf dem Hockenheimring fahren. Christian Horn war 2016 Fahrer und kennt das Herzklopfen und den Jubel am Streckerand: "Wenn man voller Aufregung ins Auto steigt und zur Startlinie geschoben wird, steigt der Puls ins Unermessliche."


Text: Lisa Reiff, Foto: Maria Berger