Lecker-leichtes Lernen | hochschulenhoch3

Lecker-leichtes Lernen

8. Februar 2017 – Hochschulen für angewandte Wissenschaften werben gerne mit ihrer Praxisnähe. Einer, der das in Taten umsetzt, ist BWL-Professor Joachim Link. An der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau sorgte der umtriebige BWL-Professor mit einem Studiengangs-Joghurt dafür, dass seine Studierenden im Wahlpflichtfach „Aktuelle Fragen des Produkt- und Kundenmanagements“ ihr gelerntes Wissen unmittelbar auf eine praktische Fragestellung anwenden können, Produkte entwickeln und dabei den kompletten Produktions- und Marketingprozess durchspielen.

Vom Bier zum Joghurt

Der Bericht der Hohenloher Zeitung über das „Studiengangs-Bier“, das die Studierenden vergangenes Jahr in Zusammenarbeit mit der Distelhäuser Brauerei herstellten, veranlasste Sven Gruschka vom Milchhandwerk Marlach dazu, Professor Link zu kontaktieren. Er las den Artikel beim Frühstück und hatte die Idee, mit den Studierenden eigene Joghurtsorten zu kreieren.

Erst vor knapp zwei Jahren ist das Milchhandwerk Marlach, geführt durch seine Frau, Karin Reuther-Gruschka, in die Joghurtproduktion eingestiegen. Mittlerweile vertreiben sie die Produkte in acht Geschäften, vor allem in kleinen Dorfläden der Region. Außerdem kann man den Joghurt direkt vor Ort beim Milchhandwerk kaufen. „Wir haben uns ganz spontan zu der Aktion entschieden. Es macht Spaß, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten. Wir erhoffen uns ein Feedback von den angehenden Marketing-Fachkräften“, sagt Hobby-Milchhandwerker Gruschka, der hauptberuflich im Arbeitsschutz-Vertrieb tätig ist.

Was schmeckt der Zielgruppe?

„Beim Produkt-Entstehungsprozess waren wir sehr sportlich unterwegs“, erzählen Anja Klein (21) und Inga Pietsch (23). Beide studieren im vierten Semester Betriebswirtschaft, Marketing- und Medienmanagement. Vergangenen September kam der Kurs erstmals zusammen. Am 17. November, pünktlich zur Nacht der Hochschule, standen 160 Kilogramm Joghurt in rund 800 Bechern bereit.

Wie hat das funktioniert? „Wir haben in den Teams Marktforschung, Etiketten, Produkttest und Kommunikation gearbeitet und den kompletten Wertschöpfungsprozess begleitet“, sagt Anja Klein. „Viel mehr Arbeit als gedacht“, ergänzt ihre Kommilitonin Inga Pietsch. Dabei hätten sie erkannt, welcher Wert in dem Milchprodukt tatsächlich steckt. „Besonders wichtig ist es, immer von der Zielgruppe aus zu denken“, erläutert Professor Link. Beim Joghurt konzentrierten sie sich auf junge Frauen. In enger Zusammenarbeit mit dem Ehepaar Gruschka erarbeiteten die Künzelsauer drei Joghurtsorten. Sie sollten der Zielgruppe schmecken und zur Jahreszeit Herbst/Winter passen. Zimtstern, Bratapfel und Mandarine waren die Sieger der Produktkonzepte. 15 Studierende fuhren nach Marlach. Ausgestattet mit Hygienekleidung machten sie sich ans Abfüllen des Joghurts. 800 Becher in drei Stunden – kein schlechtes Ergebnis.

„Die Studierenden sollen etwas lernen, dabei Spaß haben und ein Ergebnis sehen“, beschreibt Joachim Link seine Motivation. „Wenn sich ein Absolvent bei mir bedankt, ist das ein tolles Gefühl.“ Der Professor möchte sein Projekt auf jeden Fall wiederholen und sucht bereits neue Kooperationsangebote aus der Hohenloher Wirtschaft.


Text und Foto: Heilbronner Stimme