Leben am Leistungslimit | hochschulenhoch3

Zwischen Vollgas und Stillstand

4. Juli 2017 – Wie ist es, am Leistungslimit zu leben? Wie hält man das durch? Darum geht es in der  Talkrunde „Backstage“, die Studierende der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau organisieren. Titel: „Yes, I can’t – Leben am Leistungslimit“. Gäste sind Manager Markus Schäffler, Comiczeichner Timo Wuerz, Bandsänger Stefan Dettl, Extremalpinist Michael Wohlleben und Raphael Fellmer, der fünf Jahre im Geld- und Konsumstreik lebte.

„Dieses Thema betrifft alle, denen nicht die Balance gelingt zwischen einerseits Leistung zu bringen und andererseits Zeit zur Regeneration zu schaffen“, eröffnet Moderatorin Bernadette Schoog die Talkrunde. Sie möchte von den Gästen wissen, wie es ist, sich am Leistungslimit zu bewegen. Stefan Dettl: „Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich in einer ganz anderen Stimmung. Fast wie ein anderer Mensch. Die Zuschauer wollen die Leute auf der Bühne leiden sehen. Da gebe ich 100 Prozent.“

Arbeiten bis zur völligen Erschöpfung

Markus Schäffler gibt offen zu: Bei ihm verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit. „Sobald ich morgens aufwache, bin ich sofort da und bereit zu arbeiten.“ Früher arbeitete der Manager 14 bis 16 Stunden täglich. Die Arbeit sei sein Hobby, er selbst Perfektionist. „Perfektionismus ist mein Antrieb, gleichzeitig auch eine Droge. Wann hörst du auf und lässt es gut sein?“ 2010 bricht er vor Erschöpfung zusammen. Nichts geht mehr. Er ist unfähig, die einfachsten Dinge zu tun. Aufstehen und sich aus dem Kühlschrank was holen? Markus Schäffler fühlt sich wie gelähmt. Eine monatelange Auszeit, in der er nur dasitzt und Löcher in Luft guckt, macht ihn gesund.

Eine ähnliche Erfahrung hat auch Michael Wohlleben hinter sich. Getrieben vom Leistungsdruck, fühlt er sich plötzlich wochenlang krank, ohne dass Ärzte eine Ursache finden. Erst als er sich zum vorrübergehenden Rückzug zwingt, geht es ihm wieder besser.

Typ Langweiler als Ausgleich

„Was habt ihr daraus gelernt“, möchte Bernadette Schoog wissen. Markus Schäffler ist sich heute sicher: „Man lernt, auf seinen Körper zu hören und Pausen einzulegen. Das habe ich vor meinem Zusammenbruch nie gemacht, weil ich ja gerne arbeite.“ Man muss sich zwingen, auch das Smartphone wegzulegen, sagt er. Markus Schäffler und Comiczeichner Timo Wuerz sind privat befreundet. Der Zeichner scherzt: „Ich freue mich immer, wenn ich Markus am Wochenende nicht erreiche.“

Michael Wohlleben attestiert seiner Branche kaum Verständnis für derartige Bedürfnisse. „Extremsportler sind besonders gefährdet für Erschöpfung und Burnout. Sie verstehen nicht, dass der Körper eine Pause braucht. Das weiß man erst, wenn man selbst die Erfahrung gemacht hat.“

Sänger Stefan Dettl hat seine eigene Methode, um vom stressigen Musikeralltag Abstand zu gewinnen: „Im normalen Leben bin ich ein ruhiger Typ, fast schon langweilig.“

 

Text: Sarah Arweiler, Fotos: Hochschule Heilbronn

Veranstaltungsreihe "Backstage"

An der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau organisieren Studierende im Studiengang Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement die Veranstaltungsreihe „Backstage“. Die Idee: In einer Talkrunde tauschen sich etablierte Künstler und Newcomer aus. Die Autorin und Moderatorin Bernadette Schoog moderiert die Veranstaltung. Die Würth Stiftung unterstützt und finanziert das Projekt.