Fifa-Weltschiedsrichter spricht in Künzelsau | hochschulenhoch3

Markus Merk: Entscheider müssen mutig sein und Verantwortung übernehmen

23. März 2018 – Wenn der mehrfache Fußball-Weltschiedsrichter Markus Merk nach Künzelsau an die Reinhold-Würth-Hochschule kommt, ist das Haus voll, jeder Platz besetzt. Thema seines Vortrags: Sich(er) entscheiden.

Steht man als Schiedsrichter auf dem Platz, dreht sich alles darum, Entscheidungen zu treffen. Sekundenschnell müssen sie eine Situation beurteilen, abwägen und das 300 bis 400 Mal pro Spiel, weiß Markus Merk. „Als Schiedsrichter stehst du zwischen Spannungsfeldern, die zu lösen sind. Deine Entscheidungen prallen immer auf Subjektivität – die eine Mannschaft wird zufrieden sein, während sich die andere ärgert und sich ungerecht behandelt fühlt.“ Aus diesem Grund müssen Entscheider mutig sein, um Verantwortung übernehmen und ihre Entscheidungen kommunizieren. Zusätzlich muss ihnen der Spagat gelingen, schnell und richtig zu entscheiden. Schnell, aber nicht übereilt handeln, das sei die Kunst.

Wir gewinnen und verlieren zusammen

Während seiner aktiven Zeit als Schiedsrichter sah sich Markus Merk mit seinen Assistenten immer als dritte Mannschaft auf dem Platz. „Als Team feiert man die schönsten Erfolge. Für alle gewonnenen Titel der Nationalmannschaft war der Teamgeist entscheidend.“ Und wie steht es um Fehlentscheidungen? „Die sind in der Funktion des Entscheiders immer inklusive. Gerade bei Fehlentscheidungen von Schiris wird von allen Seiten eingedroschen.“ Doch nicht die Spieler, Trainer oder Fans ärgerten sich über seine Fehlentscheidungen am meisten, sondern immer er selbst. Heute ziehen die Schiedsrichter die Videoassistenten heran, um exakter beurteilen zu können. „Der Videobeweis mache den Fußball gerechter“, ist sich der Experte sicher.

Ein Besucher möchte wissen, welche Regel Markus Merk im Fußball gerne abschaffen würde? Er überlegt nicht lange: „Das Auswechseln in den letzten Spielminuten. Gerade dann sind die Spiele hochemotional. Durch die ständigen Wechsel werden sie nur künstlich verzerrt.“

Zur Person

Der Zahnarzt Dr. Markus Merk fängt im Alter von fünf Jahren in seiner Heimatstadt Kaiserslautern an, Fußball zu spielen. Schon damals beeindrucken ihn die Schiedsrichter und dessen Assistenten. Mit zwölf Jahren steht er zum ersten Mal im schwarzen Trikot auf dem Platz. 1988 pfeift Merk sein erstes Bundesliga-Spiel, 1992 wird er zum Fifa-Schiedsrichter ernannt. Merk wird zu einer der bekanntesten und erfolgreichsten Schiedsrichter auf der internationalen Fußballbühne und zu dem Mann für die Finalspiele. Zu seinen Turnierhighlights zählen das Champions League-Finale 2003 in Manchester, als sich AC Mailand und Juventus Turin gegenüberstanden und das Endspiel der Europameisterschaft 2004 mit Portugal gegen Griechenland. Markus Merk wird drei Mal zum Weltschiedsrichter des Jahres gekürt. 2008 beendet er seine Schiedsrichterkarriere und ist fortan als Fußballexperte bei Sky tätig.

Text: Sarah Arweiler, Fotos: Hochschule Heilbronn