Buer nimmt Hotelmarkt unter die Lupe | hochschulenhoch3

Professor Buer nimmt Hotelmarkt unter die Lupe

17. Oktober 2017 – Eigentlich sollten die Teilnehmer des Hospitality-Symposiums der Hochschule Heilbronn nur diskutieren. Unfreiwillig kommt das Thema Hotel durch die Veranstaltung aber ganz konkret auf die Tagesordnung der Stadt: „Heilbronn war komplett ausgebucht“, sagt Professor Christian Buer, der Organisator des hochkarätigen Kongresses in der Bildungscampus-Aula. „Das nächste Zimmer gab es in einer Pension hinter Sinsheim.“

Parallel zum Symposium gab es auch bei Audi in Neckarsulm eine Großveranstaltung. Gelegentlich komme es in Heilbronn sogar vor, verrät Christian Buer, dass Veranstalter versuchen, anderen ein Hotelkontingent abzukaufen. Das klingt schon ziemlich nach Monopoly, auch wenn es in Heilbronn keine Schlossallee gibt.

Wer in dieser Situation genügend Betten hat, kann sich glücklich schätzen – zumal die Preise inzwischen mit der Nachfrage nach oben schnellen. Und doch, so betont der Professor, ist das Symposium-Thema „Herausforderungen vor und nach der Krise“ auch für den regionalen Hotelmarkt relevant. „Wenn hier 500 zusätzliche Betten gebaut werden, dann gibt es einen Verdrängungswettbewerb“, sagt Buer zum Bau des geplanten Hotel am Stadtgarten. „Darüber will nur keiner reden.“

Professor Christian Buer
Christian Buer ist an der Hochschule Heilbronn Professor für Hotel- und Restaurantmanagement und Leiter für Tourismuswirtschaft.

Digitalisierung wirbelt das Hotelgewerbe neu auf

Nicht das Hotelangebot in der Region, sondern ganz andere Herausforderungen stehen bei der Veranstaltung auf der offiziellen Tagesordnung: zuvorderst die Digitalisierung. Eindrucksvoll erklärt Alexander Birk, Europadirektor für Strategisches Marketing der Hotelkette Best Western, was moderne Technologien ermöglichen. Der Einsatz der virtuellen Assistentin Alexa von Amazon in Hotelzimmern ist da nur der Anfang: Über sie lassen sich in einigen Häusern seiner Kette nicht nur Weckrufe bestellen, sondern auch der Roomservice oder eine Tischreservierung im Restaurant. Und zwar per Spracheingabe.

Auch im Marketing, so Birk, bietet die schöne neue Welt der vielen Daten ganz neue Möglichkeiten – dazu müssten die verschiedenen Datenbanken im Unternehmen aber zusammengeführt werden. Was das bedeuten könnte, macht er wiederum an einem Amazon-Beispiel deutlich. In einigen US-Städten versende der Internet-Gigant Bücher an Kunden, ohne dass sie bestellt worden wären. Die Erfolgsquote: 80 Prozent. „Amazon weiß, was Sie kaufen wollen, bevor Sie es wissen. Das hört sich ein bisschen gespenstisch an, aber es funktioniert.“

Krisen aushalten

Dass die Hotelbranche dennoch nicht krisensicher ist, weiß Peter Tschirky aus eigener Anschauung: Der Schweizer war Chef des Grand Resort Hotels in Bad Ragaz. Seit dem 15. Januar 2015 um 8.05 Uhr ist dort alles anders: Weil die Schweiz an diesem Tag die Koppelung ihrer Währung an den Euro aufgab, explodierte der Wechselkurs des Franken. Was Übernachtungen für Gäste aus dem Ausland dramatisch verteuerte. Binnen weniger Minuten seien die ersten Stornierungen gekommen. „Wir haben eine Liste mit 70 Posten gefunden, wo wir sparen können, ohne dass der Kunde es merkt“, erzählt der Hotelier. „Damit haben wir den Schock überstanden.“

Von Honolulu bis Heilbronn

Bewegt sich die Branche langsam auf den Abgrund zu? Moderator Rolf Westermann vom Fachblatt „AHGZ“ fragt bei Dirk Schuldes von der Commerzbank nach. „Die Hotellerie ist in den letzten Jahren aus der Schmuddelecke herausgekommen“, sagt der Chef eines milliardenschweren Immobilienfonds. Auf Hawaii hat Schuldes dieses Jahr für etwa 500 Millionen Euro das Pacific Beach Hotel direkt am Waikiki Beach gekauft. „Das macht einen Heidenspaß“, sagt der Manager, der auf Investitionen in der Hotelbranche spezialisiert ist. „Hotels sind sehr gefragt“, weiß er. Entsprechend hätten sich die Preise entwickelt. Wie bei Monopoly, nur mit echtem Geld.

Nicht nur Honolulu ist für Investoren interessant, auch Regionen wie Heilbronn, wie Christian Buer erklärt. Regionen mit einer boomenden Wirtschaft. Um sogleich eine Warnung nachzuschieben: „Weil es uns so gut geht, sehen wir gar nicht, wo die eigentlichen Herausforderungen sind.“ In sich rasant verändernden Bedürfnissen der Kunden.

 

Text: Manfred Stockburger, Foto: privat