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Vom Studenten zum Dozenten an der GGS

26. März 2018 – Seit 2017 hat Michael Hartmann eine Professurvertretung an der German Graduate School of Management and Law (GGS) in Heilbronn – der Hochschule, an der er selbst berufsbegleitend studierte und in dessen Graduiertenkolleg er promoviert hat. Mit uns spricht er über das Studentenleben, die Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf und über die Herausforderungen, vor die uns die allgegenwärtigen Fake News stellen.

 

Herr Hartmann, Sie sind aus Fulda. An der GGS haben sie studiert und promoviert. Wie sind Sie denn auf Heilbronn als Studienort gekommen?

Michael Hartmann: Nach dem Abitur hatte ich mich für ein duales Studium an der Berufsakademie in Mosbach entschieden. Als ich meinen Abschluss in der Tasche hatte, dachte ich mir: Das kann es noch nicht gewesen sein. Zufälligerweise hing damals in der Berufsakademie eine Werbeanzeige für die GGS aus, zu diesem Zeitpunkt hieß sie noch Heilbronn Business School. Das hat sich dann in mein Gedächtnis eingebrannt. Als ich mich nach einiger Zeit Berufserfahrung zu einem Master entschied, kam mir diese Anzeige wieder in den Sinn. Ich habe mich beworben, die GGS hat mich genommen. So kam ich nach Heilbronn.

Im Vergleich zu 2007 hat sich ja einiges getan in Heilbronn. Es wurde investiert in Infrastruktur, Bildung und Stadtbild. Heilbronn unternimmt viel, um Studentenstadt zu werden. Wie beurteilen Sie dieses Vorhaben?
Michael Hartmann: Grundsätzlich hat die Stadt eine tolle Entwicklung genommen. All die enormen Investitionen sind sehr vielversprechend und zeigen in die richtige Richtung. Aber, eine gute Infrastruktur alleine macht noch keine Studentenstadt. Ganz wichtig ist meiner Meinung nach hier die intellektuelle und kulturelle Vielfalt. Die macht eine Studentenstadt letztendlich aus. Das vermisse ich manchmal in Heilbronn, schließlich ist das Studienangebot bisher sehr wirtschaftlich und technisch geprägt. Aber, das wird noch wachsen.

Sie haben ja schließlich im quirligen Berlin eine ausgeprägte studentische Szene erlebt.
Michael Hartmann: Richtig. Einen Teil meiner Promotionszeit habe ich in Berlin verbracht und mich sofort in diese Stadt verliebt. Meine Studentenbude habe ich dort immer noch, die wollte ich nicht einfach aufgeben. Am Wochenende bin ich noch öfters in Berlin.

Als Sie sich entschlossen, noch mal als Vollzeit-Student zu promovieren, hatten Sie bereits zehn Jahre gearbeitet. Fiel Ihnen diese Entscheidung schwer?
Michael Hartmann: Natürlich hatte ich am Anfang Bedenken, mit über dreißig nochmal zu studieren. Das musste ich meiner Familie auch erst erklären. Und stellen Sie mal einen Antrag im Wohnheim, wo viele der Bewohner zehn Jahre jünger sind. Aber, es hat sich gelohnt.

Konnten Sie während des Studiums von ihrer Berufserfahrung und ihrem Alter profitieren?
Michael Hartmann: Ich bin ganz anders an Problemstellungen herangegangen und habe viele Dinge lockerer gesehen, als meine jüngeren Kommilitonen. Die meiste Zeit während der Promotion war ich sehr entspannt. Da konnte ich auch mal mein Studentenleben genießen.

Konnten Sie das während Ihrem dualen Studium nicht?
Michael Hartmann: Bei einem dualen Studium ist das Programm in der Theoriephase an der Hochschule sehr intensiv und eng getaktet, fast wie in der Schule. So kam es mir jedenfalls vor. Und ansonsten ist man im Unternehmen und arbeitet. Eine ganz andere Situation als an der Uni oder der Fachhochschule. Und berufsbegleitend studieren ist nochmal etwas ganz anderes.

Was muss man Ihrer Meinung nach bedenken, wenn man sich für ein berufsbegleitendes entscheidet?
Michael Hartmann: Der Erfolg eines berufsbegleitenden Studiums hängt von vier Komponenten ab: Der Arbeitgeber muss natürlich mitspielen und die Hochschule muss ein geeignetes Programm anbieten. Dann hängt es natürlich von der eigenen Person ab. Und ohne die Unterstützung des sozialen Umfelds wie Familie oder Partner geht es überhaupt nicht. Wenn in diesem Zirkel einer ausschert, wird es problematisch. Manchmal ist es schon schwierig, die eigene Motivation zu bewahren. Man kann dann nicht auch noch gegen andere Kräfte ankämpfen.

Work-Life-Balance spielt für immer mehr Menschen heute eine entscheidende Rolle bei der Berufswahl. Wie ist es bei Ihnen?
Michael Hartmann: Work-Life-Balance - das ist so ein Begriff, mit dem ich mich schwertue. Heute ist das Berufsleben mit dem Privatleben fest verknüpft. Eine bewusste Trennung wird schwieriger, je mehr man sich in seiner Arbeit selbstverwirklichen möchte. Mir hat das Studium und wissenschaftliche Arbeiten beispielsweise immer Spaß gemacht und ich habe es nicht als Arbeit empfunden. Letztendlich ist der Ausgleich eine Frage der Organisation. Meine privaten Interessen neben dem Beruf wahrzunehmen, hängt von mir selbst und meinen Prioritäten ab.

Ihr eigenes Studium liegt noch nicht lange zurück - nun vertreten Sie die Professur für Industriegütermarketing und Vertrieb. Wie erleben Sie aus der Perspektive des Dozenten Ihre Studierenden?
Michael Hartmann: Mir fällt eine hohe Bereitschaft zur Reflexion auf, was mir sehr gut gefällt. Vielleicht liegt das auch an der Berufserfahrung, aber meine Studierenden sind kritische und interessierte Zuhörer, die viel hinterfragen. Sie sind also auf dem besten Weg, ein „Critical Servant“ zu werden, also ein Diener der Wissenschaft, der die Dinge auch in Frage stellt. Meiner Meinung nach eine sehr wichtige Eigenschaft, vor allem heute.

Wie meinen Sie das?
Michael Hartmann: Gerade in unserem digitalen Zeitalter, das geprägt ist von einer Informationsflut aus ungeprüften „Nachrichten“ von dubiosen Quellen und sogenannten „Fake News“, ist es wichtig, skeptisch zu sein, den Wahrheitsgehalt von Informationen zu überprüfen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Die Aufgabe der Studierenden ist es, diese Attitüde mitzubringen, die Aufgabe der Dozenten, diesen Sinn zu schärfen.

 

Text: Carina Scholl, Foto: GGS