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Einblicke in eine Zukunftsbranche

27. November 2017 – Die Region Heilbronn ist mehr als nur ein Standort der klassischen Industrie. Zwischen Auto, Maschinen, Schrauben, Ventilatoren, Zucker und Salz wächst mittlerweile das zarte Pflänzchen der Life-Science-Unternehmen. Dahinter steckt vor allem der Zukunftsfonds Heilbronn, der in junge Unternehmen investiert und sie in Heilbronn ansiedelt. Um all diese Aktivitäten in einen größeren Zusammenhang einzuordnen, wurde der Life Science Kongress geschaffen, der in dieser Woche seine dritte Auflage erlebte. Die German Graduate School, der Zukunftsfonds und Investment Lab, maßgeblich von der Dieter Schwarz Stiftung unterstützt, brachten an zwei Tagen Unternehmer, Gründer, Investoren und auch interessierte Studenten zusammen, um sich über Trends und Entwicklungen im Bereich Medizintechnik und Biotechnologie zu informieren.

Experten  der Branche in Heilbronn

Im Vergleich zu den ersten beiden Kongressen war das Interesse groß. Rund 170 Anmeldungen verbuchten die Organisatoren – auch aus dem europäischen Ausland. „Alle wichtigen privaten Finanziers im Life-Science-Bereich waren dabei“, stellte Jochen Becker, Leiter des Investment Labs zufrieden fest. Manche auf der Bühne, die anderen im Publikum.

Günter Steffen, früherer Präsident der IHK Heilbronn-Franken und heute Fondsmanager beim Zukunftsfonds, dürfte sich über viele Äußerungen auf dem Podium gefreut haben. Denn als Probleme machten die Experten vor allem zwei Dinge aus: Zurückhaltung bei Investoren und die Notwendigkeit, die jungen Unternehmen für eine bessere Vernetzung zu konzentrieren. Beides macht der Zukunftsfonds, das letztere im Technologiepark Wohlgelegen. Vielleicht auch wegen dieser regionalen Bedeutung sprach dieses Mal sogar der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel auf der Veranstaltung.

Investoren noch zurückhaltend

Auf dem Kongress berichtete beispielsweise Klaus-Peter Fett, Innovationschef von Google for Works über Big Data. Dabei wies er auch eindringlich auf die Notwendigkeit von Kooperationen hin. SLK-Klinikdirektor Professor Uwe Martens und Professor Christian Fegeler von der Hochschule Heilbronn präsentierten ihr Molit-Institut, das sich als Bindeglied zwischen Forschung, Medizin und IT versteht. In weiteren Vorträgen ging es um die Schwierigkeiten bei der Kommerzialisierung medizintechnischer Innovationen. Eine Delegation aus Kanada zeigte am Beispiel von Lungentransplantationen, wie moderne Medizintechnik Leben retten kann.

Vor allem für die Vertreter junger Unternehmen oder gar von Start-Ups besonders interessant war die Diskussionsrunde über die Finanzierung von Life-Science-Unternehmen. Hier halten sich die Investoren derzeit oft zurück. Auch bei Börsengängen lässt sich wenig verdienen. Enno Spillner, Finanzchef der Evotec AG berichtet zwar von einem Trend nach oben, „aber der ist zu langsam“.

Erfolgsgeschichten als Türöffner

Jared Sebhatu ist Direktor bei German Accelerator, einer Einrichtung, die junge Unternehmen beim Aufbau und bei der Suche nach Partnern begleitet. Klares Ziel dabei: „Wir müssen Erfolgsgeschichten präsentieren“ – als Türöffner für künftige Investoren.

Alles wichtige Anregungen, auch für den Medizinstudenten Raphael Utz, der sich vor allem für die Start-Up-Finanzierung interessiert: Toll, dass es so eine Möglichkeit gibt.“

 

Text: Jürgen Strammer, Foto: