Kreativ, clever, mutig | hochschulenhoch3

Kreativ, clever, mutig

5. April 2017 – Was zeichnet Gründer von Start-ups aus? Sie haben den richtigen Riecher für neue Trends, verstehen den aktuellen Zeitgeist, spüren Marktlücken auf und liefern gleich die richtige Lösung. Auf den Retail Innovation Days (RID) der DHBW Heilbronn präsentieren vier Unternehmer ihre Start-ups für den Handel.

Individualität im Netz

„Kaufe von lokalen Läden und erlebe Boutique-Shopping online“. Das verspricht die Shoppingplattform sugartrends.com. Die Idee dahinter erklärt Geschäftsführer Tim Lagerpusch auf den RID: „Wir wollen lokalen Geschäften mit einzigartigen Produkten die Möglichkeit bieten, sich einem internationalen Publikum online zu präsentieren.“ Der Onlinehandel wächst seit Jahren. Besitzer kleiner Läden um die Ecke fällt es häufig schwer, neben dem üblichen Alltagsgeschäft noch einen eigenen Onlineshop aufzubauen. Auf Sugartrends können sie ihre Produkte online anbieten – von Kleidung über Wohnaccessoires bis zu Schmuck und Geschenkartikeln. Lagerpusch erklärt: „Wenn jemand in seinem Portugalurlaub an einer netten Boutique vorbeiläuft, kann er über Sugartrends dort bestellen. Das lokale Feeling kommt nach Hause.“ Für diese Idee gewann Lagerpusch und sein Geschäftspartner Christian Schwarzkopf den Shop-Award 2016. Aktuell nutzt Sugartrends 350 Mitgliedershops weltweit – ein Netzwerk, in dem jeder Einzelne durch gegenseitige Netzwerkeffekte stark gemacht wird, wie Lagerpusch sagt. „Über unsere Plattform können die Ladenbesitzer die Werkzeuge des Internets nutzen, anstatt es als Gefahr anzusehen.“

Sugartrends

 

 

Schnell und Günstig um die Welt

Warum ist bei Ebay der Versand einer Badehose innerhalb Deutschlands kostenlos, nach Österreich kostet er 19 Euro? Nach Australien sogar 79 Euro? Der Logistiker Evgenij Bazenov möchte mit seinem Start-up Parcelone den internationalen Paketversand revolutionieren. Seine Idee: Er arbeitet mit Kurierdienstleistern aus den jeweiligen Ländern zusammen, den „local heros“. Auf diese Weise werden die Versandkosten deutlich günstiger. Bazenov erklärt: „Der Cross-Border-Commerce ist für Onlinehändler häufig undurchsichtig und schwierig. Wir bieten ihm eine einheitliche Versandsoftware, sodass er sich auf den Verkauf konzentrieren kann.“ Aktuell verarbeitet Parcelone 300 bis 400 Sendungen pro Tag in die ganze Welt.

Parcelone

Vermittler zwischen Brands und Marke

Wie kommen lokale Modehändler zu guten Produktbildern für ihre Onlineschaufenster? Der einfachste Weg: die Marketingbilder der Modebrands nutzen. Doch der Kontakt zu den richtigen Ansprechpartnern ist schwierig. Manch ein Händler verbringt Stunden und Tage damit, Bildmaterial zu besorgen.  Fashioncloud teilt als Online-Plattform Marketingbilder und Produktdaten der großen Modemarken mit deren Handelspartnern. „Was in anderen Branchen üblich ist, ist im Fashionbereich ein echtes Novum. Wir sind sozusagen der  first Mover“, erklärt Mitbegründer René Schnellen. Als Austauschplattform bietet Fashioncloud die Software für Brands und Händler. Die Netzwerke will Schnellen und sein 20-köpfiges Team für weitere Projekte nutzen.

Fashioncloud

Online-Marktplatz in Ostafrika

In der Mittagspause noch schnell bei Amazon ein Geschenk für die Party am Wochenende bestellen – was in Europa für die meisten Menschen zum Alltag gehört, ist in Afrika eine Seltenheit. „In Tansania treffen sich die Leute noch klassisch auf dem Marktplatz, wo man sich die Ware anschaut und in bar bezahlt“, sagt Unternehmer Oliver Skopec. „Ob Versand oder Bezahlsysteme, für den Onlinehandel gibt es schlicht noch keine Infrastruktur.“ Ein digitaler Marktplatz, der in Afrika funktionieren soll, muss aus dem Land selbst erwachsen, da ist er sich sicher. Skopec und seine beiden Geschäftspartner haben Tupomoja gegründet – den ersten Online-Marktplatz für Tansania und Ostafrika. Mit eigener Logistik und eigenem Bezahlsystem als wichtigste Geschäftsbereiche. Skopec: „Viele Häuser haben dort keine Hausnummern, andere hingegen teilweise bis zu 30 verschiedene.“ Da müsse man sich gut auskennen und vernetzt sein. Doch trotz aller Hürden sei das Potenzial in diesem Markt riesig.

Tupomoja

 

Text: Sarah Arweiler, Fotos: Sarah Arweiler/DHBW Heilbronn