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Frau für alles

8. März 2017 – Manchmal muss Yvonne Zajontz selbst darüber schmunzeln, was sie so alles macht. Doch der Professorin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn geht es wie den meisten Zeitgenossen, die sich engagieren. Je größer das Netzwerk wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man um die Übernahme weiterer Aufgaben gebeten wird. Was für Yvonne Zajontz freilich völlig in Ordnung ist. „Ich mache das total gerne“, sagt sie.

Expertin für Medien und Kommunikation

Seit die im pfälzischen Kandel geborene und in Lauffen aufgewachsene Zajontz Ende 2013 an die DHBW gewechselt ist, hat sich ihr Aktionsradius sukzessive vergrößert. Nach kurzer Zeit hat die heute 38-Jährige an der DHBW Heilbronn die Studiengangleitung BWL-Dienstleistungsmanagement/Medien und Kommunikation übernommen. Hier erforscht Yvonne Zajontz die Funktions- und Wirkungsweise von Medien, Marketing und Werbung, beispielsweise mit Hilfe modernster Eye-Tracking-Technik im DHBW-eigenen Sensoricum. „Aktuell arbeiten wir an einem großen Forschungsprojekt über die geschlechterspezifische Wirkung von erotischen Werbeanzeigenmotiven in Zeitschriften“, berichtet Zajontz. Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit den Studierenden ist der Marktforschungsexpertin bei Forschung und Lehre besonders wichtig. „Es macht großen Spaß, den Reifeprozess meiner Studierenden zu begleiten“, sagt sie.

Seit knapp drei Jahren ist Yvonne Zajontz auch Gleichstellungsbeauftragte an der DHBW Heilbronn. In diesem Ehrenamt muss sie darüber wachen, dass weibliche Bewerber etwa bei Berufungsverfahren für Professoren oder bei Jobbewerbungen im akademischen Mittelbau nicht benachteiligt werden. In einem jährlichen Bericht muss die Professorin ihre Arbeit dokumentieren, „bisher gab es glücklicherweise noch keine größeren Konflikte“, sagt Zajontz.

Frauenquote erfüllt

Die DHBW sieht sie beim Thema Frauen ohnehin recht gut aufgestellt. „Von den 29 Professoren hier sind neun Frauen“, sagt Yvonne Zajontz. Die Professorinnenquote von gut 32 Prozent liegt klar vor der bundesweiten Quote von 19 Prozent. Und bei den Studierenden, die freilich von den kooperierenden Unternehmen ausgewählt werden, liege der Frauenanteil bei 52 Prozent.

Yvonne Zajontz will dazu beitragen, dass mehr Frauen in Deutschland promovieren und habilitieren. „Es ist möglich“, sagt sie mit Blick auf entsprechende Mentoring-Programme. Leider sei es aber immer noch so, dass nur wenige Studentinnen den langen Weg zur Professorin antreten. Die DHBW-Gleichstellungsbeauftragte ist als Partnerin stets auch in die Organisation der jährlichen Frauenwirtschaftstage in Heilbronn eingebunden. Zudem ist Zajontz als Beauftragte für Diversität für kulturelle Vielfalt an der DHBW zuständig. Da Flüchtlinge in den dualen Studiengängen bisher aber so gut wie keine Rolle spielen, ist der zeitliche Aufwand überschaubar – genauso wie jener als Ansprechpartnerin für Fragen im Zusammenhang mit sexueller Belästigung. Im Senat und im Hochschulrat der DHBW ist sie ebenso vertreten wie in der Wissenschaftskommission des Sensoricums. „Ich bin die Frau für alles“, lacht Yvonne Zajontz.

Engagement außerhalb des Hörsaals

Zwar hat die ehrgeizige 38-Jährige in Trier Betriebswirtschaftslehre, Ethnologie und Wirtschaftsgeografie studiert und in Frankfurt promoviert, war forschend in Kamerun unterwegs und hat bei der landeseigenen Einrichtung BW International in Stuttgart gearbeitet. Doch die in Lauffen aufgewachsene Wissenschaftlerin bezeichnet sich als „heimatverbunden“. Mit der Rückkehr nach Heilbronn sei sie angekommen, sagt Yvonne Zajontz. „Ich bin zufrieden.“

Da verwundert es nicht, dass die neugierige und aktive Frau sich auch außerhalb von Hörsaal und Labor engagiert. So hat sie mit dem Heilbronner App-Entwickler Mark Siller einen digitalen Stammtisch gegründet, an dem sich Experten aus verschiedenen Bereichen zum lockeren Ideenaustausch treffen. „Wir wollen Heilbronn mit digitalen Leuchtturmprojekten attraktiver machen“, lautet ihr Ziel. Im Team Buga tüftelt Zajontz mit ihren Kollegen der anderen Heilbronner Hochschulen an einem gemeinsamen Auftritt auf der Bundesgartenschau 2019. Und als Jury-Mitglied war sie am noch laufenden Markenbildungsprozess der Stadt Heilbronn beteiligt.

Wo bleibt bei diesem strammen Pensum das Privatleben? „Ich habe ein gutes Zeitmanagement“, sagt Yvonne Zajontz. „Ich arbeite bestimmt nicht wenig, aber acht Stunden Schlaf brauche ich und bekomme ich auch.“ Sie sei nicht der Typ, der die Abende auf der Couch verbummelt, sagt sie. Ihre knapp bemessene Freizeit verbringt Yvonne Zajontz lieber im Schwimmbad beim Bahnenziehen – oder aber beim Balletttanzen. Nur das Schachspielen, einst sogar in der zweiten Bundesliga, hat das Multitalent aufgegeben. Alles geht dann doch nicht.

 

Text: Jürgen Paul, Foto: DHBW Heilbronn